Dieser Typ hat einen Schatten

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Erwin A. verlässt grantig das Gericht. Er soll ins Gefängnis. Nun hofft er auf mildere Richter in 2. Instanz.

München - Ein Mann fühlte sich beim Sonnenbad von einem Tramfahrer gestört und schlug diesem ins Gesicht. Jetzt stand der der mehrfach vorbestrafte 50-Jährige vor Gericht.

Als g’standnem Münchner schmeckt Erwin A. (50) das Bier am besten bei strahlendem Sonnenschein. Am Abend des 29. März saß der gelernte Bäcker mit seinen Spezln beim Kiosk an der Tram-Haltestelle Großhesseloher Brücke und genoss seine ersten Freiluft-Halben. Er sagt: „Es war der erste Sonnentag in diesem Jahr.“

Tramschleife Großhesseloher Brücke: Hier schlug Erwin A. auf den Fahrer ein

Aber dann, oh weh, kam eine Tram der Linie 15 und wendete. Fahrer Klaus S. (53) wollte seine fahrplanmäßige Pause einlegen. Der Zug warf einen langen Schatten auf die Bier­tische. Da flippte der Erwin aus! Er fegte den Fahrer an: „Kannst du die Karre nicht woanders parken?“ Klaus S. nahm den grantelnden Erwin nicht ganz ernst. In wenigen Minuten würde er sowieso die Rückfahrt antreten. Doch der war damit gar nicht einverstanden. „Der ist genau vor unsere Tische gefahren. Ich wollte den Fahrer zur Rede stellen“, murrte Erwin A. am Mittwoch vor Gericht. Doch dieser habe ihn als Asozialen beleidigt und gesagt: „Gehe zurück zu deinen Kumpels.“

Da wurde der Erwin erst richtig sauer, wie er vor Gericht unumwunden zugab: „Ich habe ihn am Krawattl gepackt und mit der Faust geschlagen!“ Klaus S. ging zu Boden, blutete aus Nase und Mund. Er rappelte sich wieder auf und funkte vom Fahrerhaus aus um Hilfe. Polizei und MVG-Mitarbeiter rückten an. Während Beamte den Tramfahrer vernahmen, reinigte der MVG-Mitarbeiter Günter E. den Zug vom vielen Blut. Immer noch warf die Tram lange Schatten, die am Biertisch für unangenehme Kühle sorgten. Hitzkopf Erwin A. sprang wieder auf und knöpfte sich diesmal Günter E. vor, schlug auch diesem mitten ins Gesicht!

Der 56-Jährige aber wehrte sich, schlug zurück. Da wird der schlagfertige Erwin wehleidig: „Er hat mir einen Zahn ausgeschlagen.“ Das Mitleid vor Gericht hielt sich freilich in Grenzen, denn Erwin A. bringt es auf sage und schreibe 17 Vorstrafen. Die meisten wegen Körperverletzung und Landfriedensbruchs. Der Bayern-Fan hatte auch schon im Stadion randaliert. Eine sechsmonatige Bewährungsstrafe ist noch offen. Diesmal reichte es Richter Jürgen Hanselmann: Er verknackte Erwin A. zu sieben Monaten Haft – und zwar ohne Bewährung!

Außerdem muss er 4000 Euro für seine Opfer bezahlen. Das will der Verurteilte nicht auf sich sitzen lassen. Sein Anwalt Roland Autenrieth soll Berufung einlegen. Allerdings könnte der Schuss nach hinten losgehen: Sollte ein Hang zum übermäßigen Alkoholkonsum nachgewiesen werden, droht Erwin die Einweisung in eine Entziehungsanstalt.

Eberhard Unfried

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