tz-Besuch bei Münchner Meteorologen

Sie machen unser Wetter

München - Der Deutsche Wetterdienst wird 60 Jahre alt. Die tz besuchte die Münchner Niederlassung und erklärt, wie die Vorhersagen entstehen.

Der 11. November 1952 war ein stürmischer Tag. Die Tagesmitteltemperatur: nur 1,6 Grad, abends sogar knapp unter null. Im Wechsel fegten Schneeregen und Schneeschauer über München, als der Deutsche Wetterdienst seine Büros in Bogenhausen eröffnet. Nur 1,5 Stunden Sonne schenkt Petrus den Wetterforschern, dafür Windspitzen bis zu 60 km/h.

60 Jahre später lockert der Wolkenhimmel auf, als die tz die Münchner DWD-Zentrale in der Helene-Weber-Allee 21 besucht. Ein Kurzzeithoch begrüßt uns – „typisch für den Münchner Herbst“, sagt Niederlassungsleiter Volker Wünsche (61). Er ist im Stress: Denn heuer feiert der DWD seinen 60. Geburtstag – und am Wochenende Tag der offenen Tür. Besucher können sich von 10 bis 16 Uhr anschauen: Wie funktioniert das Wetter? Wie beobachten es die Forscher und welche Spezialgeräte benutzen sie? Die tz-Vorhersage: Es wird spannend.

A. Thieme

Wie alles begann

In den 1960er-Jahren liefen die meisten Tätigkeiten noch per Hand ab: So zum Beispiel die Auswertung der Wetterkarte mit Hoch- und Tiefdruckgebieten (schwarze Linien, Foto oben) sowie Warm- und Kaltfront (rote bzw. blaue Linien) – der Wettertechniker zeichnete sie mit Doppelfüllhalter. Viele Tätigkeiten in der Wetterforschung haben sich heute grundlegend verändert: Bodenortung, Radarsysteme, Beobachtung – vieles läuft automatisch. Zum Beispiel auch die Messung der Sonnenstunden. Früher wurde sie per Brennglas ermittelt.

So geht die Vorhersage

Willkommen in der regionalen Wettervorhersagezentrale! Nach der Wetterbeobachtung findet in dieser Abteilung die zweite Stufe der Wetterkette statt. Herr über die Monitore ist heute Meteorologe vom Dienst Christian Freuer (58): Er checkt Radar und Satellitenbild, verfolgt den Wolkenfilm und die horizontale Verlagerung. Später werden die Daten zur Vorhersage und auch für Unwetterwarnungen verarbeitet. Übrigens: Am besten lässt sich Wind, am schlechtesten Niederschlag vorhersagen. „Für mich ist schlechtes Wetter, wenn es sich auf Dauer nicht ändert.“

Herr des Wetters

Der erste Blick, wenn er morgens aufsteht, geht zum Handy: Wie wird das Wetter heute? Und: Stimmte unsere Vorhersage? Bis zu drei Tagen kann man das Wetter verlässlich voraussagen – „die Trefferquote liegt bei 95 Prozent“, sagt Meteorologe Volker Wünsche. Neben aktuellen Meldungen bietet der DWD ein dreistufiges Warnsystem an: ein Frühwarnsystem (bis zu einer Woche vorher) und aktuelle Unwetterwarnungen. „Das Sturmwarnsystem für die südbayerischen und mittelfränkischen Seen ist wichtig für Touristen und Segelsportler.“ Der DWD München arbeitet auch eng mit dem Katastrophenschutz zusammen – bundesweit einzigartig.

Die Zentrale in München

230 Wetterexperten gehören zum Münchner DWD-Standort – allein 102 sind in den Wetterwarten in ganz Bayern und Baden-Württemberg im Einsatz. . In der regionalen Vorhersagezentrale beobachten und analysieren rund um die Uhr 24 Mitarbeiter im Schichtsystem das Wetter in München und Bayern. 17 Millionen D-Mark hat sich der DWD 1997 den schicken Glasbau in der Helene-Weber-Allee 21 kosten lassen. Im ersten Stock sitzt das regionale Klimabüro, das Daten für Klimagutachten erfasst. Im dritten Stock sitzen die Wetterbeobachter und Meteorologen: Hier wird die Vorhersage erstellt.

Er beobachtet den Himmel

Welche Höhe und Form haben die Wolken, und wie ist die Sicht? Keiner kennt den Münchner Himmel wie Hans-Jürgen Götze (64), der den Job seit 49 Jahren macht. Jede Stunde steigt er aufs Dach und inspiziert den Himmel – seine Beobachtungen ergänzen die automatisch erfassten Daten, die verschlüsselt über den ganzen Globus unter den Wetterdiensten ausgetauscht werden. Zur Beobachtung werden auch Sonden eingesetzt, die in bis zu 40 Kilometern Höhe fliegen und Windgeschwindigkeit und - richtung sowie Lufttemperatur und Feuchtigkeit messen.

Rubriklistenbild: © DWD

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