3. Startbahn genehmigt - Wie es nun weitergeht

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Theoretisch könnten nun die Bagger am Flughafen anrollen

München - Die Regierung von Oberbayern hat den umstrittenen Bau der dritten Start- und Landebahn am Münchner Flughafen genehmigt. Wie geht's nun weiter? Die tz beantwortet die wichtigsten Fragen.

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Es gibt nur wenige Einschränkungen

Ready for take-off! Das melden Piloten, wenn die Maschine startklar ist. Und das gilt derzeit auch für den gesamten Münchner Flughafen: Ab sofort soll Baurecht für die dritte Start- und Landebahn im Erdinger Moos bestehen!

Die Regierung von Oberbayern hat den umstrittenen Bau der dritten Start- und Landebahn am Münchner Flughafen genehmigt. Gutachten hätten den Ausbaubedarf bestätigt, teilte die Behörde am Dienstag mit.

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Damit könnten ab sofort die Bagger anrollen. Warum sie das nicht werden, wie es weitergeht, was der Flughafen und die Startbahn-Gegner planen – das erklärt die tz im Fahrplan zur Startbahn.

Was bedeutet der Planfeststellungsbeschluss? Es ist der Abschluss der Genehmigung für große staatliche Bauten wie Autobahnen, Schienen oder eben Flughäfen. Mit diesem Verwaltungsakt entsteht Baurecht: Einer dritten Startbahn steht damit nichts mehr im Wege – meist geht mit dem Planfeststellungsbeschluss nämlich ein sogenannter Sofortvollzug einher.

So schnell? Kommt das nicht ein bisschen plötzlich? Die Idee ist so alt wie der Flughafen selbst. Offiziell plant der Airport den Bau seit 2005. Im Jahr 2006 beantragte die Gesellschaft das Raumordnungsverfahren, in dem man sich auf die dritte Startbahn nordöstlich des Flughafens festlegte. 2007 begann das Planfeststellungsverfahren. Der Flughafen reichte 47 Aktenordner mit Plänen ein, die zweimal einen Monat lang in den betroffenen Gemeinden auslagen und gegen die Bürger zweimal ihre Einwendungen geltend machen konnten. Insgesamt protestierten 85 000 Nachbarn! Der Flughafen konnte die Kritik erwidern. Die Regierung von Oberbayern fasst alles in dem Planfeststellungsbeschluss zusammen. Doch es gibt wohl Auflagen.

Wie könnten die Auflagen aussehen? Die Piste soll laut Münchner Merkur wie vom Bauherrn, der Flughafen München GmbH, beantragt vier Kilometer lang sein – die von Startbahn-Gegnern erhoffte Verkürzung der Bahn soll es nicht geben. Auch sind offenbar relativ wenig andere Einschränkungen im Bescheid enthalten: So ist die Flugpiste im Planfeststellungsbeschluss ausdrücklich als Start- und Landebahn definiert.

Wie geht es dann weiter? Flughafen-Chef Michael Kerkloh könnte die Bagger sofort anrollen lassen – wird er aber nicht. Zum einen wollen die Gegner sofort Einspruch einlegen und dann gegen die Genehmigung klagen, zum anderen hatte Kerkloh schon im Februar angekündigt, mit dem Bau zu warten, bis die Genehmigung vor Gericht Bestand hat. Das muss er auch. Schließlich gehört der Flughafen zu 51 Prozent dem Freistaat – und Ministerpräsident Horst Seehofer hat die Devise ausgegeben: Schritt für Schritt vorgehen und mit den Nachbarn reden.

Sind auch Prozesse möglich? Wie gegen jeden Verwaltungsakt des Staates können Betroffene vor den Verwaltungsgerichten klagen. Im Fall der dritten Startbahn ist der Bayerische Verwaltungsgerichtshof in München zuständig. Revisionen kommen vors Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. Solche Verfahren dauern in der Regel mehrere Jahre.

Was planen die Nachbarn? Die Startbahn-Gegner haben Musterklagen angekündigt, in denen stark betroffene Anwohner mit Unterstützung der Bürgerinitiativen und deren Anwälten vor Gericht ziehen.

Warum will der Flughafen den Ausbau? Der Airport will die Zahl der Starts und Landungen pro Stunde von derzeit 90 auf 120 ausbauen. Bislang fliege man tagsüber am Anschlag. Mit einer dritten Startbahn könne ein Knotenpunkt im Flugverkehr entstehen, den statt derzeit 35 Millionen bis zu 58 Millionen Passagiere im Jahr nutzen. Das sichere ­Arbeitsplätze, schon jetzt arbeiten 30 000 Menschen am Flughafen.

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Warum protestieren die Nachbarn? Zum einen sei der Bau sinnlos, weil zusätzlich vor allem Umsteiger kämen, die kein Geld, sondern nur Lärm und Abgase in der Region ließen. Zum anderen fürchten sie durch den Lärm mehr Herzinfarkte und Schlaganfälle. Auch müsste bis zu einem Drittel des Dorfs ­Attaching abgebaut werden, weil dort die Jets mit 50 bis 60 Metern Höhe drüberdonnern. Nicht zuletzt: Zwar kämen immer mehr Passagiere, aber die Zahl der Starts und Landungen sei auf den Stand von 2006 zurückgegangen.

Wann könnte die Startbahn startklar sein? Bislang rechnet der Flughafen mit 2015. Selbst wenn das Milliardenprojekt genehmigt wird, dürfte das wegen der anstehenden Prozesse sehr optimistisch sein.

David Costanzo

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