Chaos in der Stadt nach Rekordgewitter

2865 Blitze über München

tz-Leserin Christine Harsch schickte uns dieses Foto.

München - Was für ein Gewittersturm! Es war kurz vor 6 Uhr morgens, als am Montag plötzlich der Himmel über unserer Stadt wie wild leuchtete. Immer wieder.

In einer Blitzanalyse für 6.10 Uhr verzeichnete der Wetterdienst von Jörg Kachelmann unglaubliche 2865 Blitze über München. Und die schlugen natürlich auch alle irgendwo ein.

Die Folge: Kaputte Ampeln, lahmgelegte S-Bahnen, kaputte Dächer – und wegen der Regenmassen auch noch Überschwemmungen. Ja, gebietsweise regnete es innerhalb kurzer Zeit 25 Liter pro Quadratmeter. Allein in München musste die Feuerwehr in gut einer Stunde 70 Mal ausrücken. „So viele Blitzeinschläge so kurz hintereinander sind wirklich selten“, wunderte sich ein Einsatzleiter. Der Donnerwecker!

Die halbe Stadt ist abgesoffen

Pünktlich zum Berufsverkehr setzten um 6 Uhr Blitzeinschläge bei der S-Bahn große Teile des Netzes außer Gefecht. Beinahe überall gab es Verspätungen, am schlimmsten erwischte es jedoch die S4 und die S6 und den Meridian im Osten.

In Haar hatte ein Blitz die Schaltleitung zwischen dem Nebenstellwerk und dem Hauptstellwerk in Trudering lahm gelegt. Die Folgen: Die S4 und die S6 aus Geltendorf und Tutzing endeten in Richtung Ebersberg/Grafing schon am Ostbahnhof, die Züge aus Ebersberg Richtung Geltendorf/Tutzing fuhren nur bis Zorneding. Die Bahn startete einen Schienenersatzverkehr. In Grafing Bahnhof standen Pendler an zwei Bahnsteigen: an dem für den Meridian in Richtung München und dem für die S-Bahn. Weder hier noch dort war an einen geregelten Verkehr zu denken. Die S4 fuhr immerhin nach Zorneding, wo eine Pendelbuslinie zum Ostbahnhof eingerichtet werden sollte. Aber gegen 9 Uhr kamen schon wieder die ersten aus Zorneding zurück, wegen der starken Regenfälle „war die Unterführung zum Bahnhofsvorplatz überschwemmt, da stand das Wasser 30 Zentimeter hoch“, so ein Fahrgast. „Es kam auch kein Bus.“

Bilder: Blitzeinschlag am Hofgarten - Unterführung unter Wasser

Um 10 Uhr beorderte die Bahn Simone Pscheuitschnigg-Wieczorek in das alte Stellwerk in Haar, um von hier aus die Weichen im Münchner Osten stellen zu können. Auch die Tram und Busse steckten oft im Stau. Das Problem war, dass an den Haltestellen die elektronischen Anzeigetafeln und Lautsprecher-Durchsagen ausgefallen waren, sodass Fahrgäste keine Ahnung hatten, wann der nächste Bus oder Tram kommt. Grund dafür war offenbar ein Blitzeinschlag in der Nähe der Stadtwerkszentrale am Westfriedhof.

Sie regelt das Chaos bei der Bahn

Auf Münchens Straßen ging im Berufsverkehr vielerorts nichts mehr. Schuld daran waren ausgefallene Ampeln und Überschwemmungen.

Bahnmitarbeiterin Simone Pscheuitschnigg-Wieczorek sorgte im alten Stellwerk in Haar dafür, dass der Verkehr im Osten wieder in die Gänge kam.

Extreme Blitzeinschläge in Masten und Datenleitungen speziell im Münchner Westen und Osten legten laut Baureferat rund 100 Ampeln im Stadtgebiet lahm. In der Verkehrszentrale in der Schragenhofstraße gingen ab 5.15 Uhr 320 Störmeldungen ein. An 17 Kreuzungen regelte die Polizei bis zum Mittag den Verkehr. Auch die Schulweghelfer halfen am ersten Schultag nach den Ferien aus. Trotzdem entstanden lange Staus. Betroffen davon waren unter anderen Maximiliansplatz, Isartor, Schwanthalerstraße, Landwehrstraße, Augustenstraße, Schleißheimer Straße, Ludwigstraße, Einsteinstraße, Candidstraße, Siemensallee und Alte Allee. Bis 12 Uhr hatten die Techniker des Baureferats fast alle Ampeln wieder in Gang gebracht.

Heftiger Prasselregen hob vielerorts die Gullideckel an, überschwemmte Unterführungen und auch zahlreiche Keller. 250 Frauen und Männer der Berufs- und Freiwilligen Feuerwehr fuhren ab 5.30 Uhr rund 70 Einsätze. Auch etlliche Brandmeldeanlagen lösten nach Blitzeinschlägen und Überspannungen Fehlalarme aus. In der Ifflandstraße unterschätzte ein Autofahrer die Tiefe der Überschwemmung. Schon floss das Wasser in den Motorraum. Der Wagen versagte den Dienst und musste zum Trocknen in die Werkstatt geschleppt werden.

An der Trambahnhaltestelle im Arabellapark gelang dem Münchner Altenpfleger Clemens Pinieck früh um 7 Uhr ein Schnappschuss. Auf seinem Bild sieht man, wie mehrere tief im Wasser stehende Autos im Schneckentempo die überschwemmte Englschalkinger Straße durchpflügen.

Übrigens: Auch am Dienstag besteht noch hohe Gewittergefahr, so die Meteorologen.

Blitzeinschlag im Hofgarten - Unterführungen überflutet

D. Plange/we/mc

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