Dieter Reiter will der neue „Bürgerking“ werden

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Dieter Reiter will Nachfolger von Christian Ude werden.

München - Chef vom Oktoberfest ist er schon, jetzt will Dieter Reiter auch noch Münchens neues Stadtoberhaupt werden und den Thron von „Bürgerking“ Christian Ude übernehmen. Der derzeitige SPD-Wirtschaftsreferent gibt sich volksnah und traditionsverbunden.

Laptop und Lederhose, Wirtschaft und Wiesn: So gesehen ist Dieter Reiter der richtige Mann. Der Münchner SPD-Wirtschaftsreferent, der auch das Oktoberfest leitet, will im nächsten Frühjahr bei der Kommunalwahl Christian Udes Nachfolger als Oberbürgermeister der wirtschaftsstarken bayerischen Landeshauptstadt werden.

Die Münchner Sozialdemokraten wählen den 55-Jährigen am Donnerstagabend (7.11.) offiziell zum OB-Kandidaten. Schon vor zwei Jahren hatten die Genossen ihn als Kandidaten präsentiert.

Reiter ist der Wunschkandidat von Oberbürgermeister Ude, der in seiner 20-jährigen Amtszeit teils legendäre Zwei-Drittel-Mehrheiten holte wie früher in Bayern die CSU. Der „Bürgerking“ herrschte in München unangefochten, darf aber mit 66 Jahren nicht mehr kandidieren. Damit geht eine Ära zu Ende.

Ein klarer Sieg, wie man ihn bei Ude gewohnt war, ist bei Reiter nicht so sicher. Selbst SPD-intern wird nicht ausgeschlossen, dass es zur Stichwahl mit dem CSU-Kandidaten Josef Schmid kommt.

Für Ude ist Reiter mit seiner Wirtschaftskompetenz und finanzpolitischen Erfahrung eine „Idealbesetzung“. Reiter ist seit 1981 in der Stadtverwaltung tätig. Er war stellvertretender Kämmerer und rückte 2009 zum Referenten für Arbeit und Wirtschaft auf.

Als OB-Kandidat tritt er unter anderem dafür ein, dass die Versorgung mit Energie und Wasser und die städtischen Krankenhäuser in öffentlicher Hand bleiben. Angesichts des Bevölkerungswachstums in der Metropole zählen der Ausbau des Nahverkehrs und das heikle Thema Wohnen zu seinen Schwerpunkten. In keiner deutschen Großstadt sind die Mieten so hoch wie in München. Reiter verspricht, alles zu tun, um bezahlbare Wohnungen zu erhalten und neue zu bauen. Er setzt dabei auch auf genossenschaftlichen Wohnungsbau und will mit dem Münchner Umland neue Lösungen entwickeln.

In München herrscht am Wohnungsmarkt immer noch Goldgräberstimmung bei den Investoren, die hohe vierstellige, teils fünfstellige Quadratmeterpreise erzielen. Das spricht für die Attraktivität der Stadt, doch Reiter wünscht sich Ausgewogenheit: „Mir ist ganz wichtig, dass auch Familien sich München leisten können und Menschen mit kleinen Einkommen. Dass München eine Stadt für alle bleibt.“ Die SPD will ein Entscheidungsrecht der Städte bei der Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen.

Vor drei Jahren schon brachte Ude Reiter indirekt als Nachfolger ins Spiel. Damals kannte kaum jemand in München den Verwaltungswirt, der im Stadtteil Sendling aufwuchs und mit seiner Frau - die drei Kinder sind aus dem Haus - nun vom südlich gelegenen Straßlach wieder nach München gezogen ist.

Inzwischen hat Reiter stark an Bekanntheit zugelegt. Er zeigt sich volksnah, traditionsverbunden und selbstbewusst. Seit dem Sommer tourt er durch die Stadtviertel. Den „Amtsbonus“ als Leiter des Oktoberfests will er nutzen: Wie Ude tritt Reiter bei entsprechenden Anlässen völlig selbstverständlich in der Lederhose auf. Dass er sich das Anzapfen des ersten Fasses zum Wiesnstart zutrauen würde, ist klar: „"Ozapft is" bring' ich raus.“ Und: „Es gibt größere Herausforderungen in München als ein Fass anzuzapfen.“

dpa

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