Paradigma im Lustspielhaus

Djangos neues Programm: Die tz-Kritik

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Django Asüls

München - Django Asüls neues Programm „Paradigma“ feierte Premiere im Münchner Lustspielhaus. Lesen Sie hier die Kritik seiner "Wltanschauung".

Er ist ein bisschen „durch den Wind“, musste außerdem feststellen, dass er nach all den Jahren auf der Bühne nichts von seinem Publikum weiß, und hat obendrein neulich seinen türkischen gegen den deutschen Pass getauscht. Django Asül, gerade 40 geworden, ist ins Nachdenken gekommen über sein Leben. „Paradigma“, zu Deutsch „Weltanschauung“ heißt sein Programm, das im Lustspielhaus München Premiere hatte.

Und wo schon ein Paradigma ist, ist auch der „Paradigmenwechsel“ nicht weit, das klingt nach Aufbruch, nach Veränderung. Auch Django, der Niederbayer mit den türkischen Wurzeln, will ein anderer werden, er will „sich selbst hinterfragen, statt die Welt zu hinterfragen“. Doch es ist besser, das dem diabolisch lächelnden Mann mit der bronzen glänzenden Glatze nicht zu glauben. Standpunkt bleibt Standpunkt, nur von der „Mia san mia“-Position aus lassen sich Deutschland und Europa so richtig unter Feuer nehmen. Der Eurorettungsschirm, das ist „Nächstenliebe, powered by Notenpresse“, und überhaupt handelt es sich bei der EU „um ein Haus, bei dem jeder in seiner Wohnung sitzt und hofft, dass der andere das Treppenhaus putzt“.

Mit dem augenzwinkernden Pragmatismus des „Ich würde es (vielleicht) genauso machen“ schaut und haut Asül auf die Verhältnisse im Freistaat und anderswo, und manchmal wird der Stammtisch hinzugezogen oder der türkische Nachbar seiner Eltern. Das führt zu schönen Spitzen, vor allem, wenn es um Griechenland geht.

Doch Weltanschauung ist ein weites Feld. Man merkt dem Abend an, dass der Kabarettist alles zur Sprache bringen wollte, Politisches und Privates. Im Zickzackkurs geht es von überforderten Kindern über die Neureichs bei RTL zum veränderten Verhältnis zwischen Mann und Frau. Paradigmenwechsel – das ist bei Django Asül vor allem ein rasanter Themenwechsel. In diesem Hin und Her ist seine persönliche Geschichte – wie fühlt es sich an, Deutscher zu werden, wenn man gebürtiger Bayer mit türkischstämmigen Eltern ist? – nur noch ein Aspekt von vielen. Nicht nur Django, auch sein Programm ist ein bisschen durch den Wind.

Rudolf Ogiermann

Weitere Termine: Am 16., 17., 20., 21., 23. und 24. 11., um 20.30 Uhr.

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