In der tz spricht das Opfer

22 Jahre nach Mordversuch! Täter mit DNA-Spur überführt

München - Über 20 Jahre nach dem Verbrechen wird die Gerechtigkeit am Ende doch noch siegen – obwohl der Täter bisher (noch) leugnet.

Er hatte das Thema abgehakt. Nicht im Traum hatte Manfred Sch. (72) je daran geglaubt, dass sein Peiniger geschnappt werden würde. Die Hartnäckigkeit der Münchner Mordkommission und die Möglichkeiten der modernen Kriminallabore jedoch haben es geschafft: 22 Jahre nach dem höchst brutalen Raubüberfall auf den Marktleiter des Edeka-Ladens in der Implerstraße (Sendling) hat eine alte DNA-Spur auf einem Geldsack den mutmaßlichen Täter entlarvt. Der heute 49-jährige Kroate Ilija I. sitzt nach diversen Raubzügen durch Bayern und Österreich und einem kaltblütigen Mord an dem Arbeiter Ali Riza D. (56) im Wiener Großmarkt seit vielen Jahren im Gefängnis.

Ilija I. war erst 26 Jahre alt, als er nach Überzeugung des Chefs der Münchner Mordkommission, Markus Kraus, am Abend des 6. April 1993 mit einem Komplizen mit Waffengewalt in die Büroräume des Edeka-Marktes eindrang. Manfred Sch. erinnert sich noch genau: „Ich war so überrascht, dass ich nicht reagiert habe. Da hat der Mann sofort geschossen.“ Den Bauchschuss spürte er zunächst nicht. Während der Komplize die Verkäuferin in Schach hält, kommt es zwischen Manfred Sch. und dem hochaggressiven Räuber zu einem Gerangel, bei dem der Geschäftsführer stürzt. „Er hat mir auf den Unterleib getreten, mir den Fuß gebrochen und mir in den Oberschenkel geschossen.“ Die Täter fliehen mit 1470 D-Mark (750 Euro).

In einer Notoperation retten die Ärzte Manfred Sch. das Leben. Mit ständiger Angst im Nacken hält er noch zwei Jahre durch: „Dann habe ich den Laden aufgegeben. Ich konnte nicht mehr.“ Frau und Tochter haben ihm beigestanden. Und auch viele seiner Kunden: „Man kennt mich heute noch im Viertel.“

Dem mutmaßlichen Täter Ilija I. gelingt zunächst die Flucht, bis er 1995 nach einer Vielzahl anderer Überfälle in München zu über zehn Jahren Haft verurteilt und nach Österreich ausgeliefert wird. Dort verbüßt er in der JVA Stein in Krems eine lebenslange Haftstrafe. Seine Münchner Anwältin Christina Keil hat ihn dort schon öfter besucht: „Er bestreitet den Mordversuch.“ Die Anklage wegen Mordversuchs ist schon fertig, Prozesstermine stehen noch nicht fest. Und die Juristin bereitet sich intensiv vor auf einen „hochspannenden Fall“. Dorita Plange

Dorita Plange

Rubriklistenbild: © dpa

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