Dritthöchster Isar-Pegel

Hochwasser überflutet Keller und Garagen

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Das Wirtshaus in der Au (l.): In den Lagerkellern schwimmt Leergut.

München - Ist der dritthöchste Isar Pegel der letzten Jahrzehnte. Deshalb hat's die Au erwischt. Ob ein 500 qm großes Büro oder das Wirtshaus in der Au - alle versuchen zu retten, was zu retten ist.

Ein Glück, der Pegel sinkt! Auch wenn die Münchner im Vergleich mit anderen bayerischen Städten mit einem blauen Auge davongekommen sind, hat das steigende Grundwasser durch das Isar-Hochwasser etliche Garagen, Keller und Innenhöfe komplett überflutet. Gestern Morgen um 5 Uhr lag der Scheitelpunkt bei 4,31 Meter – der dritthöchste Stand der vergangenen Jahrzehnte!

Am schlimmsten betroffen war das besonders tief liegende Viertel in der Au, gefolgt vom südlich angrenzenden Untergiesing. In der Au haben die Stadtwerke am Sonntag sogar vorsorglich in sechs Häusern den Strom abgestellt. Das Deutsche Museum auf der Isarinsel hat aus Sicherheitsgründen das Bergwerk und das Zentrum Neue Technologie geschlossen. „In anderen Münchner Vierteln gab es nur ganz vereinzelt Probleme“, sagt Johann Petryszak von der Münchner Feuerwehr. Mittlerweile fällt der Isar-Pegel langsam wieder. „Aber der Grundwasserpegel sinkt für gewöhnlich mit ein, zwei Tagen Verspätung“, erklärt Experte Petryszak.

Hochwasser: Neue Bilder unserer Leser

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Da die Au bei Hochwasser immer wieder betroffen ist, waren viele Anwohner schon seit Tagen wachsam und haben rechtzeitig ihr Hab und Gut ins Trockene gerettet. Dennoch konnten einige Schäden nicht verhindert werden. Die tz hat drei betroffene Häuser in der Au besucht:

500 qm großes Büro unter Wasser

Prüffeldtechniker Hubert Kohler (48) schiebt Wasser aus seinem Arbeitsraum.

An Arbeit ist hier nicht zu denken: In Hubert Kohlers (48) Firma Grapho Metronic in der Lilienstraße, die Farbmessgeräte für Drucker herstellt, stehen 500 Quadratmeter der Räume im Untergeschoss unter Wasser. „Gestern stand es über einen halben Meter hoch. Wir konnten die mehrere tausend Euro teuren Geräte rechtzeitig nach oben bringen,“ erzählt der kaufmännische Leiter Dieter Fischer. Die Holzmöbel und etliche Unterlagen sind dagegen futsch. Nach dem großen Isar-Hochwasser 2005 hatte die Firma Pumpen installiert. „Die haben diesmal aber nicht viel geholfen, da das Grundwasser vor den Büros durch die Türen gedrungen ist.“ Den Chef, der derzeit im Urlaub verweilt, konnten die Angestellten dennoch beruhigen: „Wir haben das Schlimmste verhindert! Die Arbeit muss aber erst mal liegenbleiben."

Wirtshaus rettet Bier und Essens-Vorräte

1,10 Meter steht Installateur Wolfgang Schuster im Wasser.

Das Wirtshaus in der Au ist wohl der größte Pechvogel in München. Denn das altehrwürdige Gebäude in der Lilienstraße liegt genau zwischen Auer Mühlbach und Isar und hat besonders tiefe Lagerkeller. Auf 1,10 Meter Höhe ist das Wasser hier angestiegen! Dank eines automatischen Hochwasser-Warnsystems wurden Wirt Florian Oberndorfer und seine Mitarbeiter rechtzeitig informiert. Siesind seit Sonntag damit beschäftigt, 50 Bierfässer, Getränkekisten und Lebensmittel-Vorräte ins Trockene zu bringen – das geht bei dieser Höhe nur mit bauchhohen Fischerhosen. Oberndorfer: „Und das ausgerechnet in unserer Jubiläumswoche! Damit der Betrieb weiterlaufen kann, stellen wir jetzt Kühlhänger vor die Tür, um Getränke und Speisen dort auszulagern und so kalt und frisch zu halten."

Innenhof wird zum See

Schnell die Klamotten retten! Bei Nadine Bayer (33) in der Mariahilfstraße sind Keller, Garagen und der Innenhof überflutet.

Der ganze Innenhof: ein großer See! Die Wohnanlage an der Ecke Mariahilf-/Zeppelinstraße hat’s hart erwischt. Anwohnerin Nadine Bayer hat zwar gestern alle Sachen im Keller nach oben geräumt – „aber dann stieg das Wasser weiter auf 30 Zentimeter an“. Gestern watete sie deshalb in ihren Gummistiefeln ständig zwischen Keller und Wohnung umher und rettete zum Beispiel die Winterkleidung ins Trockene. Die Schränke im Keller sind dagegen wohl ein Fall für den Sperrmüll. „In der Garage habe ich meinen Roller vorsorglich auf je zwei Winterreifen aufgebockt – ich hoffe, das hat gereicht. Noch kann ich das Tor nicht öffnen, um nachzusehen …“ Bayer ist froh, dass sie daheim war, um rechtzeitig reagieren zu können. „Einige Nachbarn dagegen sind noch im Urlaub..."

Nina Bautz

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