Neuer TGV ab München

Doppelstöckig mit Tempo 320 nach Paris

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Zum ersten Mal hielt der TGV Euroduplex am Dienstag in München

München - Die Deutsche Bahn und die französische Staatsbahn SNCF stocken ihre Schnellzug-Verbindung München-Paris auf – und das ist wörtlich zu nehmen: Ab Ende August werden neue Doppelstock-TGV-Züge die Strecke bedienen. Am Dienstag war erstmals einer im Münchner Hauptbahnhof zu sehen.

„Gleis 15 Einfahrt TGV auf Probefahrt aus Paris.“ Diese Durchsage lockte am Dienstag kurz vor 14 Uhr etliche Schaulustige auf den Bahnsteig. Und als der „TGV Euroduplex“, wie das Gefährt offiziell heißt, zum Stehen kam, entdeckten sie gleich die erste Neuerung: Mit wenigen Handgriffen legte ein Mitarbeiter eine Rollstuhlrampe in die erste Tür. Sie ist klein und handlich, weil sie nur wenige Zentimeter Höhe überbrücken muss. Den Hauptteil des doppelstock-typischen Niveauunterschieds zwischen Bahnsteig und tiefliegendem Wagenboden überwindet eine in den Wagon integrierte Hub-Plattform. „Eine immense Erleichterung für uns und für Rollstuhlfahrer“ jubelte Günther Pichler, Regionalchef der DB Station&Service AG.

Noch kleben Schutzfolien auf den Böden der Gänge, die Hocker im Oberstock des Bistrowagens tragen Schutzüberzüge, es riecht wie in einem neuen Auto. Doch schon bald soll der Zug im Linienbetrieb fahren. Ab Ende August bis 7. Oktober, also während der gesamten Wiesn-Zeit, zunächst sonntags, ab dem Fahrplanwechsel im Dezember dann täglich. 509 Fahrgästen bietet der „Euroduplex“ Platz, 148 mehr als das bisher eingesetzte TGV-Modell. Erstmals haben die Franzosen jeden Platz mit Reservierungsanzeigen ausgestattet. Zwischen den beiden Triebköpfen, die im französischen Streckennetz beachtliche 12 000 Pferdestärken freisetzen, sind drei Wagen der ersten Klasse, vier der zweiten Klasse und der Bistrowagen eingespannt.

Der erste Eindruck ist positiv: Gut gepolsterte Sitze mit noch ausreichender Beinfreiheit und angenehme Klimatisierung versprechen entspanntes Reisen. Ungewohnt: Im Parterre des Zuges enden die Abteile in Sackgassen. Wer von Wagen zu Wagen schlendern will, muss sich ins Obergeschoss bemühen.

„Hochgeschwindigkeit“ heißt bei dieser TGV-Generation Tempo 320 – allerdings nur auf einer Teilstrecke zwischen Paris und Lothringen. In Deutschland ist auf einem kurzen Abschnitt immerhin noch Tempo 280 drin, dann bremst das alte Schienennetz den französischen Flitzer aus: 200 km/h zwischen Karlsruhe und Stuttgart, 230 zwischen Augsburg und München. Sechs Stunden und zehn Minuten dauert die Fahrt von München nach Paris. Ab 2016 sollen Ausbauten auf französischer Seite nochmals 30 Minuten einsparen. Was das Neubau-Projekt Ulm-Stuttgart mit Umgehung der auf 70 km/h limitierten Geislinger Steige dereinst an Beschleunigung bringen wird, ist noch unklar.

„Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung der Fahrgastzahlen“, sagt Werner Ried, der Bahn-Verbindungsmann zur SNCF. Etliche Fluglinien hätten sich von dieser Strecke zurückgezogen, so dass der TGV zwischen Stuttgart und Paris nun schon mehr als 50 Prozent Marktanteil habe. 194 000 Fahrgäste haben von Dezember 2007 bis Ende 2011 die schnelle Direktverbindung zwischen München und Paris genutzt. Start in München ist täglich um 6.26 Uhr, Ankunft in Paris Ost um 12.35 Uhr. Die Rückfahrt aus Paris dauert von 15.25 bis 21.35 Uhr. Zusätzliche Direktverbindungen nach Paris gibt es an den Freitagen 31. 8., 21. 9., 28. 9. und 5.10., sowie an den Sonntagen 2., 23. und 30. 9. und 7. 10. um 16.11 Uhr (Ankunft 22.35 Uhr).

Wer rechtzeitig bucht und eines der raren Billig-Tickets ergattert, kommt in der zweiten Klasse für 39 Euro in die französische Hauptstadt. Regulär kostet die einfache Fahrt zweiter Klasse 104,25 Euro. In der ersten Klasse ist im Preis von 169,50 Euro im „Euroduplex“ ein Essen inklusive.

Peter T. Schmidt

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