Dynamo-Pflicht! Dieses Gesetz ist unterbelichtet

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Im Sinne des Gesetzes, aber nicht mehr Stand der Technik: Seitenläufer-Dynamos funktionieren nicht immer zuverlässig. Besser: Nabendynamos

München - Tausende Münchner radeln nun arglos in den Frühling – und können dabei mit einer völlig unterbelichteten Verkehrsregel kollidieren. Warum viele ein Bußgeld riskieren:

Wer von der Polizei mit einem batteriebetriebenen Anstecklicht am Fahrrad erwischt wird, muss mit einem ­Bußgeld von bis zu 15 Euro rechnen. Denn: Dynamo-Licht ist Pflicht!

Verboten: Batterie-betriebenen Anstecklichter sind kein legaler Ersatz für eine Dynamo-betriebene Lichtanlage und dürfen nur an Rennrädern mitgeführt werden

Gemäß Paragraf 67 Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung benötigen Fahrräder ein Licht, das von einem Dynamo angetrieben wird. Einzige Ausnahme: Renn­räder, deren Gewicht nicht mehr als elf Kilo beträgt, dürfen mit batteriebetriebenem Front- und Rücklicht auf öffentlichen Straßen bewegt werden. Allerdings muss diese Batteriebeleuchtung immer mitgeführt werden! Und: Sie muss bei Dunkelheit konstant leuchten, blinken ist tabu!

Was man nie zu Polizisten sagen sollte

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Bettina Cibulski, Pressesprecherin des ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club), findet die Dynamo-Regelung in Ordnung: „Aus unserer Sicht macht das durchaus Sinn. Die Stecklichter leuchten natürlich genauso gut, aber irgendwann ist die Batterie leer, dann können sie ausfallen. Außerdem vergisst man sie leicht, diese Gefahr ist vor allem bei Kindern sehr groß.“ Cibulski empfiehlt das Stecklicht höchstens als zusätzliche Alternative: „Zur Ergänzung sind sie super.“

Viele Münchner fragen sich jetzt, ob die Dynamo-Regel auch für ihr Mountainbike gilt. Die Antwort: Bergradel gehören nicht zur Ausnahme, obwohl sie oft leichter als elf Kilo sind. Warum das so ist? Das Problem ist das Alter des Paragrafen. Die Regeln wurden in den 70er-Jahren eingeführt und seitdem nicht überarbeitet. Der Mountainbike-Boom begann aber erst Anfang der 90er-Jahre. Cibulski: „Da war der technische Standard natürlich noch ganz anders. Vor fünf Jahren gab es einen Antrag auf Erneuerung, der im Bundesrat gescheitert ist. Das Verkehrsamt will das ändern, das kann aber noch Jahre dauern“, so Cibulski. „Außerdem, so denke ich, kann man davon ausgehen, dass man für Stecklichter normalerweise nicht bestraft wird.“

Die Polizei löst das Dynamo-Dilemma auf ihre eigene Art. „Ein Licht sollte natürlich vorhanden sein. Aber wird sind schon froh, wenn überhaupt irgendetwas leuchtet. Die Vorschrift besteht, die Handhabung im Alltag ist eine andere. Die Entscheidung liegt immer im Ermessensspielraum des Polizisten“, sagt Sven Müller von der Pressestelle des Polizeipräsidiums München.

Dass der Irrsinnsparagraf aber durchaus in der Realität seine Anwendung finden kann, zeigt ein Urteil des Landesgerichts München I (AZ 17 O 18396/07) aus dem August 2010. Streitfall war die Schuldfrage beim Zusammenstoß zweier Radfahrer in den Isarauen. Der eine Radler besaß ein Anstecklicht, der andere trug eine Stirnlampe.

Verantwortlich für den Unfall waren sie am Ende beide zu gleichen Teilen. Die Begründung des Gerichts: Ein Fahrrad sei nur mit einem dynamobetriebenen Licht ausreichend beleuchtet.

Mathias Müller

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