Urteil: Sie darf Beamtin bleiben

Polizistin wegen miesem Trick mit eBay-Produkten vor Gericht

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Polizistin Susanne L. (39) wurde ­degradiert, darf aber Beamtin bleiben.

München - Eine Polizistin hat bei eBay Kaffeemaschinen ersteigert und anschließend im Supermarkt umgetauscht. Dafür wurde sie bereits verurteilt. Doch dem Freistaat Bayern reichte die Strafe nicht aus.

Noch fünf Jahre nach ihrer Tat ist Susanne L. (39, Name geändert) traurig und verzweifelt. „Ich kann nicht mehr sagen, warum ich das gemacht habe. Ich hatte eine Lebenskrise und musste sogar in die Psychiatrie“, erklärt die Polizistin dem Richter. 2008 trennte sich Susanne L.'s Freund von ihr. „Mir brach der Boden unter den Füßen weg, ich bekam starke Medikamente.“ Diesen Einfluss macht die Beamte dafür verantwortlich, dass sie in sechs Fällen Kaffeemaschinen bei einem Supermarkt umtauschte – diese hatte sie dort aber gar nicht gekauft, sondern zuvor auf der Internet-Plattform Ebay ersteigert. Der Betrug flog auf – und die Polizistin kassierte eine Strafanzeige. Das Vertrauensverhältnis zu ihren Arbeitgeber: für immer zerstört.

Für Susanne L. hat der Fall harte Konsequenzen: Das Verwaltungsgericht Regensburg degradierte die Polizeihauptmeisterin im Juli 2013 um zwei Dienstgrade – anschließend ist sie nur noch Polizeimeisterin. Dem Freistaat reicht die Strafe aber nicht, klagte erneut! Am Mittwoch verhandelte der Verwaltungsgerichtshof, ob Susanne L. aus dem Beamtenverhältnis entfernt wird.

Für die Polizistin geht es um ihre Existenz – sie weint schon vor Prozessbeginn. Zitternd erklärt sie sich dem Richter: „Ich habe mein Leben wieder im Griff und bereue, was passiert ist.“ 2007 habe sie nach einem Dienstunfall viel Geld von der Versicherung erhalten. „Davon ersteigerte ich die Kaffeemaschinen im Internet. Ich dachte, das sind doch nette Geschenke für meine Verwandten.“ Finanziell machten ihre betrügerischen Umtausch-Aktionen letztlich „gar keinen Sinn“, sagte sie selbst. Weniger als 500 Euro erhält sie dafür. Erst ab einem Schaden von 5000 Euro werden Beamte aber aus dem Dienst entfernt, wenn nicht noch erschwerende Gründe hinzukommen. Die sah Richter Peter Läpple nicht: „Wir halten die Degradierung noch für gerechtfertigt.“ Susanne L. darf also Polizistin bleiben, allerdings zu reduzierten Bezügen.

Andreas Thieme

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