Münchner liefert Spezialität auf Rädern

Call a Knödel

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Call a Knödel: Stefan Oberdorfer liefert Schmankerl.

München - Mal wieder nichts zu essen daheim und Hunger auf bayerische Küche? Kein Problem: Stefan Oberndorfer, der in Solln das „Wirtshaus Schützenlust“ betreibt, bringt die Knödel nach Hause.

Hätte Stefan Oberndorfer nicht der Magen geknurrt, es wäre nie so weit gekommen. Es ist der Neujahrstag 2011, der Wirt ist daheim, sein Lokal in Solln hat Ruhetag und er ist hungrig. Doch nach Pizza ist ihm nicht, auch Asianudeln sind nichts für seinen Appetit. „Dann habe ich eine Weile verzweifelt gesucht nach einem Lieferservice mit bayerischem Essen“, erzählt er. Gefunden hat Oberndorfer: Nichts. Und: Eine Geschäftsidee.

Wenige Wochen später gründet der geschäftstüchtige Bayer den „Knödelexpress“, den ersten Münchner Lieferservice für bayerisches Essen. Bestellt wird das Essen telefonisch oder per Mausklick, gebracht wird es bis an die Haustür, meist innerhalb einer Dreiviertelstunde. „Ich bin jemand, der gerne macht“, erklärt der braun gebrannte 53-Jährige seine Entschlossenheit. Ein Fahrer und ein Auto sind schnell gefunden, das Essen ist kein Problem, Oberndorfer ist Inhaber des „Wirtshauses Schützenlust“ und blickt auf 33 Jahre Erfahrung in der Gastronomie zurück.

Der Anfang im vergangenen Jahr ist dennoch nicht einfach: Schweinsbraten, Knödel und Würstel sind komplizierter zu liefern als asiatische Nudeln oder Pizza. „Pommes werden weich, sobald ich sie einpacke, eine Schweinshaxe passt nicht in die handelsübliche Aluminiumschale“, erläutert Oberndorfer. Die Lösungen sind bald gefunden: Schweinshaxe gibt es in einer Wärmetüte wie auf der Wiesn, Knödel in Styropordöschen mit Deckel, Rahmschwammerl in der klassischen Alu-Verpackung.

Es dauert, bis die Menschen das Angebot kennen - und annehmen, schließlich scheinen sich bayerische Wirtshausgemütlichkeit und Essen per Mausklick zu widersprechen. „Anfangs gab es Tage mit nur einer Bestellung“, erinnert er sich. Oberndorfer wirbt daher mit großen Plakaten in seiner Ausliefergegend.

Mittlerweile hat sich der Service herumgesprochen. Seit Sommer 2011 läuft das Geschäft gut. Sieben Tage die Woche, zwischen 11 und 22 Uhr, liefern seine „Knödelfahrer“, wie Oberndorfer sie liebevoll nennt, aus. Unter der Woche bestellen viele Unternehmen, dann ist immer ein Fahrer unterwegs im kleinen roten Auto des selbst ernannten „königlich bayerischen Lieferservices“. Am Wochenende ist Hochbetrieb, zwei Fahrer sind dann im Einsatz. Die meisten Bestellungen kommen aus Sendling und am Sonntagabend, „zur Primetime“, sagt Oberndorfer und lacht.

„Viele bestellen auch nur, weil sie es witzig finden“, erzählt er. Immer wieder landen kuriose Anfragen in der Zentrale, dem Lokal an der Sollner Herterichstraße 46. Ein Kunde hat sich einen Riesenknödel für 30 Gäste gewünscht, andere wollten besonders kleine Knödel für den Kindergeburtstag. Auch um eine Lieferung nach Wolfratshausen wurde Oberndorfer gebeten. „Gibt’s bei Ihnen auch was anderes als Knödel?“, hört er regelmäßig. „Beim Pizza-Service gibt es auch nicht nur Pizza“. antwortet er dann.

Am häufigsten bestellen die Kunden übrigens gar nicht Knödel, sondern Fleischpflanzerl und Schweinsbraten. Und Oberndorfers Leibgericht: Bratkartoffeln mit Spiegeleiern und Spinat.

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