Dumpingpreise und die Folgen: Friseure packen aus

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Links: Oliver Riepl (20) arbeitet in einem guten ­Salon, wird nach Tarif bezahlt; 2.v.l.: Sie möchte unerkannt bleiben, wurde von ­ihrem Chef gemobbt; 3.v.l.: Sie arbeitete als ­Gesellin ein Jahr lang ohne Vertrag; Rechts: Sie wurde von ihrem Chef vor den Kunden beleidigt

München - Die Dumping-Preise für Haarschnitte lauern an jeder Ecke. Aber was bedeutet das für junge Friseure und ihre Arbeitsbedingungen? Mehrere Münchner Friseure berichten der tz.

Die Versuchung lauert überall: Warum 30 Euro, 40, 50 oder mehr bezahlen für einen Haarschnitt, den man an jeder Ecke auch für elf Euro oder weniger ­bekommt? „Das ist schon verrückt: Die Leute achten mittlerweile auf fair gehandelte Lebensmittel, boykottieren Discounter, weil da die Mitarbeiter schlecht behandelt werden , aber über den Friseurbesuch denkt keiner nach“, klagt Hanna Felder (Name geändert).

Die 25-jährige Friseurmeisterin hat in den sechs Jahren seit Beginn ihrer Berufsausbildung immer wieder erlebt, wie sie selbst oder andere ­Friseure ausgebeutet wurden. „Ich habe schon mal ein Jahr gearbeitet, ohne einen Vertrag zu haben. Ein anderer Chef hat mir eine Gehaltserhöhung versprochen, dafür aber ­einfach meine Lohnsteuer nicht mehr bezahlt. Und es ist schon fast normal, dass man Überstunden macht – zusätzlich zu der halben Stunde, die man vor Beginn der Arbeitszeit da ist und zum Putzen danach.“

Andere Friseurinnen, die wie Hanna Felder anonym bleiben möchten, berichten von Chefs, die ihre Mitarbeiter vor den Kunden schlechtmachen und sich weigern, sich an mündliche Absprachen zu halten. Hanna Felder bringt es auf den Punkt: „Wenn du dich nicht wehrst, hast du keine Chance. Die setzen dir die Pistole an die Schläfe und sagen: ,Bitte, wenn du es nicht machst, warten schon genug andere auf deinen Job.‘“

Die anderen, das sind vor allem un- und angelernte Friseure, die oft für Billig-Friseure arbeiten und ihre Dienste zu Dumpingpreisen anbieten. „Wenn der Schnitt neun Euro kostet, bekommen die Friseure vielleicht zwei Euro bar auf die Hand“, sagt Josef Wieser vom Landes-Innungsverband des bayerischen Friseurhandwerks. Feste Verträge und Sozialleistungen gibt es nicht, und auch der Tarifvertrag galt bislang nur für gelernte Friseure.

Das immerhin soll sich jetzt ändern: Ein Stundenlohn von 7,51 Euro soll die Untergrenze für alle Beschäftigten werden. Das ist der Stundenlohn, den der Tarifvertrag momentan für ausgelernte Gesellen vorsieht. Deren Stundenlohn soll sich ab 1.Mai auf 7,62 Euro erhöhen, macht im Monat 1288,50 Euro brutto.

„Nicht viel, aber es reicht auf jeden Fall“, sagt Oliver Riepl. Der 20-Jährige hat seine Ausbildung im Friseursalon Manfred Kraft in Ottobrunn gemacht, ist dort fest angestellt und mit seinem Beruf rundum glücklich. Mit wachsendem Kundenstamm wird sich auch sein Gehalt erhöhen. Es gilt die 39-Stunden-Woche. Überstunden werden vorher angefragt und dürfen auch mal abgefeiert werden. Ob und wann er seinen Meister machen will, ist noch offen.

Für alle Unzufriedenen ist das zumindest eine Option: Dann kann man seinen eigenen Laden aufmachen und ist selbst der Chef.

Ann-Catherin Karg

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