Einige Nachbarn protestieren

In diesem Hotel wohnen 120 Asylbewerber

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J osef Assal (Mitte) mit einigen der Asylbewerbern

München - Im Hotel Pollinger an der Aubinger Straße leben seit knapp zwei Wochen 120 Flüchtlinge – die meisten von ihnen aus Afghanistan, Syrien und Pakistan.

Nein, er ist wohl kein Einzelfall. Erst vor wenigen Tagen berichtete die tz über einen bulgarischen Lkw-Fahrer, der für ein 11-qm-Zimmer in Moosach 578 Euro Monatsmiete zahlt. Jetzt beschäftigt sich der Bezirksausschuss (BA) Aubing mit einem Hotel, in dem über 100 Asylbewerber untergebracht sind. Beide Fälle zeigen, wie groß die Probleme werden können, wenn Wohnungsnot und Zuwanderung zusammenkommen.

Im Hotel Pollinger an der Aubinger Straße leben seit knapp zwei Wochen 120 Flüchtlinge – die meisten von ihnen aus Afghanistan, Syrien und Pakistan. Einige Nachbarn sehen das gar nicht gern. Bei einer Sitzung des BA schimpfte manch einer, durch die Flüchtlinge verliere seine Immobilie an Wert. Und eine alte Frau traue sich angeblich nicht mehr allein auf die Straße. BA-Vorsitzender Josef Assal (SPD), dessen Vater aus Ägypten stammt, empfand vieles, was bei der Sitzung gesagt wurde, laut Münchner Merkur als „absolute Frechheit“. Grund genug, am Donnerstag vergangener Woche einen Info-Abend zu veranstalten – im Hotel, mitten unter den Flüchtlingen. Assal: „Flüchtlinge sind Menschen!“ Eine Woche lang hätten die Asylbewerber trotz Sonnenscheins das Haus kaum verlassen, um niemanden zu stören.

Dass die Flüchtlinge hier untergebracht wurden, hat einen einfachen Grund: Die Erstaufnahme-Einrichtungen in Bayern sind überfüllt. Auf 500 Münchner Plätze kommen derzeit rund 1000 Leute, die man unterbringen müsste. In den Heimen in der Baierbrunner Straße und in der ehemaligen Bayernkaserne ist kein Platz mehr. Deshalb, so Roland Endlicher von der Regierung von Oberbayern, müsse man sich Gedanken über Alternativen machen: „Wir können ja nicht einfach sagen: ,Wir kümmern uns in zwei Wochen um die Sache.’ Da geht es um Menschen, Familien, die jetzt ein Bett und ein Dach über dem Kopf brauchen.“

Als Anfang Mai nichts mehr ging, brauchte die Regierung schnell eine zusätzliche Unterkunft – und fand das Hotel Pollinger, das von der 2-Rent Group betrieben wird. Deren Geschäftsführer Alexander El Naib sagte, die Hotel-Unterbringung der Flüchtlinge sei eine vorübergehende Lösung. Die 2-Rent Group ist übrigens auch der Vermieter des bulgarischen Lkw-Fahrers in Moosach.

Katharina Mutz

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