Dramatische Rettung an Isar-Staustufe

Ohne ihn wäre ich gestorben

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Sebastian Z. nach seiner Rettung im Krankenhaus

München - "Ich musste aufgeben. Dann wurde alles hell vor meinen Augen." Sebastian Z. wäre am Samstag ertrunken - wäre nicht der junge Arzt Matthias B. (35) gewesen, der sein Leben riskiert hat, um den Unbekannten zu retten.

Die Strömung am Wehr ist zu stark. Immer wieder zieht sie Sebastian Z. (34) nach unten. „Ich habe versucht, mich hochzustrampeln. Aber nach einer Sekunde Luft holen ging’s wieder runter. Irgendwann hatte ich keine Kraft mehr. Ich musste aufgeben. Dann wurde alles hell vor meinen Augen.“ Der Münchner Doktorand wäre an der Isar-Staustufe ertrunken – wäre nicht der junge Arzt Matthias B. (35) gewesen, der sein Leben riskiert hat, um den Unbekannten zu retten.

Die Isar ist am Samstag gegen 14 Uhr an der Maximiliansbrücke gut besucht. „Ich saß gerade auf der Fischtreppe, um meine Beine im Wasser abzukühlen“, erzählt Matthias B. „Da habe ich im Augenwinkel den Mann gesehen, wie er ausgerutscht und untergetaucht ist.“ Anfangs sei das noch Spaß gewesen, erzählt Z. der tz. Sein Lebensgefährte habe ihn gewarnt, dass er nicht ins Wasser soll. Am Ufer stehen Schilder – absolutes Badeverbot! „Ich war so blöd und naiv. Ich habe noch gelacht, als ich ausgerutscht bin.“ Unter Wasser erkennt er schnell den Ernst der Lage. „Ich hatte eine Riesen-Angst. Ich dachte, ich sterbe.“

Sebastian Z. kriegt nicht mehr mit, dass Matthias B. losrennt. „Ich habe nicht nachgedacht. Ich bin einfach reingesprungen und zu ihm hingekrault“, erinnert sich der Arzt aus dem Klinikum Barmherzige Brüder. Der geübte Schwimmer droht, ebenfalls zu ertrinken, hat aber nur einen Gedanken im Kopf: „Ich hatte Angst, dass ich ihn nicht retten kann.“

Sebastian Z. ist mittlerweile ohnmächtig, er taucht nicht mehr auf. Hektisch greift B. unter Wasser. Da! Er kann den Fuß des Mannes greifen! Der Arzt versucht noch im Wasser, den Mann zu beatmen – vergebens. Inzwischen sind andere Passanten ans Ufer gekommen. Sie helfen dem völlig erschöpften Retter, den Mann ans Ufer zu ziehen. Der Puls ist noch da, stellt der Arzt fest. Mit letzten Kräften dreht B. den Mann in die stabile Seitenlage und beatmet ihn erneut. Die Atmung setzt wieder ein.

„Mir kam alles vor wie ein Traum, als ich aufgewacht bin“, erinnert sich Sebastian Z. „Überall waren Stimmen und Gesichter. Ich wusste nicht mehr, was passiert war.“ Nach drei Minuten ist ein Notarzt-Team der Feuerwehr da. Z. kommt ins Klinikum Bogenhausen auf die Intensivstation, er hat Luft im Magen und Wasser in der Lunge. Auch sein Lebensretter realisiert erst jetzt, in was für eine Gefahr er sich begeben hat. Seine Freundin, die am Ufer um sein Leben bangte, schließt ihn in die Arme. Ein Feuerwehrmann bedankt sich beim Retter. „Ich habe gesagt, dass das jeder in meiner Situation gemacht hätte. Da hat der Feuerwehrmann gesagt: ‚Sehen Sie sich um. Außer Ihnen hat keiner geholfen.‘“

Am Tag danach ist Sebastian Z. zum Glück schon wieder fit. Er ist auf die normale Station verlegt worden. Gemeinsam mit seinem Freund geht er alles nochmal durch. Er bricht in Tränen aus. „Ohne den Mann wäre ich jetzt tot. Ich kann gar nicht sagen, wie dankbar ich ihm bin. Er hat mir das Leben gerettet.“ Retter und Opfer warnen alle Münchner eindringlich. Matthias B.: „Bitte geht an der Stelle nicht baden! Die Schilder stehen nicht umsonst dort..."

Nina Bautz

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