Betrug in 991 Fällen

Drei Jahre Haft für Münchner Promi-Arzt

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Karsten Sawatzki (r.) mit Anwalt Sewarion Kirkitadse

München - Drei Jahre und vier Monate Knast für den Schönheitschirurgen Karsten Sawatzki! Dieses Urteil fällte am Montag das Landgericht in München.

Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt stellte von April 2005 bis Mai 2012 falsche Rechnungen aus, um sich und seine Patienten zu bereichern. Der Trick: Der 50-Jährige hatte systematisch Busen- und Nasen-OPs sowie Botox-Spritzen als HNO-Leistungen abgerechnet. 991 Fälle wurden nachgewiesen, Schaden: ca. 670 000 Euro. Seit einem Jahr sitzt Sawatzki bereits in U-Haft in Stadelheim.

Der Verurteilte hatte sich auch in Prominentenkreisen einen Namen gemacht. Einige Jahre lang arbeitete er in der Bodenseeklinik des Schönheitschirurgen Werner Mang.

Vor Gericht legte der Arzt ein vollumfängliches Geständnis ab, vorgetragen von seinem Anwalt Sewarion Kirkitadse, der durch diverse TV-Auftritte bekannt ist. Dass Sawatzki gestanden hat, wirkt sich positiv auf sein Strafmaß aus. Für ihn spricht auch, dass er sich bei den Ermittlungen kooperativ gezeigt hat.

Bereits 2009 wird Sawatzki in einem ganz anderen Zusammenhang auffällig: Polizeibeamte überwachen im Raum Villingen-Schwenningen Telefongespräche – es geht um Menschenhandel und Prostitution. Offenbar behandelt Sawatzki Patientinnen aus dem Rotlichtmilieu, denn er und seine Sprechstundenhilfe führen Telefonate mit den überwachten Personen. Sie reden auch über die fingierten Rechnungen.

Daraufhin werden die Wohn- und Geschäftsräume des Arztes durchsucht, er zeigt sich zur Zusammenarbeit bereit und überlässt der Polizei eine Liste mit Abrechnungen.

Die Angelegenheit bleibt liegen, doch Ende 2011 kommen die Ermittler wieder dazu, weiter nachzuforschen. Wie sich herausstellt, hat Karsten Sawatzki in der Zwischenzeit seine betrügerischen Geschäfte einfach weitergeführt.

Gegenüber der Strafkammer begründete der Arzt sein Handeln mit Geldnot. Noch ist unklar, ob er seine Approbation behalten kann. „Das wäre der Mega-Gau, wenn ich die verlieren würde“, sagte er in der Verhandlung. Der Haftbefehl wurde ausgesetzt. Möglicherweise wird Sawatzki in der JVA in Landsberg am Lech untergebracht und kann seine Strafe als Freigänger ableisten.

mka

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