Dioxin-Skandal: So steht es um die Münchner Betriebe

München - Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) gibt vorerst Entwarnung in Sachen Dioxin: So steht es um die  sieben verdächtigten Betriebe in München:

Die verdächtigten Betriebe in Bayern, davon sieben in München, sind sauber! Die Kunden haben demnach kein Gift in Kuchen, Rührei und Nudeln untergejubelt bekommen.

Zwar hatte eine Spur tatsächlich nach Bayern geführt: Eine Firma in der Nähe von Schweitenkirchen (Kreis Pfaffenhofen) verarbeitete 21 600 Gift-Eier aus Niedersachen zu Flüssigei weiter – und belieferte 25 Betriebe, davon sieben in der Stadt. Die Bandbreite aller Kunden reiche von ganz kleinen Betrieben, die Ei aus dem 1-Liter-Tetrapack verwende, bis hin zu Großunternehmen, die sich Tanks mit mehreren Tonnen Ei liefern lassen, sagte Dr. Reinhard Repper, Leiter des Veterinäramts im Landkreis Pfaffenhofen, der tz. Vor allem Bäckereien, die Gastronomie und Nudelhersteller nutzen das Fertigprodukt.

Die Unternehmen und vor allem die Kunden können in diesem Fall aufatmen: Das Flüssigei sei nur minimal mit Dioxin belastet, meldet das LGL. Die Proben hätten maximal 0,3 Picogramm pro Gramm Fett aufgewiesen. Der zulässige Grenzwert liege bei drei Picogramm – also zehnmal höher!

Der Grund für die geringe Belastung könnte in der Herstellung liegen: Die Flüssigei-Firma aus der Nähe von Schweitenkirchen hatte zusammen mit den 21 600 Eiern aus Niedersachsen auch 259 000 offenbar saubere Eier über denselben Zwischenhändler bezogen und dazu Lieferungen weiterer Händler erhalten, sagte Chef-Veterinär Dr. Repper der tz. Aus diesen mehreren Hunderttausend Eiern seien an vier Tagen 107 Tonnen Flüssigei produziert worden. Dabei scheinen die Gift-Eier so weit verdünnt worden zu sein, dass sie dem Menschen nicht gefährlich werden können.

Trotzdem bleiben die Behörden in Alarmbereitschaft. Das LGL warnt: „Bislang sind die Informationen aus Niedersachsen unzureichend. Es gibt zu wenig Informationen über weitere Vertriebswege möglicherweise belasteter Ware.“

David Costanzo

Vorsicht vor diesen Eiern!

Über Umwege kann das Gift nämlich doch in den Einzelhandel in München und Bayern gekommen sein. Das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) warnt vor diesen Stempel-Nummern! Nach Angaben mehrerer Landesministerien überschreiten diese Chargen die Dioxin-Grenzwerte:

2-DE-0355461

3-DE-0312141

2-DE-0312142

2-DE-0312151

2-DE-0350384

1-DE-0508762 (Mindesthaltbarkeitsdatum spätestens 28.01.2011)

2-DE-0508761 (Mindesthaltbarkeitsdatum spätestens 28.01.2011)

2-DE-0513912 (XL-Eier, Haltbarkeitsdatum spätestens 20.01.2011)

3-DE-0514411 (Haltbarkeitsdatum spätestens 20.01. und braune Eier betroffen)

2-DE-0350121 2-DE-0350372

Die erste Ziffer steht dabei für die Erzeugung: 1 für Freilandhaltung, 2 für Bodenhaltung, 3 für Käfighaltung. Bio-Eier sind demnach noch nicht von dem Skandal betroffen. Die ersten beiden Ziffern nach der Länderkennung DE stehen für das Bundesland: Die betroffenen Betriebe mit der Kennung 03 stammen aus Niedersachsen, die mit 05 aus Nordrhein-Westfalen. Bayerische Eier sind demnach nicht betroffen, sie tragen die Ziffern 09. Nach Angaben der Verbraucherzentrale können Kunden die Gift-Eier beim Händler zurückgeben.

So laufen die Kontrollen

Die Spur nach München ist über den Lieferweg aufgedeckt worden – nicht durch eine Kontrolle. In der Stadt sind 46 Lebensmittelüberwacher für rund 18 000 Betriebe zuständig, sagte Claudia Vollmer, Stadtdirektorin im Kreisverwaltungsreferat, der tz. Jeder Kontrolleur überwacht umgerechnet fast 400 Betriebe! Damit stehe die Landeshauptstadt im bayernweiten Vergleich aber noch gut da, sagt die Stadtdirektorin. Denn der Stadtrat habe vor einem Jahr den Bedarf ermitteln lassen und die Besetzung um fünf Stellen über dem Plan genehmigt.

Hintergrund war eine neue EU-Richtlinie: Alle Lebensmittelbetriebe – vom Kiosk mit Süßwaren-Verkauf bis zur Großschlachterei – müssen anhand einer „Risikoanalyse“ unter die Lupe genommen werden. Diese hätte für 2009 eine Reduzierung der Stellen von 44 auf 41 erlaubt. Die Stadträte hatten seinerzeit den Münchner Gammelfleisch-Skandal von 2006 im Hinterkopf und richteten stattdessen zwei neue Stellen ein.

Damit wurde der Abwärtstrend bei der Zahl der Kontrollen gestoppt: 2008 war laut Statistik der Tiefpunkt von rund 11 000 unangemeldeten Besuchen erreicht, früher waren es noch viermal so viele. 2009 stieg die Zahl der Kontrollen dann auf rund 15 000 an. In 969 Fällen sprachen die Inspektoren Verwarnungen und Bußgelder aus – so viele wie seit 15 Jahren nicht mehr! 56-mal schalteten sie sogar den Staatsanwalt ein. Das KVR will die Stellen trotz anstehender Kürzungen erhalten.

DAC

Rubriklistenbild: © ap

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