Im Schlachthof-Viertel

Bei diesem Wirt gab's Koks als Dessert

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Fritz S.: Noch ist er Gastwirt.

München - Das kleine Wirtshaus im Schlachthof-Viertel galt als Geheimtipp: Hier gab's Koks auf Bestellung - in der Kasse wurde die Drogen als Dessert verbucht. Jetzt steht der Wirt vor Gericht.

Bier und Schnaps hatten bei ihm ganz normale Preise. Auch die Häppchen, die es in der Kneipe von Fritz S. (59, Name geändert) gab, kosteten nur ein paar Euro. Da fiel das „Dessert“, das in der Kasse verbucht wurde, völlig aus dem Rahmen: 75 Euro! Die Drogenfahnder sind sich sicher: Hier handelt es sich um Kokain für ganz spezielle Gäste. Jetzt muss sich der Gastwirt wegen Drogenhandels vor dem Schöffengericht verantworten.

Das kleine Wirtshaus im Schlachthof-Viertel war nach Ansicht der Ermittler ein Geheimtipp. Dumm nur, dass im Zuge der Ermittlungen eine Bedienung ausgepackt hatte. Sie hatte vor Gericht gestanden, im Auftrag von Fritz S. die Kokain-Briefchen an die Gäste weitergegeben zu haben. Sie hatte auch ausgesagt, dass das Rauschgift als „Dessert“ verbucht wurde. Sie ist bereits rechtskräftig zu eineinhalb Jahren Haft auf Bewährung verurteilt. Am Montag sollte die Kellnerin gegen ihren Ex-Chef aussagen. Aber sie kam nicht. Ist sie untergetaucht - aus Angst?

Ins Rollen gebracht hat das Ermittlungsverfahren ein Knacki, der in der Hoffnung auf ein günstiges Urteil zwei Drogenhändler verpetzt hat. Darauf wurden die Telefone von Hans L. und Walter O. überwacht - mit Erfolg. Dabei hören sie die Gespräche, die Montag vor Gericht abgespielt wurden, ganz harmlos an. „Wie gehts?“ Antwortete der Angerufene mit „mir geht es schlecht“, so hieß das, dass er zurzeit keine Ware hat. „Bin gesund“, hieß indessen, das Koks ist da!

Heinz L. wurde gefasst, als er mit 300 Gramm Kokain zur Fritz S. unterwegs war. Beide hatten zuvor emsig telefoniert. L. sitzt im Knast, sein Prozess beginnt nächsten Montag. Fritz S., bei dem die Polizei zwei Espresso-Dosen voller Marihuana sicherstellte, bestreitet den Handel mit Kokain. Sein Anwalt Andreas Schwarzer befürchtet jedoch, dass seinem Mandanten eine mehrjährige Haftstrafe blüht.

Eberhard Unfried

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