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So dramatisch war die Not-Geburt

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Weil das Baby bereits im siebten Monat auf die Welt geholt werden musste, wird es auf einer Frühgeborenen-Intensivstation wie dieser versorgt. © dpa

München: Mit laut knatternden Rotorblättern setzt der Rettungshubschrauber sanft auf der Wiese neben dem Klinikum in Großhadern auf. An Bord die hochschwangere Frau aus Gröbenzell, die auf der A 92 auf Höhe Oberschleißheim schwer verletzt wurde.

Ihr Kind wurde durch eine dramatische Not-OP gerettet! Sonntagnachmittag, 14.30 Uhr: Die Hochschwangere saß als Beifahrerin neben ihrem Mann, als er mit seinem Mercedes auf glatter Fahrbahn nicht mehr ausweichen konnte und bei der Massenkarambolage einen querstehenden Wagen rammte. Die Sanitäter bringen die verletzte Schwangere mit einem Notarztwagen vom Hubschrauberlandeplatz in die benachbarte Nothilfe des Klinikums. Ihr Zustand ist ernst.

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Im Schockraum diagnostizieren die Chirurgen alle Verletzungen. Große Sorge macht ihnen das ungeborene Baby. Kann das Kind gerettet werden? Wird die Mutter überleben? Die Untersuchungen ergeben: Die Frau ist im siebten Monat schwanger. Noch während sie die Verletzungen der Frau versorgen, rufen die Chirurgen ihre Kollegen von der Frauenklinik zu Hilfe. Der diensthabende Oberarzt eilt mit einem Kollegen aus der Frühgeborenen-Abteilung in die Nothilfe. Jetzt zählt jede Minute. Wenn der Kreislauf der Mutter zusammenbricht, besteht höchste Gefahr für das Kind. Sie wird intubiert und künstlich beatmet. Die Ärzte entschließen sich zu einem Not-Kaiserschnitt. Für einen Transport in den Kreißsaal ist keine Zeit mehr.

Noch im unfallchirurgischen OP-Saal der Nothilfe setzt der Gynäkologe das Skalpell an und öffnet den Bauch der schwerverletzten Mutter. Vorsichtig befreit er das Baby aus der Fruchtblase und legt es in sterile Tücher. Der Kinderarzt untersucht den Säugling: Er hat zwar durch den Aufprall durch den Bauch seiner Mutter hindurch Verletzungen am Kopf erlitten. Aber er lebt, atmet und schreit. In einem Transport-Brutkasten bringt der Kinderarzt mit einer Schwester das Baby auf die Frühgeborenen-Intensivstation. Dort erholt es sich jetzt von seinen Verletzungen. Nach offiziellen Auskünften besteht keine Lebensgefahr mehr. Inzwischen wird die Mutter weiter von den Unfallchirurgen operiert. Als auch sie außer Lebensgefahr ist, kommt sie auf die chirurgische Intensivstation. Inzwischen ist sie wieder ansprechbar. Wann sie ihr Kind zum ersten Mal sehen und in die Arme schließen kann, wissen die Ärzte noch nicht. Doch als sie erfährt, dass ihr Kind wohlauf ist, lächelt sie glücklich und schließt wieder die Augen.

Michael Timm

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