Doping-Dealer versorgte Hobbysportler: Haft

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In der Türsteher-Szene des Münchner Nachtlebens rings um den Maximiliansplatz waren die Doping-Dealer ein Geheimtipp

München - Ein 24-Jähriger hat in München einen schwunghaften Handel mit Dopingmitteln betrieben. Kunden waren vor allem Hobbysportler und Türsteher. Jetzt wurde der Mann verhaftet:

Starker Mann, was nun? In der Münchner Bodybuilder- und Türsteher-Szene war er seit Monaten ein Geheimtipp. Seine Ampullen machten aus schwächlichen Knaben echte Kraftprotze. Die Sache hat allerdings zwei üble Haken: Der Konsum solcher Doping-Drogen macht auf die Dauer impotent.

Und der Handel damit gilt vor dem Gesetz knallhart als Verbrechen: Ein 24-jähriger Türsteher aus der Nachtclub-Szene am Maximiliansplatz hat die Münchner Bodybuilder-Szene offenbar seit Monaten mit dem Wachstums-Hormon Testosteron versorgt.

Die Polizei ermittelte bereits zehn weitere Dealer aus seinem Umfeld sowie 25 Konsumenten. Im Rahmen eines großen Doping-Verfahrens in Esslingen (Baden-Württemberg) bekam die Polizei im Herbst 2010 Hinweise auf den Münchner Türsteher. Am 28. Oktober wurde seine Wohnung durchsucht, zahlreiche Dopingmittel wurden beschlagnahmt.

Das hätte ihn warnen können. Doch er machte unbeeindruckt weiter. Im Internet bestellte er weiterhin Arznei- und Dopingmittel sowie das Wachstums-Hormon Testosteron, das in Verbindung mit massivem Krafttraining enorme Muskelzuwächse bewirkt. Alle Präparate sind ­jedoch verschreibungs- und apothekenpflichtig oder dürfen gar nicht nach Deutschland eingeführt werden.

Über einen längeren Zeitraum gespritzt, bewirkt die künstliche Zufuhr, dass der Körper die eigene Testosteronbildung einstellt. Als Nebenwirkungen sind Leberschäden und gesteigerte Aggression zu erwarten – und eben die gefürchtete Impotenz, gegen die der 24-Jährige als Draufgabe gleich das Rundum-Glücklich-Paket parat hielt: Viagra – ebenfalls in großen Mengen illegal aus dem Ausland importiert.

In München hatte der 24-Jährige ein florierendes Dealer-Netz aufgebaut – bestehend aus zehn Bekannten und Freunden aus der Szene, die seine Mittelchen an den Mann brachten. Das Geschäft erweiterte sich rasch per Mundpropaganda. Bedient wurden nur persönliche Bekannte und Freunde aus der wettkampforientierten Bodybuilderszene sowie Türsteher, Security-Männer und auch einige Freizeitsportler.

Als engen Geschäftspartner des Haupttäters identifizierte die Polizei einen Fürstenfeldbrucker Ladendetektiv (41), der für ein Security-Unternehmen arbeitet. Am 23. Februar durchsuchte die Polizei die Wohnungen von insgesamt elf Testosteron-Händlern. Der 24-jährige Kraftprotz wanderte diesmal geradewegs in die U-Haft. Allein bei ihm fand die Kripo 500 Testosteron-Ampullen in Größen von 250 bis 1000 Millilitern. Ob er die so gekauft oder selbst aus Rohstoffen gemischt hat, ist noch unklar.

Auf das Verbrechen des gewerbsmäßigen Handels mit Arzneimitteln stehen bis zu zehn Jahre Haft. Die hohe Strafe steht in keinem Verhältnis zum Gewinn: Der 24-Jährige soll damit nach Polizei­angaben lediglich 500 Euro im Monat verdient haben.

Dorita Plange

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