"Hilfe, mich gibt’s doppelt!"

Die unglaubliche Geschichte des Christian R.

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Christian R. hat bei den Behörden einen Doppelgänger

München - Zwei Menschen, eine Identität. Seit mehr als 30 Jahren gelten der Münchner Christian R. (50) und ein wildfremder Mann in Datenbanken und bei einigen Behörden als die selbe Person. Die Sache hat einen großen Nachteil.

Der Grund: Beide haben nicht nur exakt den gleichen Namen, sondern wurden auch noch am gleichen Tag geboren. Blöd nur für den Münchner, dass sein Doppelgänger eine Art böser Zwilling ist, der einiges auf dem Kerbholz hat. In der tz erzählt er seine unglaubliche Geschichte: „Hilfe, mich gibt es doppelt!“

„Ich kriege immer die negativen Sachen meines Doppelgängers ab. Seit meinem 18. Lebensjahr habe ich deswegen nun schon Probleme“, sagt Christian R. Der 50-Jährige berichtet unter anderem von Versandhäusern, die auf Bezahlungen seines Namensvetters warteten, und sie beim falschen Christian R. einfordern wollten. „Mein Doppelgänger hat anscheinend überall eingekauft, aber nie bezahlt“, sagt R. „Und ich musste mich dann immer um den Schmarrn kümmern.“

Die exakte Übereinstimmung von Name und Geburtsdatum führt in einigen Datenbanken dazu, dass die beiden zu einer Person werden. Deshalb gab es einerseits kleinere Verwechslungen, wie etwa unbezahlte Strafzettel, die der Münchner fälschlicherweise begleichen sollte. Es gab aber auch krasse Fälle, wie die Forderung einer Bank nach mehreren tausend Euro. „Mein Doppelgänger hatte da wohl Schulden“, vermutet der 50-Jährige. Zweimal musste er reagieren, um einen Schufa-Eintrag zu verhindern.

Doppelgänger im Gefängnis

Vor ungefähr fünf Jahren war der größte Hammer herausgekommen: Beide Namens-Zwillinge wurden jahrzehntelang unter der selben Sozialversicherungsnummer geführt. „Die bekommt man an seinem ersten Tag als Lehrling. Da war ich 16, den Rest kann sich jeder ausrechnen“, sagt R., der in Folge des Irrtums sein komplettes Arbeitsleben für die Rentenversicherung rekonstruieren musste.

„Drei, vier, fünf Jahre“ sei nun Ruhe gewesen mit den Verwechslungen. Der Doppelgänger von Christian R. saß zwischenzeitlich im Gefängnis, wie der Münchner bei Nachforschungen herausfand. „Wahrscheinlich ist er jetzt geläutert“, vermutet der Münchner. Das Thema war für den 50-Jährigen damit eigentlich gegessen – bis ihm jetzt eine weitere Daten-Schlamperei sauer aufstieß.

Im Oktober trat Christian R. einen neuen Job an. Für den Arbeitgeber forderte er seinen Auszug aus dem Verkehrszentralregister an. Statt seiner eigenen Daten bekam R. aber die seines Doppelgängers – samt vollständiger Adresse. Jetzt weiß R. ungewollt haargenau, wo sein „böser Zwilling“ wohnt. Und es nicht allzu weit weg von München. „Das ist doch eine Sauerei, wie hier mit den persönlichen Daten umgegangen wird“, klagt der 50-Jährige. Schließlich könne weder er noch sein Doppelgänger etwas für den Zufall. Bei all dem Ärger bleibt für Christian R. nur noch die Hoffnung, dass in Zukunft endlich sensibler mit seinen Daten und denen seines Doppelgängers umgegangen wird. „Der Staat redet vom Datenschutz und geht dann selbst so lax damit um“, beschwert sich R.

Nachdem zunächst eine Mitarbeiterin einfach aufgelegt hatte, gab’s vom Kraftfahrt-Bundesamt zumindest eine telefonische Entschuldigung für den falsch versendeten Sünderauszug. „Dafür kann ich mir aber auch nichts kaufen“, sagt er.

Christian R. hat die Verwechslungen satt. Wenigstens ein positiver Aspekt bleibt ihm aber: „Ich glaube bis heute, dass ich wegen dieser Sache nie meinen Wehrdienst ableisten musste. Damals haben sie wohl auch den Falschen erwischt.“ Ausnahmsweise aber zum Vorteil des Münchners.

Johannes Markmann

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