tz-Report aus dem Strafgericht

Drei Prozesse, drei Schicksale

Ein Moment, der über Leben und Tod entscheidet. Ein Tag, den man im Leben nie wieder vergisst. So beginnen viele Geschichten, die vor Gericht verhandelt werden. Am Dienstag drehten sich gleich drei Prozesse um Schicksale, bei denen Menschen ums Leben gekommen waren.

Muttermord: Bittere Tränen

Ausgebeutet, erdrosselt und tagelang tot in der eigenen Wohnung liegen gelassen: Der Mord an Karin K. (70) aus Unterhaching tut menschliche Abgründe auf. Ihre Tochter Christine (41) hat die grausige Tat bereits gestanden - gegen sie erhob nun auch Helga T. (69) schwerste Vorwürfe. 30 Minuten lang sagte die beste Freundin des Opfers gestern am Landgericht aus und brachte die Angeklagte bitterlich zum Weinen.

Die Angeklagte Chistine K. (41) hat bereits gestanden.

„Ich kannte Karin seit meinem dritten Lebensjahr, sie wohnte mit ihren Eltern in unserem Haus und war wie eine Schwester“, sagte Helga T. Schon früh hatte sie bemerkt, dass es Probleme gab, als Tochter Christine K. im November 2011 bei Mutter Karin einzog. „Christine rauchte viel, trank täglich und hatte kein Geld. Ihr Leben geriet auf die schiefe Bahn, sie prügelte sich sogar mit Obdachlosen. Karin war finanziell und nervlich schnell am Ende.“ Nur weil Christine mit Suizid gedroht hatte, soll Karin K. ihre Wohnung für deren Schulden belastet haben. „Einmal rief sie mich weinend an und sagte: Meine Tochter sitzt auf der Balkonbrüstung im fünften Stock und will springen.“ Von einer Verabredung aber, dass beide gemeinsam sterben wollten „habe ich nichts gewusst“, sagte Helga T. Tagelang klingelte sie im Februar 2014 an der Tür von Karin K. in der Fasanenstraße – vergeblich. „Trotz Zweitschlüssel traut ich mich nicht hinein.“ Am Ende öffnete die Polizei die Tür der Toten. „Ich erschrak, als ich Christine sah. Sie wirkte zerstört.“ Denn sie hat ihre Mutter auf dem Gewissen!

Das Urteil fällt am 24. Februar – ein Jahr und zwei Tage nach dem Leichenfund.

Andreas Thieme

„Er ist gestraft genug“

Sein BMW-Cabrio hat er seit dem 8. August vergangenen Jahres nicht mehr angerührt. Zu sehr schmerzen Thomas F. (alle Namen geändert) die Erinnerungen an den tragischen Vorfall in Ottobrunn, der sein Leben für immer verändert und das Leben seines Freundes Leon L. († 18) viel zu früh beendet hat. Am Dienstag wurde der Fall vor dem Münchner Amtsgericht verhandelt.

Mit Luftkissen hob die Feuerwehr das BMW-Cabrio an. Doch da war Leon L. bereits erstickt.

Ergebnis: Thomas F. muss keine Strafe befürchten. Eine gewisse Schuld sei laut Gericht zwar erkennbar, die Tatsache, dass F. sämtliche Rettungsversuche unternommen hatte, entlaste den 19-Jährigen jedoch. „Ich weiß nicht, wie das passieren konnte“, erklärte Thomas F. unter Tränen. Leons Eltern pochten als Nebenkläger auf eine Verurteilung von Thomas F. „Auf der einen Seite ist Thomas gestraft genug“, seufzte der Vater. „Aber mit einem Urteil würde Leons Tod zumindest ein wenig gesühnt.“

Die beiden Kumpel waren in F.’s BMW unterwegs, als sie aus dem Motorraum Geräusche hörten. Leon L. stellte sich vor die Motorhaube und lauschte, Thomas F. blieb am Steuer. Aus Versehen ließ F. die Kupplung los, der Wagen machte einen Satz nach vorn und Leon wurde überrollt. Thomas F. alarmierte die Feuerwehr, wollte sein Auto sogar noch selbst anheben. Doch es war zu spät. Leon L. starb noch an der Unfallstelle, erdrückt vom BMW seines besten Freundes.

Ein medizinisches Gutachten belegt nun: Wäre die Feuerwehr früher eingetroffen, hätte man Leon noch vor dem Erstickungstod retten können.

Johannes Heininger

Taifoun A.: Familie verabschiedet sich

Der Tatort an der Reginfriedstraße.

Minutenlang saßen seine Angehörigen im Gerichtssaal um Taifoun A. (35) versammelt. Sie redeten, lachten, weinten. Und bereiteten sich auf einen langen Abschied vor! Denn am vorletzten Verhandlungstag forderte die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft für den mutmaßlichen Mörder, der seine Ehefrau Sampre B. († 32) im Oktober 2013 in Giesing erstochen haben soll. Es liege eine besondere Schwere der Schuld vor – deshalb soll TaifounA. für den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen. Seinen Angehörigen stand der Schrecken ins Gesicht geschrieben, als sie diese Forderung hörten. Ihr lieber Verwandter: ein brutaler Mörder? Damit können sie sich schwer abfinden. Als Totschläger wird Taifoun A. wohl mindestens verurteilt – darauf plädierte jedenfalls Verteidiger Michael Adams und forderte 15 Jahre Freiheitsstrafe. Selbst dann wird seine Familie wohl zu Taifoun A. halten. Erst auf Druck der Justizbeamten verließen sie am Dienstag den Saal.

tz

Rubriklistenbild: © Gaulke Thomas

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