Hildebrandt, Kaminer und Hanitzsch

Proteste vor Münchner Apple-Store

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Wladimir Kaminer mit der Urkunde vor der Apple-Filiale

München - Dieter Hildebrandt ist mit Dieter Hanitzsch (79) und Wladimir Kaminer am Dienstag auf einen Protestzug gegangen, der auch am Apple-Store Halt gemacht hat.

Hildebrandt (mit Schal), Hanitzsch (weißer Mantel) & Co. am Odeonsplatz

Der König der spitzen Zunge, der Meister der Provokation: Er gibt wieder Vollgas. Kabarettist Dieter Hildebrandt (85) ist in diesen Tagen im Dauereinsatz. Dienstag Mittag zog er zusammen mit Karikaturist Dieter Hanitzsch (79), Schriftsteller Wladimir Kaminer (45) und einer russischen Militärkapelle vom Odeonsplatz zum Marienplatz. Höhepunkt: Kaminer überreichte eine symbolische Urkunde an Vertreter des Apple-Geschäfts – „die russische Staatsbürgerschaft ehrenhalber für besonders findiges Schlupfen in Löcher des Steuerrechts“. Apple zahle außerhalb der USA nur 1,9 Prozent Steuern. Die Aktion, die zu Hildebrandts Projekt Störsender gehört: hoch politisch.

Gleiches galt für seinen Auftritt am Abend zuvor. Als einer von fünf Kabarettisten war Hildebrandt zu Gast im ausverkauften Circus Krone. Thema für alle: Afghanistan inklusive des „robusten Stabilisierungseinsatzes“ Deutschlands (im Volksmund auch Krieg genannt).

Hildebrandt ist auch an diesem Abend das Zugpferd. Die Pointen prügelt er immer noch aus sich heraus, egal ob zu seinem „biblischen“ Alter oder seiner „geliebten“ CSU. Schnell, immer schneller setzt er sie ab und ist vor allem bei seiner Hommage an Herbert Wehner in Höchstform. Doch bei einem Mann wird Hildebrandt wortkarg: Uli Hoeneß. Was soll ein Sechziger auch sagen? Sein einziger Kommentar: „Alle tun so, als hätte man einen Priester als Eierdieb überrascht.“

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Anders dagegen Roger Willemsen (57): Warum kompakt, wenn man mit Wissen glänzen kann? Und Atmen ist sowieso überbewertet. Der Schirmherr des Afghanischen Frauenvereins erzählt ausführlich von den teils brachialen Lebensbedingungen eben dort.

Welche Wort- und Machtspielchen die Politik- und Militärverantwortlichen hierbei treiben, das erklärt Georg Schramm (64). Er keift die Wahrheiten aus dem Militär nur so heraus, zeitweise so laut und vehement, dass sie einem durch Mark und Bein gehen. Gespenstisches, schonungsloses Kabarett ist das.

Überraschend ähnlich hart zeigt sich Erwin Pelzig (53). Politiker wie Jean-Claude Juncker als Lügner zu outen, ist kabarettistischer Alltag. Doch es zu bedauern, das bei Jörg Haiders letzter Autofahrt die Plätze neben ihm frei geblieben sind – ab wann ist die Hürde zur Geschmacklosigkeit überschritten?

Sicher bleibt aber ein Kritikpunkt: nämlich dass Konstantin Wecker (65) mit Band erst kurz vor halb zwölf aufdrehen durfte. Da war man doch schon müde – die Wahrheit ist immer anstrengend.

Angelika Mayr

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