Ärger ums Weihnachtsgeld

Der traurige Rückzug der großen Wildmosers

+
Das Wirtshaus Donisl

München - Seit drei Wochen ist Schluss im Wirtshaus Donisl. Wir erzählen die traurige Geschichte vom leisen Rückzug der großen Familie Wildmoser. Es bleiben die Wiesn und der Ärger ums Weihnachtsgeld.

An diesem Freitag vor drei Wochen war Schluss im Donisl. Das 300 Jahre alte Wirtshaus am Marienplatz ist wegen einer grundlegenden Sanierung bis 2015 dicht. Nach dem Tod des alten Patriarchen und Ex-Löwen-Präsidenten Karl-Heinz Wildmoser (71) vor zweieinhalb Jahren führte seine Frau Theres (73) das Lokal mit 500 Plätzen weiter, doch der Pachtvertrag wurde nicht mehr verlängert. Gasthaus und Biergarten in Hinterbrühl hatte sie bereits zuvor aufgegeben. Der traurig-leise Rückzug einer schillernden Wirte-Familie.

Der „alte“ Wildmoser liebte die große Bühne. Er war Mannsbild und Macher, führte 1860 in Champions-League-Höhen – und stürzte tief im Schmiergeld-Sumpf um den Bau der Arena (siehe rechts). Aber er blieb bis zu seinem Tod ein Münchner Original, das sich nie verbiegen lies. Seine Frau Theres war 50 Jahre an seiner Seite, große Töne waren ihre Sache nie. Und so schweigt sie auch jetzt. „Die Sache ist durch“, sagt sie kurz angebunden zur tz. Die Sache, damit meint sie ihren Donisl. Die Bayerische Hausbau und die Hacker-Pschorr-Brauerei lassen den maroden Bau entkernen. Und wenn alles fertig ist, suchen sie einen neuen Wirt. Einen Nachfolger für die Wildmosers, die dort seit 1985 das Sagen hatten.

Die Könige der Wiesn

Die Könige der Wiesn

Was ihnen bleibt, ist das Oktoberfest. „Auf der Wiesn machen wir weiter“, betont Theres. Dort gehört ihr die Hühner- und Entenbraterei, die sie mit Tochter Eva Kasper leitet. Die ist ebenfalls in der Gastronomie tätig, betreibt die Gaststätte König Ludwig an der Messe. Ihr Bruder Karl-Heinz jun. führt das Café am Marienplatz, hat dort nach dem Arena- und Löwenwirbel seinen Frieden gefunden. Abseits des Rampenlichts, das sein Vater so liebte. „Der Mama geht’s gut“, sagt er zur tz. „Sie genießt ihre Ruhe.“ Es ist still geworden um die Wildmosers.

S. Dorner, C. Schmelzer

Wo bleibt das Weihnachtsgeld?

Am Silvesterabend waren noch einmal alle da, die Mitarbeiter wollten sich gebührend von ihrem Donisl verabschieden. Drei Wochen später allerdings sind die schönen Erinnerungen wie ausgelöscht: „Wir wollen unser Weihnachtsgeld“, fordert Kellner Wolfgang Murschek (59) stellvertretend für seine rund 35 Kollegen.

Murschek war selbst 14 Jahre lang für die Wildmosers tätig und wartete bis zuletzt vergeblich auf seine 850 Euro. Donisl-Inhaberin Theres Wildmoser habe gegenüber den Mitarbeitern zunächst die hohen Kosten für den Betriebsschluss angeführt, die Zahlung dann aber mit der Endabrechnung zugesagt.

Murschek pocht darauf: „Ich bin auf das Geld dringend angewiesen. In meinem Alter bekomme ich so schnell keinen neuen Job.“

Theres Wildmoser am Donnerstag zur tz: „Das sind Betriebs-Interna. Dazu sage ich nichts.“

S. Arbinger 

Die Wildmosers: Der Aufstieg und tiefe Fall

Starke Sprüche und eine rauchige Stimme waren sein Markenzeichen: Karl-Heinz Wildmoser († 71) war ein Macher-Typ – in der Gastronomie und im Fußball.

Der Aufstieg des knorrigen Ur-Bayern begann im Olympiajahr 1972 mit der Betriebskantine vom Pschorr. 1981 folgte die Hühner- und Entenbraterei auf der Wiesn, 1985 der Donisl und weitere sechs Jahre später das Gasthaus Hinterbrühl. 1992 übernahm Wildmoser das Präsidenten-Amt beim damaligen Bayernligisten TSV 1860 München und stieg mit seinem kongenialen Partner und Trainer Werner Lorant binnen zwei Jahren in die Bundesliga auf.

Nach zehn Jahren in der Elite-Klasse folgte allerdings der tiefe Fall für den König der Löwen: Wegen des Bestechungsskandals beim Bau der Allianz Arena saß Wildmoser drei Tage in U-Haft, sein Sohn Karl-Heinz jun. (der 2,8 Millionen Euro Schmiergeld von der österreichischen Baufirma Alpine angenommen hatte) wurde gar zu viereinhalb Jahren verurteilt. Bis zu Karl-Heinz’ Tod hatten die beiden keinen Kontakt mehr.

Auch interessant

Meistgelesen

Jetzt bestätigt: Dieser Flagship-Store kommt bald in die Innenstadt
Jetzt bestätigt: Dieser Flagship-Store kommt bald in die Innenstadt
Reiter und Herrmann verteidigen zweite Stammstrecke gegen 650 Gegner
Reiter und Herrmann verteidigen zweite Stammstrecke gegen 650 Gegner
An die ignoranten Münchner, die ihre Hunde frei laufen lassen
An die ignoranten Münchner, die ihre Hunde frei laufen lassen

Kommentare