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Er zog einen Rollstuhl-Fahrer aus einem eiskalten Bach

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Anthony Black (Foto) sprang ins eiskalte Wasser und rettete dem 55-Jährigen das Leben © Moritz

Altenerding - Als er den Mann im Wasser treiben sieht, fackelt Anthony Black nicht lange. Der Engländer (40) springt in die eiskalte Sempt und rettet dem 55-Jährigen das Leben.

Es war am Dienstag kurz nach 12 Uhr, als der Computerfachmann Anthony Black mit seiner Gattin Christine vom Einkaufen auf dem Heimweg ist. Nur wenige Meter von seinem Haus entfernt sehen die beiden etwas in dem Flüsschen Sempt, das still mitten durch den Ort fließt, treiben. „Wir dachten erst, das sei eine große Puppe“, berichtet der Engländer. Doch als sie am Ufer eine heftig winkende Frau sehen, ist beiden klar: Hier treibt ein Mensch hilflos im eiskalten Wasser. Während Christine ein Auto anhält, reißt sich Anthony die Kleider vom Leib. „Das Wasser war wirklich sehr kalt, aber das habe ich im ersten Moment gar nicht gespürt“, erzählt er, nachdem er zu Hause heiß geduscht und sich einen Trainingsanzug übergestreift hat. Durchs hüfthohe Wasser watet er zu dem Mann und bekommt ihn zu fassen. „Seine Augen waren offen, er war ansprechbar, aber er hat nichts gesagt.“ Gemeinsam mit den Insassen aus dem Auto hievt er den Körper kurz vor dem Rechen eines Wehrs ans rettende Ufer und bringt den Mann in die Seitenlage.

Rollstuhlfahrer aus der Sempt gerettet

Sekunden später treffen die Feuerwehr Altenerding, ein Notarzt und ein Rettungswagen ein. Die Einsatzkräfte stellen eine starke Unterkühlung fest, Lebensgefahr besteht aber gottlob nicht.

Erst nach der Aktion wird die ganze Dramatik deutlich. Der 55-Jährige ist querschnittgelähmt und soll an einer schweren Krankheit gelitten haben. Beamte der Erdinger Polizei sichern wenig später die Reifenspuren des Rollstuhls im Schnee, die direkt ans Ufer führen. In der Schräge ist der Rollstuhl stehen geblieben. Im Wasser liegt ein Hausschuh. Der 55-Jährige muss aus purer Verzweiflung gehandelt haben.

Anthony Black kann noch nicht einschätzen, was er geleistet hat. Im mollig warmen Heim streckt er die Hand aus: „Noch zittere ich nicht. Aber ich glaube, der Schock kommt erst, wenn ich begriffen habe, was geschehen ist.“ Der Gerettete befindet sich im Krankenhaus Erding auf dem Weg der Besserung. Er wird psychologisch betreut.

(Hans Moritz)

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