Rechtsmediziner Peschel pflegt die Kult-Mumie

Dieser Münchner ist Ötzis neuer Leibarzt

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Dr. Oliver Peschel (kleines Foto oben) und seine Wissenschaftlerkollegen werden die Mumie regelmäßig untersuchen.

München - In aller Regel sind die Leichen, die Privatdozent Dr. Oliver Peschel (51) und seine Kollegen im Keller haben, vergleichsweise jung. Aber dieser höchst hutzlige Herr hat doch schon einige Jahre auf dem Buckel, genauer gesagt um die 4000. So alt wird der Ötzi geschätzt.

Nun bekommt der Mann aus dem Eis (siehe Stichwort unten) sozusagen einen neuen Leibarzt: Dr. Peschel wird sich von 2016 an als neuer Konservierungsbeauftragter um die Kult-Mumie kümmern, die im Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen ausgestellt ist.

Der Rechtmediziner von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität gehört schon seit einigen Jahren Ötzis Betreuerstab an. Jetzt übernimmt er dessen Leitung – als Nachfolger von Dr. Eduard Egarter Vigl, der nach 20 Jahren abtritt. Peschel hat die Besetzungskommission mit „Fachkompetenz und einschlägiger Erfahrung“ überzeugt.

Zu seinen Aufgaben gehört es, die korrekte Aufbewahrung der Mumie zu überwachen. Schließlich soll der Mann aus dem Eis unter keinen Umständen Schaden nehmen. Eine knifflige Aufgabe, zumal der Mann aus dem Eis schon zu Lebzeiten nicht mehr der Taufrischeste gewesen sein dürfte. So heißt es in der offiziellen Diagnose der Südtiroler Archäologen: „Mit seinen ungefähr 45 Jahren gehörte der Mann aus dem Eis wohl zu den ältesten seiner Gemeinschaft. Dementsprechend weist sein Körper eindeutige Degenerationserscheinungen auf. Seine Gelenke zeigen Spuren von Verschleiß, seine Blutgefäße sind verkalkt. Die Zähne von Ötzi sind abgenutzt; er litt unter Karies und Parodontose. Am Körper finden sich verschiedene Spuren von Verletzungen, die er sich zu Lebzeiten zugezogen hat. Auf der linken Seite des Brustkorbs findet sich ein gut verheilter Serienrippenbruch.“

Damit der Ötzi ansonsten schön frisch bleibt, bekommt er im Bozener Museum eine Art Spezialbehandlung. Dort werden nur für ihn die Bedingungen simuliert, die im Gletschereis herrschen: eine Temperatur von minus sechs Grad und eine relative Luftfeuchtigkeit von 98 Prozent. „Um das Austrocknen der Mumie zu verhindern, sind an den Zellenwänden Fliesen aus Eis verlegt“, erläutert das Museum. „Zudem wird der Körper regelmäßig mit destilliertem Wasser befeuchtet, sodass sich ein schützender Eisfilm auf der Haut bildet.“ Für all dies sorgt ein Spezial-Kühlsystem. Um sicherzustellen, dass es auch einwandfrei funktioniert, wird Dr. Peschel den Ötzi regelmäßig untersuchen.

Andreas Beez

Der Mann aus dem Eis

Sein Fund gilt bis heute als Weltsensation: Erika und Helmut Simon aus Nürnberg entdeckten den Ötzi am 19. September 1991 bei einer Bergtour in den Ötztaler Alpen (siehe Foto rechts) – daher auch der Name der Mumie, die der Gletscher am Tisenjoch unterhalb der Finailspitze freigegeben hatte. Wie Untersuchungen später ans Licht gebracht haben, war der Ötzi von einem Pfeil in die Schulter getroffen worden und wahrscheinlich innerlich verblutet. Heute markiert eine vier Meter hohe Steinpyramide den Fundort, der sich auf italienischem Staatsgebiet knapp hundert Meter von der österreichischen Grenze entfernt befindet. Die Leiche gilt als außergewöhnlich gut erhalten und zählt zu den ältesten Mumien weltweit.

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