Rechtstreit nach Bürgerentscheid

Dritte Startbahn: Was bringt dieser ­Prozess?

Proteste gegen die dritte Startbahn

München - Am Sinn dieses Mammut-Prozesses zweifeln selbst die Richter. Vor dem Verwaltungsgerichtshof hat am Mittwoch der Kampf um die dritte Startbahn am Flughafen begonnen.

Per Bürgerentscheid haben die Münchner im Juni 2012 entschieden, dass die Landeshauptstadt als Teilhaber an der Flughafengesellschaft gegen den Bau votiert. Ohne München kann das Milliardenprojekt nicht verwirklicht werden (Lesen Sie dazu: Erster Tag im Startbahn-Prozess).

Dennoch treiben Regierung und Flughafen-Boss Michael Kerkloh das Projekt weiter voran. Schon jetzt sei die Kapazität der beiden Pisten zu den Spitzenzeiten vollkommen ausgeschöpft. Die neue Startbahn sei eine wesentliche Voraussetzung für die Schaffung zehntausender Jobs. Vertreter der Regierung erklärten am Mittwoch: „Der Freistaat hält an den Planungen fest.“ Das Ergebnis des Bürgerentscheids taten sie als „irrelevant“ ab.

Umso größer ist die Wut der Bürger in den betroffenen Dörfern Attaching, Eitting, Berglern, Oberding und Fahrenzhausen. Gegen den Planfeststellungsbeschluss klagen die Gemeinden, der Landkreis Freising, betroffene Bürger und der Bund Naturschutz. 150 bis 200 Leute demonstrierten am Mittwoch vor dem Sitzungssaal. Sportler, Schützen und Feuerwehrleute marschierten mit ihren Fahnen auf.

„München wird den Bürgerwillen respektieren“, sagte Anwältin Ursula Philipp-Gerlach, die für den Bund Naturschutz auftritt. „Das bedeutet, dass nicht gebaut werden kann.“

Regierungsvertreter bestreiten jedoch das Klagerecht des BUND, der drei Grundstücke im künftigen Flughafengelände besitzt. Dies seien „Sperrgrundstücke“, die laut Grundsatzurteil herauszugeben seien.

Der Prozess wird Monate dauern. „Es macht keine Freude, ein Urteil schreiben zu müssen“, sagte der Vorsitzende des 8. Senats, Erwin Allesch. „Aber wir sehen keine Möglichkeit, uns unter dem Gesichtspunkt des Bürgerentscheids die Arbeit zu ersparen.“

Eberhard Unfried

Umfrage: Die Angst der Anwohner bleibt

Ich will bleiben

Ich lebe schon 25 Jahre in Attaching und ich will dort meinen Lebensabend verbringen. In vier Vereinen bin ich aktiv, bei den Fischern bin ich im Vorstand. Wenn eine Schneise durch unser Dorf gezogen wird, kommt das Vereinsleben zum Erliegen.

Harald Klepp (60)

Nicht lebenswert

Meine Eltern sind selbst Kläger. Wenn die Startbahn kommt, wird unser Haus in einer Höhe von 50 bis 70 Metern überflogen. Dennoch haben wir kein Recht auf Absiedelung. Wir müssten bleiben, obwohl wir dort nicht leben könnten.

Monika Riesch (40) mit Sohn Leopold

Kinder ohne Garten

Wenn die Flugzeuge über unsere Dächer rauschen, könnten unsere Kinder nicht mehr in den Garten. Wir haben Häuser gebaut, in denen wir wegen des Fluglärms nicht mehr wohnen könnten. Das ist menschenverachtend.

Petra Huber (38), Gertraud Thanner (36)

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