Der Drogen-Dalí von München

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Ferdinand S. nahm nie selbst Drogen

München - Seinen Schnurrbart hat er hochgezwirbelt wie der Surrealist Salvador Dalí. Surreal verlief auch das Leben von Ferdinand S. (59), der mal braver Bankkaufmann in München war.

Aus dieser Zeit hat er seinen Manieren. Später war er Leiter eines Asylantenheims. Aus dieser Zeit hat er die Kontakte zu Drogenhändlern. Zehn Jahre belieferte er Rauschgift-Barone in München, Wien, London, Zürich und Mailand. Vor Gericht legt er seine Lebensbeichte ab. Ferdinand S. war viel in Europa unterwegs. Mit seinem Rolls Royce Silver Cloud, aber auch häufig mit der Bahn. Verdacht erregte der höfliche Mann nie. Bis zum 12. August 2009. Er saß im Zug München-Innsbruck. Bei Garmisch kontrollierten Polizisten seinen Aktenkoffer: Fast zwei Kilogramm Heroin waren drin: Festnahme!

Ferdinand S. packte aus: Er sei HIV-positiv und habe nicht mehr viel zu verlieren. 114 Kurierfahrten gestand er. Akribisch hatte er notiert, was er im Gepäck hatte: Kokain. Heroin, Haschisch über 200 Kilogramm insgesamt. „Teilweise wusste ich aber nicht was drin war“, räumt er ein. Er verpetzte auch seine Hintermänner. Auf sie ist er nicht gut zu sprechen: „Die ständigen Diskussionen um die Reisespesen waren nervig.“

Als er 1992 für die Regierung von Oberbayern Chef eines Asylantenheimes wurde, hatte er bereits ein halbes Dutzend Vorstrafen auf dem Kerbholz: Betrug, Steuerhinterziehung etc. Warum bekam er den Job trotzdem? „Die haben nicht so genau hingeschaut“, so Ferdinand S. In diesem Heim habe er jene Leute kennengelernt, für die er später als Drogenkurier arbeitete. Zehn Jahre lang lebte er ganz flott damit: „Ich hatte sonst keine weiteren Einnahmen.“ Dem Angeklagten, der in Italien und Tschechien einschlägig vorbestraft ist, droht jetzt die Sicherungsverwahrung.

Eberhard Unfried

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