Kult-Wirtshaus am Marienplatz

Donisl-Renovierung: Nur die Fassade bleibt

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Der Donisl am Marienplatz: Hier entsteht bis 2015 ein neues Wirtshaus

München - Seit Freitag sind die genauen Pläne für den Donisl am Marienplatz bekannt: Das Traditionswirtshaus wird komplett abgerissen, nur die Fassade bleibt stehen!

Bald rückt in der Weinstraße der Riesen-Kran an! Am Freitag wurden die genauen Pläne für den Donisl am Marienplatz bekannt: Das Traditionswirtshaus wird komplett abgerissen, nur die Fassade bleibt stehen! 2015 soll hier ein neues Restaurant eröffnen.

So sah das Restaurant bislang innen aus

Viel wurde über die Zukunft der Traditionsgaststätte spekuliert. Ende des Jahres läuft der Vertrag mit der Pachtfamilie Wildmoser aus. Das wollte der Eigentümer, die Bayerische Hausbau, für eine Veränderung nutzen – seit dem Zweiten Weltkrieg ist das Gebäude nicht mehr saniert worden.
Im letzten Jahr entschieden die Bayerische Hausbau und Hacker-Pschorr, an dem Standort ein Wirtshaus zu belassen (tz berichtete). Jetzt wird’s konkret: „Wir planen eine Gastronomie, die bayerische Tradition und Moderne, Gemütlichkeit und Zeitgeist, Bierkultur und städtisches Flair vereint“, sagt Hacker-Pschorr-Chef Andreas Steinfatt. Eine Systemanalyse hatte ergeben, dass die Qualität der Baustoffe aus der Nachkriegszeit zu wünschen übrig lässt, zudem ist die Haustechnik veraltet.

Anfang 2013 startet nun die Großsanierung. Das komplette Gebäude wird neu errichtet – nur die Fassade mit dem Löwenstein-Relief und dem Gemälde von Max Lacher unhd die Wände zu den benachbarten Häusern bleiben erhalten. In das Erdgeschoss und den ersten Stock zieht die Gaststätte mit 500 Plätzen und 100 Plätzen im Außenbereich, im zweiten bis fünften Obergeschoss entstehen Büros.

2015 soll das neue Restaurant, künftig das Flaggschiff der Hacker-Pschorr Brauerei, fertig sein. Wer das Wirtshaus führen wird, steht noch nicht fest. 1985 übernahmen Ex-TSV-1860-Präsident Karl-Heinz Wildmoser († 2010) und seine Frau Therese das Lokal – der Pachtvertrag läuft Ende 2012 aus. Nun sucht die Brauerei einen neuen Wirt.

Christina Schmelzer

Ein Traditionswirtshaus mit langer Geschichte

Die Geschichte des Donisl geht bis ins Jahr 1715 zurück: Damals eröffnete Max List die Gaststätte als „Bierwirtschaft am Markt“. Den Namen „Donisl“ bekam das Wirtshaus 1760 – abgeleitet vom damaligen Pächter Dionysius Haertl.

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude Weinstraße 1 durch Bombenangriffe vollständig zerstört, jedoch gleich nach Kriegsende wieder aufgebaut. Zur Hacker-Pschorr Brauerei gehört das Wirtshaus bereits seit 1885.

Wie in einer Räuberhöhle

Der Donisl steht nicht nur für fast 300 Jahre Wirtshaus-Geschichte, sondern auch für Münchens größten Gastronomie-Skandal. Was sich bis 1984/85 – vor der Wildmoser-Ära – in der berüchtigten Schwemme abspielte, war so irre, dass sogar das Nachrichtenmagazin Der Spiegel darüber berichtete. „Halbscharige Typen“ überschrieben die Hamburger im Januar 1985 ihren Bericht über ein Gerichtsverfahren, in dem sich rund 20 Angeklagte wegen Hehlerei, schweren Raubs, Bandendiebstahls und Betrugs verantworten mussten. Darunter so schillernde Personen, wie der „einarmige Sepp“. Als Zeuge geladen, wurde er noch im Saal als Mittäter verhaftet. Weil er auch dabei war – wenn Gäste mit K.-o.-Tropfen betäubt und anschließend ausgeraubt wurden. Aber das war längst noch nicht alles. Wer zu später Stunde kein Geld mehr hatte, durfte auch mit Armbanduhr bezahlen. Außerdem gab es für Weißwürst und Leberkäs eine Art doppelte Buchführung. 1,3 Millionen D-Mark ergaunerten sich die Angestellten und verwandelten ihre Räuberhöhle so in eine Goldgrube.

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