CSU geht anderen Weg

Reiter bleibt am Boden: Corona-Jahr bringt München-OB in speziellem Politiker-Ranking nach vorne

OB Dieter Reiter im Contact Tracing Center der Stadt München un der Halle C2 in der Messe
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Dieter Reiter: Münchens Oberbürgermeister ist 2020 nicht einmal abgehoben - ist das in Zukunft auch möglich?

Sind Politiker die größten Umwelt-Sünder? Im neuen Atmosfair-Bericht ist Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter einer der großen Gewinner.

München - Dass Politiker abheben, soll vorkommen. 2019 waren Vertreter des Stadtrates 117-mal mit dem Flugzeug unterwegs. Dienstlich, freilich. Doch Corona* brachte auch Einschränkungen für Rathaus-Reisen. „Ich bin im vergangenen Jahr kein einziges Mal geflogen“, sagt Dieter Reiter* (SPD). „Und überhaupt bin ich der Meinung, dass Politik mehr auf dem Boden bleiben sollte“, meint der OB mit einem Augenzwinkern.

Atmosfair-Bericht: München zahlt Umwelt-Ausgleich führ jeden Flug-Kilometer

Dass überhaupt bekannt wird, wie viel unsere Politiker dienstlich fliegen, liegt an dem Atmosfair-Bericht. Dieser wird in gewissen Abständen erstellt, für jeden geflogenen Kilometer überweist die Stadt München* eine Kompensation für Projekte des Klimaschutzes. Der Bericht für 2018 und 2019 soll im April im Umweltausschuss Thema sein. Der tz liegt er bereits vor.

Demnach sind Stadträte 2019 insgesamt 117-mal geflogen (2018: 107). Der OB beziehungsweise sein Büro waren sechs Mal unterwegs (2018: 4), der damalige Bürgermeister Manuel Pretzl (CSU) 13 Mal (2018: 2). Bürgermeisterin Christine Strobl flog gar nicht, im Jahr zuvor war sie zweimal mit dem Flieger unterwegs.

Dieter Reiter: Büro von München-OB kaum in der Luft - CSU ist die Vielflieger-Fraktion

Die SPD-Fraktion flog 14 Mal (20), die CSU 43 Mal (28), die Grünen waren neun Mal im Flugzeug (26). Dass die CSU 2019 für die Hälfte aller Stadtratsflüge verantwortlich ist, sei erklärbar. „Wir haben das Fliegen nie verteufelt und werden das auch weiterhin nicht tun“, sagt CSU-Fraktionschef Pretzl. Auch er war 2020 coronabedingt nicht in der Luft, will aber auch nicht drauf verzichten. „Politik lebt vom persönlichen Austausch, auch mit Vertretern anderer Regionen.“ Im Jahr 2019 sei die CSU zudem stärkste Fraktion gewesen – mit 26 Sitzen. „Da kommt man auf nicht mal zwei Flüge pro Person.“

Dass im Vorjahr Flugreisen gar nicht möglich waren, stört vor allem die Grünen wenig. Bürgermeisterin Katrin Habenschaden sagt: „München hat sich zur Klimaneutralität bis 2035 verpflichtet. Alle müssen ihren Teil beitragen, um das zu schaffen, das gilt natürlich auch für die Stadtspitze.“ SPD-Chef Christian Müller: „Videokonferenzen haben sich in vielen Bereichen durchgesetzt. Das wird weiter dazu betragen, unnötige Flüge zu vermeiden.“ *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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