Seit fünf Monaten in München unterwegs

E-Scooter-Rambos beschäftigen Krankenhäuser: Arzt spricht über „völlig illusorische Maßnahme“

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Immer wieder werden E-Scooter-Fahrer in Münchner Kliniken behandelt (Symbolbild).

Seit knapp fünf Monaten sind E-Scooter in München zugelassen, seitdem werden immer wieder verletzte Fahrer nach Stürzen in Krankenhäusern behandelt. 

München - Wie komme ich von der Kneipe nach Hause? Eine Möglichkeit sind seit einigen Monaten die E-Tretroller. Doch die Scooter bergen Gefahren – für den Führerschein, wenn man sich alkoholisiert auf den Weg macht, aber auch für die Gesundheit. Seit Elektrotretroller auf deutschen Straßen düsen dürfen, sind betrunkene Fahrer nicht nur ein Fall für die Polizei, sondern auch für die Notaufnahmen im Freistaat. Immer wieder werden verletzte Fahrer nach Stürzen in Kliniken behandelt. Die Zahl der Patienten hat sich aberseit Einführung der E-Scooter Mitte Juni in Grenzen gehalten, wie eine Umfrage bei Kliniken in München und Nürnberg ergab.

In der Landeshauptstadt waren die Ärzte des Universitätsklinikums vor allem während des Oktoberfests mit teils schweren Verletzungen beschäftigt. „Ich war überzeugt, dass deutlich mehr Fälle auf uns zukommen“, sagte Stephan Gass, Leitender Arzt für Unfallchirurgie und Orthopädie im städtischen Klinikum Schwabing in München. In seinem Krankenhaus wurden in acht Wochen 15 Menschen behandelt, die sich bei einem Unfall auf E-Scootern verletzt hatten. „Die Verletzten waren überwiegend junge Menschen zwischen 18 und 40 Jahren.“ Die meisten verletzten sich an Armen und Beinen oder schürften sich auf. „Wir hatten keine einzige schwere Verletzung zu behandeln“, sagte Gass.

E-Scooter in München: Notaufnahme berichtet über Erfahrungen der ersten Monate

Etwas andere Erfahrungen machten seine Arzt-Kollegen von der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität (LMU). „Seit 1. Juli 2019 haben wir im Klinikum Innenstadt eine Vielzahl an Patienten nach E-Scooter Unfällen behandelt“, hieß es aus der Notaufnahme in der Stadtmitte. In der ersten Woche der Wiesn habe es nochmals eine Häufung von Patienten gegeben, diese seien vor allem zum Teil stark alkoholisiert gewesen. „Gegen Ende der ersten Woche war der Durchgriff der Polizei deutlich zu spüren.“ Einige der Patienten hatten sich unter anderem den Ellenbogen, Unterarm oder Unterschenkel gebrochen. Deutlich mehr als 20 Patienten hätten die Ärzte gezählt.

Das sollte die Polizei lieber nicht sehen: Ein junger E-Scooter-Fahrer sorgt mit einem Schnappschuss für große Aufregung

Wie berichtet hatte die Münchner Polizei während der beiden Oktoberfest-Wochen insgesamt 414 alkoholisierte E-Scooter-Fahrer aus dem Verkehr gezogen. 254 von ihnen mussten ihren Führerschein abgeben. Von den Beamten registriert wurden während des größten Volksfestes der Welt allerdings nur 21 Tretroller-Unfälle mit insgesamt 15 Verletzten.

München: Helmpflicht für E-Scooter-Fahrer? Notfallmediziner: „Völlig illusorisch“

E-Roller gelten, anders als Fahrräder, als Kraftfahrzeuge. Wer mit mehr als 0,5 Promille auf einem E-Roller unterwegs ist, muss mit einem Fahrverbot von einem Monat rechnen. Unter 21 Jahren gilt die Null-Promille-Grenze.

Mit Fahrradhelmen könnten auch Scooterfahrer das Verletzungsrisiko bei Stürzen senken. Doch eine Helmpflicht hält der Münchner Notfallmediziner Christoph Dodt für „völlig illusorisch“. Die Tretroller seien für die letzte Meile gedacht und würden oft spontan genutzt, da habe kein Fahrer einen Helm dabei.

Video: Wie gefährlich sind E-Scooter im Straßenverkehr

C. Wörmann/F. Reil

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