Selbst schonungslos aufgedeckt

Das dunkelste Kapitel der Münchner Polizei

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Polizeipräsident Wilhelm Schmidbauer (l.) und Kulturreferent Volker Küppers

München - Es ist eine gelungene Aufarbeitung eines wahrlich finsteren Kapitels Münchner Stadtgeschichte. Und es hat über 60 Jahre lang gedauert, bis diese Ausstellung möglich war:

„Die Münchner Polizei und der Nationalsozialismus“ beleuchtet auf beeindruckende und berührende Weise die Rolle der Münchner Polizei vor, während und nach dem Nationalsozialismus.

Die zweite Zerstörung Münchens: Bausünden nach dem 2. Weltkrieg

Die zweite Zerstörung Münchens: Bausünden nach dem 2. Weltkrieg

Eine Ausstellung über Münchner Polizisten, erdacht und umgesetzt von der jungen Generation Münchner Polizisten. Und die haben sich und die unrühmliche Rolle ihrer Vorgänger wahrlich nicht geschont: Nach dreijähriger Recherche in den eigenen Archiven und Unterstützung des Kulturreferates der Landeshauptstadt und des NS Dokumentationszentrum wurde die Ausstellung ám Donnerstag im Rapportsaal vor der versammeltten Stadtprominenz eröffnet. Hauptthema ist die besondere Rolle der Münchner Polizei als zentrales Herrschaftsinstrument des NS-Regimes. In Dokumenten und Bildern, die aus Archiven und Privatbesitz zusammengetragen wurden, offenbaren sich Abgründe. Wie zum Beispiel die Greueltaten der Münchner Bataillone, die der Wehrmacht in die besetzten Gebiete in ganz Europa folgten und dort die schlimmsten Verbrechen begingen. So brutal, dass sich sogar der Oberfehlshaber Ost im Februar 1940 in Polen über einen „Blutrausch“ und „Ansätze von Raub und Plünderung“ beschwerte. Auch die rechtsextreme Unterwanderung und Aushöhlung der Münchner Polizei bis hin zu privaten „Sonderexzessen“ und geduldeten Feme-Morden wird schonungslos dargestellt.

Polizeipräsident Wilhelm Schmidbauer mahnte: „Die Geschichte des Nationalsozialismus zeigt, wie schutzbedürftig die demokratische Ordnung der Gesellschaft ist und welch hohe Bedeutung sie für die Gegenwart hat. Bleiben wir wachsam gegenüber den Gefahren des politischen Extremismus von Rechts, Links oder dem Ausland.“

Dorita Plange

Mord an der Dienstmagd

Bereits Anfang der 20er-Jahre formiert sich in München eine rechtsextreme Gruppierung, die geheime Waffenlager anlegt und deren Feme-Morde von der Polizei gedeckt werden. Solch einem politischen Mord fällt 1920 auch die Dienstmagd Maria Sandmayer (19) zum Opfer. Sie berichtete ausgerechnet einem Mitglied einer Einwohnerwehr, dass sich im Schloss ihres ehemaligen Dienstherrn ein Waffenlager befinde und dass sie dies den Behörden melden werde. Kurz darauf wird sie erdrosselt im Forstenrieder Park gefunden. Neben ihr liegt ein Schild: „Du Schandweib hast verraten. Dein Vaterland. Du wurdest gerichtet von der Schwarzen Hand.“ Ihr Mörder – ein tatverdächtiger Leutnant – flieht ins Ausland. Den Pass dazu bekam er von der Politischen Abteilung der Polizei innerhalb eines Tages.

Die Ausstellung ist bis zum 30. Dezember im Polizeipräsidium (Haupteingang, Ettstraße 2) zu sehen. Öffnungszeiten: Di - Fr. 10 bis 19 Uhr, Sa/So 10 bis 16 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos. Am 15., 22. und 29. November sind um 19 Uhr Vortragsreihen zu Ausstellungsthemen vorgesehen. Kostenlose Karten gibt es dafür ab 9. November im Präsidium.

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