Dieser Opa (73) ist ein Serieneinbrecher

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Detlef S. ist vor Gericht bockig

München - Mit seinen 73 Jahren ist Detlef S. noch fit wie ein Turnschuh. Keine Stahltür ist ihm zu stark, keine Panzerglas-Vitrine, die er nicht knacken kann. Jetzt steht der Rentner vor Gericht. 

Wegen vier erfolgreicher Einbrüche und einem Einbruchsversuch in Schmuckgeschäfte in Bad Tölz und Rosenheim muss sich der rüstige Rentner nun vor dem Landgericht München II verantworten. Obwohl der Verkauf seiner Beute laut Anklage 172 672 Euro einbrachte, kassierte er auch noch dreist Sozialhilfe!

Er hat erst in München Kunstpädagogik studiert, dann absolvierte Detlef S. eine Schlosserlehre. Auf diesem Gebiet wurde er Profi. Wobei er seine erlernten ­Fähigkeiten oft in dunkler Nacht einsetzt – auf der Jagd nach Gold und Edelsteinen. Er bringt er es auf eine beachtliche Vorstrafenliste mit vielen Jahren im Knast.

Von den Richtern nach seiner beruflichen Karriere befragt, berichtet er grinsend von „Unterbrechungen durch die Justiz“. 1970 bekam er fünf Jahre aufgebrummt. Zuletzt erwischte es ihn 2005 in Österreich. Am 7. Juli 2008 kam er wieder in Freiheit.

„Unbeeindruckt von der verbüßten Haftstrafe“, so der Staatsanwalt, „nahm er seine kriminellen Aktivitäten wieder auf. Dabei fiel ihm Schmuck im Wert von mindestens 230 000 Euro in die Hände. Am 16. Februar 2011 versuchte er es wieder in Bad Tölz. Das Schloss eines Schmuckladens hatte er bereits geknackt, als eine Zeitungsausträgerin ihn beobachtete. Er machte sich zwar aus dem Staub, doch die Polizei konnte ihn kurze Zeit später fassen.

Ein Geständnis? Mitnichten, Detlef S. bestreitet alles. Wozu er ein Stemmeisen braucht, Werkzeuge zum Schlösser knacken? So was hat man halt …

Auch vor Gericht ist der Angeklagte bockig. Woher kam der Goldschmuck, den an zwei Händler verkaufte? „Der stammt nicht aus Diebstählen“, behauptet er. Woher dann? Schweigen. Woher stammen die 172 000 Euro, die aufs Konto seiner Tochter flossen? „Ich machte Geschäfte mit Aktien“, behauptet er. Als Staatsanwalt Florian Burkhard nachhakt, wird der Sozialhilfe-Empfänger patzig: „Ich beantworte Ihre Fragen nicht, haben Sie das endlich begriffen?“

Vorsitzender Richter Ralph Alt sauer: „Sie laufen Gefahr, dass Sie sich hier vergaloppieren.“ Unbeirrt bleibt der 73-Jährige stur: „Ich habe vergessen, woher das Geld kam.“ Der Prozess geht weiter.

Eberhard Unfried

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