Digitaler Polizeifunk startet Probebetrieb

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Im digitalen Funk-Zeitalter angekommen: die Einsatzzentrale des Münchner Polizeipräsidiums.

München - Vor der flächendeckenden Einführung des digitalen Behördenfunks testen die Münchner Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste die neue Technik sechs Monate lang unter Realbedingungen.

Die Generalprobe hat begonnen: Seit Donnerstag ist die Umstellung von Analog- auf Digitalfunk für die Einsatz- und Hilfskräfte in Bayern erstmals im sogenannten erweiterten Probebetrieb. Schon seit Jahren fiebern die haupt- und ehrenamtlichen Einsatzkräfte der moderneren Kommunikationstechnik entgegen. Ursprünglich war der bundesweite Start bereits zum Ende dieses Jahres geplant. Doch es gab Probleme bei der Finanzierung, der Umrüstung von Gebäuden und Einsatzfahrzeugen. Und so steckt das Großprojekt noch immer im Erprobungsstatus.

„Der Digitalfunk ist vergleichbar mit dem Handynetz und hat deshalb mit ähnlichen Problemen zu kämpfen“, sagt Münchens Polizeipräsident Wilhelm Schmidbauer. Heißt: Manchmal steht man eben im Funkloch. Während dem digitalen Probebetrieb bleibe der analoge Funkverkehr daher weiter bestehen. Die Einsatzkräfte müssen vorerst beide Funkgerät am Einsatzort dabei haben.

Der Analogfunk ist seit gut 40 Jahren im Einsatz. Die Technik wurde mehrfach verfeinert, gilt heute jedoch als veraltet und störanfällig. „Bei Großeinsätzen seien bis zu sechs parallele Funknetz notwendig, damit ein Austausch zwischen den Organisationen möglich ist“, erklärte Bayerns Innenstaatssekretär Gerhard Eck (CSU) zum Start des Probebetriebs. „Mit dem Digitalfunk können alle Einsatzkräfte in einem Netz kommunizieren.“ Mit den abhörsicheren Digitalfunkgeräten und der integrierten GPS-Ortung könnten so gemeinsame Einsätze zum Beispiel bei Hochwasser oder Terrorszenarien besser organisiert werden, sagt Eck. In Bayern werden dazu rund 950 neue Sendeanlagen benötigt, der Bau von 800 Anlagen sei bereits vertraglich geregelt.

37 Funkstandorte davon sind auf Münchner Gelände. Damit soll die Region ausreichend bestückt sein. Allerdings soll der erweiterte Probebetrieb aufzeigen, wo noch Gebäudefunkanlagen nachgerüstet werden müssen - zum Beispiel in den U-Bahnhöfen oder auch in der Allianz Arena, heißt es. Laut Eck nehmen „rund 6500 Einsatzkräfte mit etwa 3000 Handfunkgeräten und mehr als 700 vorgerüsteten Einsatzfahrzeugen an dem Probebetrieb teil“. Die in München gewonnen Erfahrungen sollen dann als Referenz für den Netzaufbau in anderen bayerischen Regionen dienen.

Vor 2014 ist jedoch kaum zu erwarten, dass mit dem digitalem Einsatzfunk flächendeckend gearbeitet werden kann. Das Netz gilt dann für alle Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS). Also auch für die Rettungsdienste zum Beispiel vom Roten Kreuz, Arbeiter Samariter Bund sowie von privaten Amulanzen oder der ADAC-Luftrettung.

Sven Rieber

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