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Wegen Betrugsvorwürfen vor Gericht

Dubiose Kinderhilfe: Sie sollen zwei Millionen Euro abgezockt haben

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Klaus D. (57, l.) bestreitet die Vorwürfe. Mit ihm vor Gericht stehen auch zwei der ehemaligen Vereinskollegen.

München - Sie sollen unter dem Deckmantel eines Kinderhilfe-Vereins zwei Millionen Euro veruntreut haben. Nun stehen drei Männer vor Gericht. Einer ist sich keiner Schuld bewusst.

Sie tragen schicken Anzüge mit teuren Hemden. Und hinter ihnen auf der Anklagebank sitzt eine ganze Gruppe von Strafverteidigern. Dass es in diesem Gerichtsprozess um Geld geht, lässt sich schon an dem opulenten Auftritt von Klaus D. (57), Ralf A. (49) und Werner E. (54) erkennen.

Gemeinsam sollen sie mit einem weiteren Komplizen eine ganze Reihe von Betrugstaten begangen haben - und zwar unter dem Deckmantel eines gemeinnützigen Vereins, der sich eigentlich für das Wohl von Münchner Kindern einsetzte.

Color für Kinder e.V. hieß das Projekt, das die drei Angeklagten seit Mitte 2005 geleitet hatten - als Vorstand, Kassenwart und Buchhalter. Sie halfen einigen Familien und ließen unter anderem im Haunerschen Kinderspital eine Küche einbauen. Die finanziellen Mittel dafür kamen aus einem Schenk-Kreis - einer Art Schneeballsystem aus Spenden, bei dem aktive Mitglieder immer neue werben und dafür anteilig begünstigt werden. Rund 5000 Euro zahlte jedes neue Mitglied ein - damit wurden die kinderfreundlichen Projekte bezahlt. Laut Satzung sollten die Gelder "hilfsbedürftigen, armen und behinderten Kindern unter 18 Jahren und deren Familien" im Freistaat zugute kommen. Wurde ihre Not am Ende nur ausgenutzt?

Seit Oktober 2005 sind Schenkkreise laut BVG sittenwidrig

Denn tatsächlich gab es rund um den Verein einige Irritationen. Im Oktober 2005 erklärte das Bundesverfassungsgerichts Schenkkreise grundsätzlich für sittenwidrig. Ein halbes Jahr später hob das Münchner Finanzamt dann die Gemeinnützigkeit des Vereins auf, der somit keine finanzielle Grundlage mehr hatte - und sich nach neuen Investitionsmöglichkeiten umsehen musste.

Laut Anklage wendeten sich die Angeklagten deshalb an einen windigen Finanzberater, der ihnen empfohlen wurde: Er soll ihnen die Methode der sogenannten Mitglieder-Darlehen empfohlen haben. Das Geld der Vereinsmitglieder floss in der Folge in die Geschäfte einer Kapitalanlagefirma - alles unter dem Deckmantel des Vereins, der sich für Kinder einsetzt. "Uns Mitgliedern wurden sechs Prozent Rendite versprochen", sagt Klaus D. Er bestritt die die Betrugsvorwürfe, sagte aber: "Der Schenkkreis hatte mich fasziniert. Der Verein hat richtig viel Geld ausgegeben." Zunächst für soziale Zwecke, später mutmaßlich für dubiose Anlagegeschäfte.

Insgesamt 166 Verträge soll Klaus D. mit seinen Kollegen abgeschlossen haben. Laut Anklage entstand den Anlegern dadurch ein Schaden von 2,15 Millionen Euro. Der Prozess um die krummen Geschäfte könnte für die Angeklagten nun mit einer Gefängnisstrafe enden.

Andreas Thieme

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