Ehepaar entsetzt

Hilfe, wir haben bald kein RTL mehr!

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Gunda und Hans Ashauer ärgert, dass sie ab 1. August keine Sender der RTL-Gruppe mehr empfangen können. Das geht dann nur noch über Kabel oder unschöne Satellitenschüsseln

München - Das Ehepaar Ashauer aus Neuperlach ist entsetzt. Wegen des DVB-T-Austiegs der RTL-Sendergruppe können die beiden ab 1. August ihre Lieblingssendungen nicht mehr anschauen.

Bauer sucht Frau, Wer wird Millionär, Deutschland sucht den Superstar — für viele Fernsehzuschauer in Oberbayern sind die Tage gezählt, an denen sie diese Sendungen schauen können.Nur noch zwei Wochen, dann steigt die RTL -Sendergruppe in Oberbayern aus dem digitalen Antennenfernsehen (DVB-T) aus.

Der Grund für den Ausstieg: DVB-T sei zu teuer, 30-mal ­höher als bei der Ausstrahlung via Satellit, erklärt ein Sprecher des Kölner Senders. Die hohen Verbreitungskosten stünden in keinem Verhältnis zu den durch DVB-T ­erreichten Zuschauerzahlen.

Schon ab 1. August gibt es im Verbreitungsgebiet München/Südbayern kein RTL, RTL2, SuperRTL, n-tv und vox mehr über DVB-T – rund 160 000 Haushalte in Oberbayern sind betroffen, 90 000 allein in München.

Die tz hat ein betroffenes Ehepaar besucht: Gunda (68) und Hans Ashauer (79) aus München-Neuperlach. Die beiden sind verärgert – und traurig. Hans Ashauer kann ab 2014 keine Qualifikationsspiele für EM und WM mehr schauen, die Übertragungsrechte liegen hierfür bei RTL. Und seine Frau muss bald auf ihre Lieblingssendungen verzichten. Dabei hat sie sich bislang nie eine Folge von Das perfekte Dinner, Goodbye Deutschland oder dem Dschungelcamp entgehen lassen.

Zwar gibt es für Zuschauer wie die Ashauers Möglichkeiten, weiterhin Sender der RTL-Gruppe zu empfangen, zum Beispiel über Kabel oder über Satellit. Doch dafür müssen sie Geld in die Hand nehmen. Für die Ashauers kommt das nicht infrage — schließlich haben sich die zwei erst vor ein paar Jahren einen Fernseher mit integriertem DVB-T-Receiver angeschafft.

„Jetzt wieder umrüsten, ist uns zu teuer“, sagt Gunda Ashauer. Sie rechnet vor: Würden sie sich für Kabel entscheiden, würde die Installation des Anschlusses 49 Euro kosten, und dann müssten die Ashauers jeden Monat rund 22 Euro für den Kabelanschluss bezahlen. „Das ist sehr viel Geld, das sparen wir uns lieber und machen davon Ausflüge“, sagt die Seniorin. „Außerdem bezahlen wir ja Rundfunkgebühren, das sind auch schon rund 17 Euro im Monat, noch mehr Geld fürs Fernsehen ist zu viel.“

Eine Satellitenschüssel dürften die Ashauers gar nicht anbringen – dies ist in dem Haus, in dem die beiden wohnen, nach der Hausordnung nur Ausländern erlaubt. So handhaben das die meisten Vermieter — denn nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts sind sie verpflichtet, Ausländern eine Schüssel zu erlauben, wenn diese anders keine Heimat­sender empfangen können. Aber für Deutsche gilt das nicht – denen können die Vermieter das Anbringen einer Satellitenschüssel erlauben, müssen das aber nicht. Viele verbieten die Schüsseln, weil sie nicht gerade eine Zierde sind. Und wenn sie sie doch erlauben, dann verlangen die Vermieter meist eine Kaution. „Bei uns im Haus müssen 350 Euro hinterlegt werden, falls durch die Schüssel etwas beschädigt wird“, weiß Gunda Ashauer. Deshalb haben sie und ihr Mann gar nicht erst um eine Sondergenehmigung gebeten. „Hinzu kämen ja 300 Euro für die Anschaffung und Installation der Schüssel.“

Das alles hat Gunda Ashauer der RTL-Sendergruppe Mitte Juni geschrieben – und noch immer keine Antwort. Jetzt hat sie sich ungeschaut und eine neue Lieblingssendung entdeckt: Mein neues Leben auf Kabel 1. Da geht es auch ums Auswandern, wie bei Goodbye Deutschland auf vox. „Wenn sie uns von RTL einfach abschalten, dann schalten wir eben um“, sagt Gunda ­Ashauer.

Susanne Sasse

 

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