Drama um Hardy: Die Geschichte hinter der Todesanzeige

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Hardy Drexl starb im Alter von 40 Jahren

München - Es war eine bewegende, eine ungewöhnliche Traueranzeige, die Ende November in der tz erschien. "Wenn ich noch einmal zu leben hätte", stand dort. Wir erzählen das Drama um Hardy.

Weiter heißt es: „Dann würde ich mehr Fehler machen. Ich würde versuchen, nicht so schrecklich perfekt zu sein…“ Diese Zeilen soll ein nicht näher bekannter alter Mann kurz vor seinem Tod verfasst haben. Die Todesanzeige mit den Worten des Unbekannten haben gute Freunde für Hardy Drexl, einen liebevollen Ehemann und Vater, aufgegeben. Die tz erzählt die Geschichte der anrührenden Annonce:

Diese Todesanzeige erschien in der tz - HIER KLICKEN zum Vergrößern

Kurz vor Weihnachten 2010 fingen sie plötzlich an, diese Kopfschmerzen. Unerträgliche Schmerzen. Erst als Hardy Drexl (40) aufstand, wurden sie besser. Dann dachte er, es wird schon wieder. Ein paar Tage später hörte er mit dem Joggen auf. Er, der Sportsmann, hatte Gleichgewichtsstörungen. An den Abenden legte sich Hardy auf die Couch. Er war erschöpft von der Arbeit als Vertriebsmanager. Am nächsten Morgen wachte er wieder mit Schmerzen im Kopf auf. Von alledem erzählte er niemandem etwas. „Das wird schon wieder“, sagte er zu sich.

Es wurde nicht wieder. Die Kopfschmerzen kamen von einem Tumor, der am Stammhirn gewachsen war. Drei Monate wuchs er weiter vor sich hin. Vielleicht ahnte Hardy Drexl, dass sich etwas Schlimmes in seinem Kopf zusammenbraute. Wahrhaben wollte er es nicht.

Erst am 16. April ging er ins Krankenhaus. Es war ein Samstag. Ein Bekannter hatte zu ihm, dem Jugendtrainer beim DJK Pasing, an jenem Vormittag gesagt: „Mit dir stimmt was nicht. Geh schnell zum Arzt.“ Dem Spezl war aufgefallen, dass ein Auge des Trainers seltsam herausgequollen war.

Hardy Drexl blieb bis zur Halbzeit. „Noch nie hat er seine Buben allein gelassen“, sagt sein Bruder Peter (45). Dann verließ Hardy seine Mannschaft, ging ins Krankenhaus nach Pasing. Sechs Tage später wird der gelernte Industriekaufmann im Rechts der Isar operiert.

Am Tag vor der Operation war Hardys ganze Familie mit im Hofbräubiergarten am Wiener Platz . Es war der Geburtstag seiner Frau Alex. Anschließend fuhr Peter Drexl seinen Bruder zurück zum Krankenhaus. Alleine ging Hardy zum Eingang. Nach ein paar Schritten drehte er sich zu seinem Bruder um, schaute ihn mit eindringlichem Blick an. Er zeigte mit dem Finger auf ihn. „Luis“, sagte Hardy. Sein Bruder Peter hatte verstanden. „Luis“, wiederholte er. Es war ein Versprechen unter Brüdern. Luis, Hardys Sohn, sollte nicht allein sein.

Bei der Operation entfernten die Ärzte vier Fünftel des Tumors. Und Hardy Drexl war ein Pflegefall. „Er konnte nicht mehr sprechen, nicht schlucken“, sagt sein Bruder. Auf einem Auge war Hardy blind. Sein Verstand war klar, gefangen in einem gelähmten Körper.

Die nächsten Monate verbrachte Hardy in einem Hospiz, seine Familie wich nicht von seiner Seite. Sein Körper baute immer mehr ab, seine Wangen fielen ein. Seine Wünsche äußerte Hardy, indem er mit einem Finger auf eine Tafel mit Buchstaben deutete.

Einer seiner letzten Wünsche konnte Hardy nicht mehr erfüllt werden: noch einmal aufs Oktoberfest. „Er liebte die Wiesn, er war ein sehr geselliger Mensch“, sagt sein Bruder Peter. „Es gab letzte Wiesn-Abende, an denen wir nicht heimgehen durften, bevor er nicht mindestens einer Bierbank in jedem Zelt ein Abschiedsbussi gegeben hatte.“

Am 28. Oktober schlief Hardy Drexl ein. Für immer. Zehn Monate, nachdem er das erste Mal mit Schmerzen im Kopf aufgewacht war. Zu seiner Beerdigung spielten sie das Lied Stand by me. Und so wird es sein – Hardy wird immer in den Herzen seiner Liebsten sein.

Jacob Mell

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