Drei Jahre und neun Monate Knast

Senioren beklaut: Dieser Pfleger sollte sich was schämen!

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Der Pfleger auf der Anklagebank: Peter S. (35) war seit 2012 bei dem Maltesern beschäftigt

München - Er spricht nicht ein Wort. Keine Entschuldigung, kein Bedauern. Nicht mal den Kopf hebt Peter S. (35) an, als er seinen betagten Opfern im Gerichtssaal gegenübersitzt.

Neun sind es an der Zahl, zwei kommen im Rollstuhl. Aber er schafft es nicht, ihnen in die Augen zu schauen – obwohl sie so unter ihm leiden mussten. Sein Auftritt ist einfach nur zum Schämen!

Als Pfleger sollte Peter S. alte Menschen in Not unterstützen. Zwischen Januar und Juli 2014 hat er ihre Hilflosigkeit aber immer wieder eiskalt ausgenutzt. Als er von den Maltesern zu Notrufen geschickt wurde, spähte er nebenher auch die betreuten Wohnungen der Senioren aus. Sobald sie in die Klinik mussten, schlich er sich dorthin zurück und nahm ihnen Bargeld und Schmuck weg – insgesamt 50 000 Euro. Besonders gemein: Für Notfälle hatten die Patienten ihm den Schlüssel hinterlegt.

„Er ist von seinem Handeln selbst schockiert. Da gibt es nichts schönzureden“, erklärt Verteidigerin Katja Günther. „Für ihn war es ein sehr anstrengender Beruf. Die Arbeit als Pfleger brachte ihn an die Grenzen der Belastbarkeit.“

Warum er seinen Frust aber an den Senioren ausließ, dazu sagt der Dieb nichts. Ihn überführte das GPS-System in seinem Dienstwagen. „Die Auswertung zeigte an, dass er sich ungewöhnlich lange in der Wohnung von Pflege-Kunden aufhielt, obwohl dort an diesem Tag kein Einsatz vorgesehen war“, sagt Abteilungsleiter Thomas Rapp von den Maltesern. Zum Beispiel nachts um 0.52 Uhr für 39 Minuten im Hochstiftsweg.

Als Nachbarn Peter S. dabei beobachteten, zeigten sie ihn an. „Ihre Taten waren besonders perfide“, schimpfte Amtsrichter Josef Bonkamp. „Sie haben sich an alten und schwachen Menschen bereichert und ihnen wertvollen Schmuck genommen.“ Er verurteilte den Pfleger zu drei Jahren und neun Monaten Haft! „Wir sind sicher, dass sie alle angeklagten Taten begangen haben und wahrscheinlich noch mehr.“ Die Ermittler fanden insgesamt 250 Schmuckstücke in der Wohnung von Peter S. Nur 25 davon konnten die Opfer aber bei der Polizei identifizieren.

Die Opfer:

Ruth Schneider (95): "Am 4. April 2014 bin ich zuhause gestürzt und habe dann den Hausnotruf der Malteser gerufen. Nach einer Stunde kam ein Pfleger. Er sagte, dass ich in die Klinik muss und machte mich transportfähig. Als mein Oberschenkelhalsbruch operiert wurde, ging er aber nochmal in meine Wohnung – das haben meine Nachbarn beobachtet. In meinem Sekretär fehlten später 800 Euro und mein Ehering. Ich habe dann alle Schlösser austauschen lassen."

Elisabeth Schmid (98): "Ich konnte plötzlich nicht mehr aufstehen und wählte den Notruf. Die Malteser vermuteten einen Schlaganfall und schickten gleich einen Pfleger. Im Schlafzimmer hatte ich eine Kassette mit Wertsachen und Schmuck für 6000 Euro. Später war alles weg! Mein Neffe wechselte gleich die Schlösser. Den Täter erwischte meine Nachbarin später durch Zufall, als er wieder in die Wohnung wollte. Da zuvor niemand einen Pflege-Notruf abgesetzt hatte, rief sie gleich die Polizei."

Ursula Kelterl (67): "Meine Mutter (auf dem Foto rechts) war 95 und ist nach dem Diebstahl leider verstorben. Die Pfleger kamen immer morgens und abends zu ihr, weil sie im Rollstuhl saß. Nach einem Sturz im Januar 2014 musste sie ins Krankenhaus. Als sie zurückkam, fehlten ihr 700 Euro. Im betreuten Wohnen wurde ein Schlüssel für ihre Wohnung hinterlegt, den auch wir drei Töchter genutzt haben. Aber man ahnt ja nicht, dass ein Pfleger das so ausnutzen könnte. Schrecklich!"

Melita Erika Schwabe (95): "Im Februar 2014 bekam ich Magenschmerzen und habe die Malteser angerufen, die mich in die Klinik brachten. Dort sagte mir der Oberarzt, dass ich ein paar Tage in Quarantäne bleiben muss. Als wieder zuhause war, kam mir alles gleich seltsam vor. Als ich den Schreibtisch aufgemacht habe, merkte ich, dass Schmuck fehlt. Alles aus Gold war weg. Ringe, Ketten und Anhänger für insgesamt 15 500 Euro."

Hans Dietrich Bartsch (89): "Im März 2014 habe ich meinen Notruf-Knopf gedrückt, weil ich starke Schmerzen in der Brust hatte. Nach wenigen Minuten kamen drei Sanitäter zu mir nach Hause. Zwei haben mich an ein EKG angeschlossen und gaben mir Infusionen. Der dritte lief nur herum, das hat mich gewundert. Als ich ein paar Tage später nach Hause kam, waren meine Spardose leer und die Geldbörse weg. Es fehlten 400 Euro. Seit dem Vorfall ist alles anders. Jeden Abend vor dem Zubettgehen schaue ich nach, ob die Tür zu ist."

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