Die Beichte des Orchesterwarts

Drogenskandal in der Staatsoper: Urteil gefallen

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Daniel M. (r.) wurde im November als Orchesterwart bei der Staatsoper gefeuert – vor Gericht kam er mit Bewährung davon.

München - 150 Gramm Marihuana hatte Orchesterwart Daniel M. (47) von einem Kollegen in der Staatsoper gekauft. Vor Gericht legte er aber eine Drogenbeichte ab, die noch weite Kreise ziehen könnte.

Da hat er nochmal Glück gehabt! Orchesterwart Daniel M. (47) muss nicht ins Gefängnis, obwohl er in der Staatsoper 150 Gramm Marihuana von einem Kollegen gekauft hatte. Das Amtsgericht verurteilte ihn am Donnerstag zu einem Jahr und zehn Monaten auf Bewährung. Und ließ Milde walten, weil er mithalf, den Skandal mit aufzudecken. Vor Gericht legte er aber eine krasse Drogenbeichte ab, die noch weite Kreise ziehen könnte!

„Ich bin seit 1990 abhängig“, sagt Daniel M. Seine Probleme fingen an, als er beim Südwest-Rundfunk in Stuttgart arbeitete. Auch damals schon als Orchesterwart. Erst 18 Jahre später schafft er den Absprung – zurück nach München, in seine Heimatstadt, wo er nach einigen Monaten bei der Staatsoper anfing. „Ich erhielt keinen festen Arbeitsvertrag, aber musste bis zu 15 Stunden am Tag arbeiten. Ohne Pause, ohne Urlaub“, sagt Daniel M. im Drogenprozess aus. Diese belastende Situation habe mit dazu geführt, dass er rückfällig wurde. Und täglich bis zu fünf Gramm Marihuana konsumierte. „Ich habe oft den ganzen Tag gekifft, bis zu 15 Joints“, sagt M. „Aber nie während der Arbeit.“ In der Staatsoper lernt er Sascha G. kennen: Von dem Bühnenhandwerker soll er Ende ab Januar 2014 etliche Drogen gekauft haben. Darunter auch LSD-Trips und Ecstasy-Pillen. „Es war bekannt, dass er gedealt hat. Auch bei Koks sagte ich nie nein, wenn ich gratis schnupfen durfte“, gesteht M. Marihuana verkaufte er selbst auch weiter. Erst als seine Freundin schwanger ist, kommt er zur Besinnung – und stellt sich in Begleitung von Anwalt Tom Heindl der Polizei.

Mit den Beamten arbeitet der Intensiv-Konsument sogar zusammen, um seinen Hintermann dingfest zu machen. Durch einen fingierten Kauf fliegt M. aber auf. Und verliert im November 2014 seinen Job in der Oper! „Sie haben erfolgreich an der Aufklärung der Tat mitgewirkt“, würdigte Amtsrichter Maximilian Weihrauch, sprach Daniel M. aber trotzdem schuldig.

Mittlerweile ist M. zum zweiten Mal Vater und macht eine Therapie. Seit Anfang Mai hat er auch einen neuen Job. Und sagt: „Die Drogenzeit ist vorbei – meinen Kindern zuliebe.“ Gegen Dealer Sascha G. wird noch separat verhandelt. Wie er monatelang unbemerkt bei der Arbeit Drogen verkaufen konnte: Diese Frage wird auch die Staatsoper noch beschäftigen.

Andreas Thieme

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