Die Eagles in München - Die Konzertkritik

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Satter Sound, kraftvolle Künstler: Timothy B. Schmit, Don Henley, Glenn Frey und Joe Walsh (v.l.) bereiten den 8000 Fans auf dem Königsplatz einen Höhenflug.

München - Die Eageles trumpften am Sonntagabend mehr als zwei Stunden lang bei ihrem Konzert auf dem Königsplatz auf. 8000 Fans genossen die entspannte Atmosphäre.

Der Lockruf der Adler bringt noch immer jeden Horst zum Wackeln. Und die weiblichen Besucher sowieso. Da mögen die Eagles auch noch so flott über den Königsplatz schweben, sich kaum ein Pläuschchen gönnen („Wir müssen um elf fertig sein“, sagt Glenn Frey gleich zu Beginn) – die Country-Rock-Legenden sind die Könige der Lüfte. Und so ziemlich das Gegenteil von gängigen Rock-Konzerten.

Weil die Eagles sich und anderen nichts mehr beweisen müssen. Leute, ihr könnt auch sitzen bleiben und einfach nur zuhören, scheinen sie auszustrahlen. Da wird nicht krampfhaft Stimmung gemacht, nicht ewig in die Hände geklatscht, nicht permanent zum Mitsingen oder Aufstehen animiert (der ein oder andere Fan muss wegen vorgerückten Alters sowieso auf die Bandscheiben achten). Easy oder Take It Easy ist das Motto, und so gibt’s rund 130 Minuten das Gefühl von Freiheit, Melancholie und heiterer Gelassenheit in einem. Eagles halt.

Wer Party machen will, wird enttäuscht. Wer wegen der Musik kommt, wird glücklich. Der himmlische Harmoniegesang geht wie eh und je ins Mark. Das episch-düstere Long Road Out Of Eden, das knallbunte Funk #49 – die Eagles sind viel mehr als „nur“ Country-Rock. Einmal querbeet durch die Musikgeschichte des Quartetts, wie immer großartig um Bläser, Keyboards, Schlagwerk verstärkt. Das berühmteste Rock-Etablissement im Land, in dem es nie zu regnen scheint, wird gleich als viertes Lied abgefrühstückt: Hotel California lädt zum Einchecken ins Ea­gles-Reich.

Gewisses Augenzwinkern ist bei den Herren in reiferem Alter selbstverständlich – die Filme und Animationen auf der Leinwand sind nicht nur getragen gesellschaftskritisch, sondern auch immer wieder zum Jodeln komisch, wenn Bilder und Streifen aus der Frühphase der Adler über den Königsplatz flimmern.

I Can’t Tell You Why, aber dieses Peaceful Easy Feeling sorgt In The City für einen Heartache Tonight. Auch oder gerade dann, wenn man sitzt statt schwitzt und hört statt grölt.

Matthias Bieber

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