Prominente begeistert von Schell & Co.

Dieses "Rössl" wird Kult!

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Maximilian Schell als Kaiser Kaiser und seine ­Lebensgefährtin Iva ­Mihanovic als Ottilie in der Neuinszenierung des Singspiels „Im weissen Rössl“

München - Das Singspiel "Im weißen Rössl" hat im Theaterzelt seine Premiere gefeiert. Das Publikum zeigte sich begeistert vom Rössl und vom temperamentvollen Ensemble um Maximilian Schell.

Maximilian Schell

Im weißen Rössl am Wolfgangssee, da steht das Glück vor der Tür... Und auch vor der Tür von Weltstar Maximilian Schell (81) – selbst, wenn es fünf Anläufe dazu brauchte. Er habe ihm gedroht, er werde jeden Abend mit dem Zither-Trio anrücken und unter seinem Balkon spielen, falls Schell nicht ja sage zu der Rolle als ­Kaiser Franz Joseph in dem Singspielklassiker. Josef E. Köpplinger, neuer Intendant des Gärtnerplatztheaters, der für diese Inszenierung ins Fröttmaninger Theaterzelt ausweichen muss, wollte den Grandseigneur der Schauspielkunst unbedingt dabei haben: „Ich suchte einen Kaiser, dessen Persönlichkeit alle wahrnehmen – eine Art Übervater!“

Schell hat erst mal „Nein“ gesagt. „Als Köpplinger aber drohte, vor mir auf die Knie zu fallen, hat mich das doch geniert und ich stimmte zu. Zum Glück, denn es macht so Spaß!“, schwärmt Schell. Auch, weil seine Liebste, die 34-jährige Sopranistin Iva Mihanovic als Ottilie engagiert ist. „Gibt es etwas Schöneres, als sich zu lieben und gleichzeitig noch zusammenzuarbeiten?“

Das Premierenpublikum – es war jedenfalls begeistert vom Rössl und vom temperamentvollen Ensemble. Darunter auch ­Michael von Au und der wunderbare Daniel Prohaska als Oberkellner Leopold. Bis heute bleibt Peter ­Alexander in dieser Rolle unvergessen. „Ich habe diesen Film gefühlte 20 Mal im Fernsehen gesehen und fand es wunderbar“, erzählte Schauspielerin Cosima von Borsody. „Diese Inszenierung ist aber auch äußerst gelungen, spritzig und witzig mit all diesen Liebesverwicklungen. Michael von Au als der schöne Sigismund und Maximilian Schell als Kaiser sind wirklich genial!“, befand von Borsody, die mit ihrem Ehemann Dr. Bernhard Hock extra von Ulm angereist war.

Begeistert war aber auch Schlagerlegende Bibi Johns. „Ich habe mich sehr amüsiert und die Leichtigkeit genossen!“, sagte die 83-Jährige, die mit Peter Alexander drei Filme gedreht hat. „Er war ein bescheidener Kollege.“ „Ja, Peter Alexander war so ein angenehmer Mensch, und über diese Inszenierung hätte er sich gefreut!“, meinte TV-Ärztin Dr. Antje-Katrin Kühnemann, die mit Mann Dr. Jörg Gühring begeistert im Publikum saß. „Es war die perfekte Abendunterhaltung!“ Gut aufgelegt waren aber auch Alice und Ellen Kessler. Als die Musik im Foyer zu laut wurde, schlugen sie vor, das Interview mit der tz auf der Damentoilette fortzusetzen. Dort plauderten sie munter los: „Der Abend heute war wunderbar! Sehr temporeich. Das Stück ist schon alt, aber in Sachen Liebe mit ihren Irrungen, Wirrungen, Eifersüchteleien, Verletzungen – das ändert sich sowieso nie!“, meinten die Zwillinge, die sich nie in Peter Alexander verliebt hatten („Er war uns nicht ­sexy genug.“), schon eher in Schell. „Den kennen wir noch aus den 50er Jahren, als wir in Berlin in derselben Pension lebten. Eines Tages riss Maximilian die Tür zu unserem Zimmer auf und sagte, er wolle uns nur mal im Bett sehen!“ Großes Gelächter der Zwillinge, die sich freuten, mit Grit Boettcher in der ersten Reihe zu sitzen.

Auch sie war restlos begeistert. „Wenn ich den Film Im Weißen Rössl sehe, bekomme ich immer so heimatliche Gefühle. Ich mochte Peter Alexander sehr. Als Erinnerung an ihn bin ich heute Abend hier, und ich muss sagen, es hat sich gelohnt! Diese flotte Inszenierung könnte Kultstatus bekommen!“, sagte die Boettcher.

Unter den überaus begeisterten Gästen waren u. a. auch: Elisabeth Wicki-Endriss, Christian und Marina Wolff, Reinhard ­Glemnitz und Frau Lydia, Katrin Ackermann-Furtwängler, Arthur Brauss, Prof. Dr. Hellmuth ­Matiasek (Cornelia Froebess musste leider krankheitsbedingt absagen), Johanna Bittenbinder, Dieter und Natascha Landuris, Christa Prinzessin von Preußen, Marion Mitterhammer uns Eva Mähl.

Barbara Zahn

Die Kultur-Kritik

Was für ein Verdacht. Nicht Beethovens Tatatataaa, nicht Mozarts ­Vogelfängerliederl oder Verdis mobile Donnas rangeln um Platz eins der ewigen Hitliste, sondern alle Nummern aus dem „Rössl“. Was für eine Belastung also: Wo jeder den „schönen Sigismund“ oder den Titelwalzer mindestens mitsummen kann.Ralph Benatzkys Singspiel also ein Selbstläufer, eine sichere Miete? Vor allem auch ein Risiko. Und dann gleich zu Beginn von Josef E. Köpplingers Intendanz.

Er zwingt das „Rössl“ nicht zur Dressur, sondern belässt’s bei der Natur. Benatzky, die vielen Berliner Initiatoren und Textdichter Robert Gilbert zielten Anno 1930 ja nicht auf Bilderbogen-Kitsch, sondern auf Satire.

Diese Fröttmaninger Welt ist tatsächlich himmelblau. Rainer Sinnells Bühnen-Einfälle sind so etwas wie Kulisse gewordenes Augenzwinkern, seine Kostüme, allesamt maßvoll ironisierte Originale, eine Augenweide.Und irgendwann ist man überrascht, mit wie wenigen Requisiten die Sache eigentlich auskommt. Aber solch Reduktion fällt gar nicht sofort auf, weil Köpplinger etwas hat, das vielen Kollegen mit Faible für die leichte Muse abgeht: Gefühl fürs Timing, für den Rhythmus einer Aufführung. In hohem Tempo startet der Abend, hängt nur im zweiten Teil etwas durch, tänzelt dabei gekonnt zwischen Kurzzeit-Kitsch, Klipp-Klapp-Komödie und Revue.

Fast für jede Humorfraktion ist etwas im Angebot. Köpplingers Extras sind manchmal herrlich schräg wie das Amor-Ballett, auch verzichtbar wie die tanzenden Kühe und nehmen Anleihen bei Loriot oder der Monty Pythons. Ein, zwei Gags sind Fehlzündungen. Und die Überfülle des ersten Teils rächt sich etwas im zweiten, um dann das Finale wie einen Kaltstart zu servieren. Doch Münchens neues „Rössl“ ist ein Gesamtkunstwerk – und ein Muss.

Markus Thiel

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