Leben mit Alzheimer

Drama um Tiger Willi: So feierte der singende Poet seinen 70.

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Abschied von der Bühne musste er schon nehmen: Wilhelm Raabe alias Tiger Willi leidet an Alzheimer.

Wilhelm Raabe, besser bekannt als Tiger Willi, leidet an Alzheimer. Gepflegt wird er von seiner Frau Andrea.

München - Der Tiger Willi hat in der Therapie einen Tiger gemalt. Leuchtend orange mit einem freundlichem Gesicht und einem Schwanz, der sich in der Luft kringelt. „Schon schön, gell“, fragt er. Stolz ist er auf sein Werk – jetzt, da ihn seine anderen kreativen Schöpfungen verlassen haben. Die Texte seiner Lieder und Kabarettstücke, mit denen er über 20 Jahre auf den Kleinkunstbühnen Münchens begeisterte – sie sind seinem Gedächtnis entfallen.

Wilhelm Raabe leidet an Alzheimer. Sonntag hat er seinen 70- Geburtstag gefeiert. Es gab Prinzregententore. Die mag er am liebsten. „Manche Dingen haben sich nicht verändert“, sagt seine Frau Andrea. „Je weiter die Erinnerungen zurückliegen, desto präsenter sind sie“, erzählt die 58-Jährige. So kann ihr Mann sehr wohl noch die Tiger-Willi-Lieder mitsummen. Doch ob er soeben wen begrüßt hat, das weiß er nicht mehr.

Das Paar hat sich 2007 kennengelernt. 2011 wurde geheiratet. Kurze Zeit später zeigte Tiger Willi die ersten Symptome. Hilfe fand das Paar in der Poliklinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Rechts der Isar. Bei Raabe ist das Sprachzentrum angegriffen. Sein Wesen hat sich kaum verändert, aggressiv, wie es in machen Demenz-Fällen vorkommt, wird Tiger Willi nie. „Ich habe das Glück, dass er sehr lieb ist“, sagt Andrea Raabe im Gespräch mit Hallo München. Sie hat sich nach der Diagnose erst Pflegezeit, dann Sonderurlaub von ihrem Beruf als Lehrerin genommen. Sie besuchte ein Angehörigen-Seminar der Alzheimer-Gesellschaft, regelte das Rechtliche, die Pflegeversicherung, organisierte eine Maltherapie. Angst hat sie kaum. „Ich glaube, man verliert einen Menschen nie ganz. Berührungen dringen weiter durch.“

Seine Frau Andrea betreut ihn.

Die Erfahrungen und die Zuversicht, die Andrea Raabe gesammelt hat, will sie jetzt an andere betroffene Angehörigen weitergeben. Sie plant einen Ableger der Alzheimer Gesellschaft in ihrem Heimatort Wörthsee. „Nach Ostern ist das Büro im Keller fertig.“ Und neben ihr strahlt ihr Mann. Der Tiger Willi. Wieder stolz. Auf seine Frau.

Maren Kowitz

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