Nach Hehlerei-Skandal

Diese Wertstoffhöfe sind immer noch dicht

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Dieser Wertstoffhof in Feldmoching, Lerchenstraße, ist inzwischen wieder geöffnet. Drei andere sind immer noch dicht.

München - Nach der Großrazzia im März haben immer noch drei Wertstoffhöfe geschlossen. Grund: Die Mitarbeiter fehlen und die Staatsanwaltschaft ermittelt nach wie vor beim Abfallwirtschaftsbetrieb.

Der Hehlerei-Skandalhat tiefe Wunden in der Organisation des Abfallwirtschaftsbetriebs München (AWM) hinterlassen. Seit März stehen eine Vielzahl AWM-Mitarbeiter unter Verdacht, im großen Stil Elektrogeräte und anderen wertvollen Müll beiseite geschafft und über Hehler verkauft zu haben. 18 Mitarbeiter hat das stadteigene Unternehmen inzwischen freigestellt oder sofort entlassen. Die fehlen jetzt.

Deshalb sind drei von insgesamt zwölf Münchner Wertstoffhöfen bis heute geschlossen: Steinhausen in der Truderinger Straße 2a, Obermenzing in der Lochhausener Straße 32 und der Nymphenburger Wertstoffhof in der Arnulfstraße 290. Letzterer wird wohl auch nie wieder öffnen - wegen des schwebenden Ermittlungsverfahrens.

Der Büroleiter der AWM-Werkleitung, Günther Langer, verspricht: "Wir stellen neue Leute ein. Die Vorstellungsgespräche laufen." Man tue alles, um alle Anlaufstellen wieder aufschließen zu können. Bis man aber wieder auf dem alten Stand sei, das dauere. Inzwischen hat der AWM elf der 18 vakanten Stellen neu besetzt. Drei neue Mitarbeiter kommen in den nächsten Wochen. Acht sind bereits eingestellt. Die müssten aber erst eingearbeitet werden.

Grund für die lange Suche nach Personal, sei das spezielle Anforderungsprofil. "Der Job am Wertstoffhof ist psychisch belastend", sagt der Büroleiter. Die Mitarbeiter müssten mit den Bürgern zurechtkommen können. "Stellen Sie sich mal am Samstag an die Container, das ist ein ruppiger, harter Ton dort." Dafür brauche es belastbare Kräfte, die mit dem Stress vor Ort zurecht kommen.

"Die weiteren sieben Stellen können wir noch nicht besetzen", sagt die stellvertretende Pressesprecherin, Bettina Folger. "Sie sind noch vergeben." Die Mitarbeiter seien nur beurlaubt - auch wieder aufgrund des schwebenden Verfahrens.

Aber es gibt auch Lichtblicke: Die der Steinhausener und der Obermenzinger Betrieb will die AWM laut Folger bereits ab 30. Juni wieder öffnen. Bis Mitte September soll außerdem der geplante Großmengenwertstoffhof an der Mühlangerstraße ganz neu eröffnet werden. Er wird dann den kleinen Betrieb an der Lochhauser Straße komplett ersetzen.

Für eine neue Verkaufs- und Auktionsfläche wird der AWM noch länger brauchen. Auch die Halle 2 ist seit dem Hehlerei-Skandal geschlossen. Nach neuen Räumlichkeiten werde gesucht, sagt Büroleiter Langer. Gefunden habe man noch nichts.

Einen Schlussstrich unter die Affäre kann das Unternehmen noch lange nicht ziehen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt immer noch, die Beamten sind nach wie vor auf den Werkstoffhöfen unterwegs. Ob und wenn ja welche Mitarbeiter sie noch unter Verdacht haben, weiß Langer nicht: "Wir haben bis heute keine Akteneinsicht. Wir sind absolut nicht glücklich mit dieser Situation."  Am 3. Juli spricht die AWM-Führung nochmals beim Stadtrat vor und berichtet über den Sachstand.

Und als sei das alles noch nicht genug, beginnt der AWM im Sommer mit größeren Sanierungsmaßnahmen. Deshalb schließt der Wertstoffhof in der Bayerwaldstraße 33 von 30. Juni bis 9. August, der Hof in der Mauerseglerstraße 9 von 11. August bis 13. September, und der Wertstoffhof in der Tischlerstraße 3 von 14. Juli bis 9. August. "Die Maßnahmen sind unabhängig von den kriminellen Vorfällen schon seit längerem geplant", erklärt Folger. "Uns tut das alles schrecklich leid."

Klaus-Maria Mehr

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