Dieter Reiter: "Ich gebe gerne den Takt vor"

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Karriere hat er gemacht - vom Stadtbediensteten zum OB-Kandidaten: Jetzt will er Münchens neuer Chef werden

München - Nach der SPD-Kandidatenkür fragen sich viele: Wer ist der Mann, der Münchner OB werden will? Hier stellt sich Dieter Reiter in einem ausführlichen Interview vor.

Die wichtigste Frage zuerst: Sind Sie auch beim Fußball ein Roter? Oder ein Blauer?

Dieter Reiter wird OB-Kandidat der Münchner SPD

Dieter Reiter: Ich bin ein Roter. Das muss ich zu meiner Schande gestehen, weil man das ja in München nicht sagen sollte. Das ist meinem Vater geschuldet, der mich schon zu Spielen des FC Bayern mitgenommen hat, als die noch im Grünwalder Stadion spielten. Ich habe aber nichts gegen die Sechz’ger. Die Zeit der Lokalderbys war schön und ich wünsche den Sechz’gern, dass es die mal wieder gibt.

Das Überreichen der Meisterschale auf dem Rathausbalkon würde Ihnen leichter fallen als dem Löwen-Fan Ude.

Reiter: Das würde ich mit deutlich mehr Herzblut machen, als der Christian das macht.

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Mit Christian Ude tritt der OB mit der längsten Amtszeit seit 100 Jahren ab. Fürchten Sie, die Fußstapfen sind zu groß?

Reiter: Ich werde den Christian Ude nicht kopieren können, erst recht nicht seine genialen rhetorischen Fähigkeiten. Man muss eine eigene Figur abgeben, daran will ich arbeiten. Ich glaube, das ist mir auch gelungen. Sonst wäre ich nicht gefragt worden, ob ich OB werden will.

Wo wollen Sie noch Akzente setzen?

Reiter: Politisch gesehen hat Christian Ude München dahin geführt, wo wir jetzt stehen. München ist die liebenswerteste und schönste Stadt in Deutschland. Meine Schwerpunkte könnten noch finanzgeprägter sein, als es beim Christian der Fall ist.

Also mehr Schulden abbauen?

Reiter: Das ist für mich strategisch der absolut richtige Weg. Das ist eine nachhaltige Politik und da ist das Wort einmal nicht nur eine Plattitüde.

Ude will Ministerpräsident werden und stellt Sie weiter in den Schatten.

Reiter: Ganz im Gegenteil. Da hoffe ich auf viele gemeinsame Wahlkampftermine und dass die Landtagswahl 2013 Schwung in die Kommunalwahl 2014 bringt. Das kann für den Wahlkämpfer Reiter nur von Vorteil sein.

Und wenn es 2013 schiefgeht?

Reiter: Das glaube ich nicht. Ob es zur Regierung reicht, weiß ich nicht. Aber es wird Schwung für die SPD geben.

Bei der OB-Wahl wird die Konkurrenz härter. CSU-Kandidat Josef Schmid etwa hat eine Bekanntheit, von der Sie bislang nur träumen können.

Reiter: Ich bin heute mit der U-Bahn ins Rathaus gefahren und das war schon merkwürdig, sein Gesicht in allen Zeitungen zu sehen und dann die überraschten Gesichter der Mitfahrer. Ich glaube, das hat sich deutlich verändert. Entscheidend ist doch nach der Bekanntheit, ob die Münchner einen wählen wollen, wie beliebt man ist.

Sie gelten als Mann der Verwaltung und der Zahlen. Wie wollen Sie die Herzen der Münchner erobern?

Reiter: Ich weiß nicht, ob das ein Widerspruch ist. Ich glaube, den Bürgern ist wichtig, die Finanzen zu ordnen. Und dass wir klassische Politik betreiben, die dafür sorgt, dass, wenn es mal nicht so gut geht mit den Einnahmen, wir weiter investieren können in die wichtigen Dinge - Bildung, Kitas, Wohnungen. Da wird der Zusammenhang zwischen Geld und Bürgerinteresse schnell klar. Ich bin auch nicht so der Zahlenmensch. Beim Oktoberfest habe ich bewiesen, dass ich andere Dinge gern mache.

Da sieht man Sie öfter mit dem Dirigentenstab. Geben Sie auch sonst gern den Takt an?

Reiter: Ich bin schon gern jemand, der die Richtung vorgibt. Aber ich bin auch ein Teamplayer, weil ich mir nicht anmaße, dass ich alles weiß.

Was würde Ihre Frau sagen?

Reiter: Die würde sagen, dass wir alles besprechen und gemeinsam entscheiden. Ich sage: Viele Dinge in meinem Leben entscheidet meine Ehefrau. Das ist aber auch dringend notwendig, sonst hätten wir schon keine Freunde mehr, ich würde alle Geburtstage vergessen.

Eine Entscheidung steht bevor: Sie ziehen zurück in die Stadt. Suchen Sie schon?

Reiter: Auch da wird sich meine Frau nach Wohnungen umschauen. Der Markt in München ist ja nicht so, dass man sich vor Schnäppchen kaum retten kann. Da ist keine Hektik angesagt.

Ein Tipp für Freunde, Parteifreunde und Makler: Was genau suchen Sie?

Reiter: Wir wohnen zu zweit im Haus, nachdem die Kinder alle ausgezogen sind. Ich brauche ein großes Büro. Dreistellig sollte die Quadratmeterzahl schon sein. Ein bisschen Blick ins Freie, ein Balkon, wären nicht schlecht, wenn man einen Garten gewohnt ist. Die Au ist ein wunderbares Viertel, aber davon gibt es ganz viele in München.

Die Münchner Au: Ein Dorf mitten in der Stadt!

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Interview: David Costanzo

Reiters Rivalen

Wer wird gegen Dieter Reiter antreten? Bei der CSU soll Rathaus-Fraktionschef Josef Schmid den OB-Sessel für die Schwarzen erobern. Schmid über Reiters Kür: „Ein langer und für die SPD quälender Prozess ist zu Ende gegangen, der die Öffentlichkeit von wichtigen Sachfragen abgelenkt hat.“ Sein „Mitgefühl“ gelte den unterlegenen Kollegen Alexader Reissl und Brigitte Meier.

„Das Verfahren, das für innerparteiliche Spannungen sorgte, konnte nicht ohne persönliche Enttäuschungen und Verletzungen für sie ausgehen.“ Bei den Grünen wird noch um die Kandidatur gerungen, doch mit der Kandidatur eines Mannes bei der SPD sind die Chancen der beiden grünen Frauen gestiegen, auch wenn Aspirantin und Landesvorsitzende Theresa Schopper erklärt: „Es geht nicht um das Geschlecht, sondern darum, welcher Kandidat oder welche Kandidatin politisch am meisten für die Stadt zu bieten hat.“

Ihre Rivalin Stadträtin Sabine Nallinger erklärt hingegen: „Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass München reif für eine Frau als Oberbürgermeisterin ist.“ Hep Monatzeder könnte wegen Reiters Kandidatur ausscheiden, auch wenn er sagt: „Am vernünftigsten ist die Kandidatur desjenigen, der eine Mehrheit bekommt.“

Auch Nikolaus Hoennings Chancen sind als Mann jetzt gesunken Bei der FDP wird wohl Fraktionschef Michael Mattar wieder ins Rennen gehen. Er sagt über Reiters Kandidatur: „Das zeigt, dass in der Münchner SPD nichts ohne den Willen Udes läuft. Es wird nicht einfach für Reiter sein, aus seinem Schatten herauszutreten. Er ist ein guter Verwaltungsmann, der seine politische Bewährungsprobe aber noch nicht hinter sich hat. Populistische Rundumschläge gegen Wiesnwirte reichen nicht aus.“

Johannes Welte

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