Abzocke in Erotik-Bars! Männer zahlen aus Scham

München - Männer aus aller Welt sind zur Wiesn-Zeit in zwei Nachtbars im Bahnhofsviertel offenbar von Animierdamen gnadenlos abgezockt worden. Die Scham hat sie zum Zahlen bewegt.

Peinlich, peinlich. Denn wie – bitteschön – soll man diese Wahnsinns-Rechnung der Ehefrau erklären? Zahlungskräftige Männer aus aller Welt sind zur Wiesn-Zeit in zwei Nachtbars im Bahnhofsviertel offenbar von Animierdamen gnadenlos abgezockt worden. Der bislang bekannte Schaden beläuft sich nach Polizeiangaben bereits auf 300 000 Euro. 30 Opfer erstatteten Anzeige – darunter ein Gast, der für Billig-Sekt und ein paar Bier im Separée satte 10 500 Euro zahlte. Tatsächlich müssen es noch viel mehr Opfer gewesen sein. Aus Scham jedoch haben sie vermutlich geschwiegen. Und gezahlt.

Es handelt sich um zwei Etablissements in der Schillerstraße, nämlich die Dolly- und die Mini Bar. Zwei von vielen Erotik-Clubs, in denen speziell zur Wiesn-Zeit so mancher feucht-fröhlicher Herrenabend im Absturz endete. Leichte Beute für noch leichter bekleidete Damen, die diese Männer mit unübersehbaren Argumenten ins Separée bugsiert haben sollen. Zum Teil wurden die Männer angeblich von der Straße abgeschleppt.

Nach den Ermittlungen der Polizei wurden die ohnehin schon angetrunkenen Männer im Separee regelrecht abgefüllt und schließlich mit sanftem Gesäusel aufgefordert, die Rechnung per EC-oder Kreditkarte zu bezahlen. Bei der Eingabe der Geheimzahl jedoch sollen ihnen die Damen über die Schulter geschaut und danach die Karten gleich nochmal und nochmal durchgezogen haben. In einigen Fällen sollen die Männer erst bei der Kreditkartenabrechnung auf den Betrug aufmerksam geworden sein. Andere standen schon am nächsten Tag blank da – Kartenlimit heillos überzogen! Unter den Opfern sind Deutsche, Österreicher und Schweizer genauso wie Briten, Amerikaner und Australier.

Am 15. Dezember rückte die Sitte (Kommissariat 35) an – im Schlepptau die Steuerfahndung, den Staatsanwalt und einen Mitarbeiter des KVR, der diverse gaststätten- und gewerberechtliche Verstöße in den Erotik-Bars feststellte. Auch die Privatwohnung des 64-jährigen Clubbetreibers wurde durchsucht. Die Polizei ermittelt auch gegen 13 Animierdamen (25 bis 54 Jahre) aus Polen, Rumänien, Kamerun, der Ukraine und Kasachstan. Sie alle sollen an dem lukrativen Deal beteiligt gewesen sein.

Dorita Plange

Das ist im Sperrbezirk erlaubt

Betrügereien und gaststättenrechtliche Verstöße: Sie machen nur einen kleinen Teil der Arbeit der Münchner Rotlichtpolizei aus. Im vergangenen Jahr hat die Sitte über 100 Verstöße gegen das Prostitutions-Verbot innerhalb der 27 Sperrbezirke festgestellt.

Grundsätzzlich gilt: Seit 1969 ist Sex nur noch in wenigen Vierteln erlaubt. „Innerhalb des Altstadtrings sind sexuelle Dienstleistungen komplett verboten“, erklärt Uwe Dörnhöfer, stellvertretender Leiter der Sitte. Das betrifft alle Handlungen, auch etwa Oralverkehr oder SM-Spiele. Außerhalb der Altstadt sind vor allem Wohngebiete geschützt. In Gewerbegebieten wie in Pasing oder dem Euro-Industriepark, aber auch beispielsweise in der Landsberger Straße, sind Bordelle dagegen legal.

Parks oder Bahnflächen sind immer tabu und Straßen wie die Hansastraße gelten im Gegensatz zu anderen Städten auch nicht als Straßenstrich. Dörnhöfer: „Das sind reine Anbahnungszonen. Zur Ausübung der Prostitution müssen die Damen und Freier ins Bordell fahren.“

Und was ist im Sperrbezirk erlaubt? „In Animier- oder Stripbars dürfen die Gäste mit den Damen in ein Separée gehen zum privatem Tanz.“ Falls aber die Sitte reinplatzt und da drin mehr passiert als eben dieser Tanz, gibt’s Ärger. „Wenn die Straftat erstmalig und nicht beharrlich begangen wird“, sagt Dörnhöfer, „dann gibt’s nur ein Bußgeld von 300 Euro. Im anderen Fall aber handelt es sich um eine Straftat.“ Und die kann sogar in den Knast führen.

Die 100 Sitten-Verstöße, die die Münchner Polizei 2010 festgestellt hat, fanden nicht nur in Bars statt. „Beliebte Orte sind zum Beispiel Massagesalons, zweckentfremdete Wohnungen oder auch Hotels“, so Dörnhöfer. Die Betreiber kommen meist ungeschoren davon. „Es ist schwer, nachzuweisen, dass Sex zum Geschäftskonzept gehört oder auf Anweisung geschieht. Sie berufen sich meist auf die Hausordnung, die das verbietet.“

nba

Rubriklistenbild: © dapd

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