EHEC: Betriebe stellen sich auf Angst der Verbraucher ein

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Bayerische Produkte und gründliche Hygiene genießen in der Münchner Salatbar BLATTSalate höchste Priorität.

München - Auch in München geht die Angst vor den gefährlichen EHEC-Keimen um. Wie Bauern, Wirte, Standlleut’ und ihre Kunden reagieren:

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Gurken, Tomaten, Salat: Nicht nur im Supermarkt schauen Kunden derzeit zweimal hin, woher das Gemüse kommt. Auch in Münchens Gastroszene müssen Bedienungen täglich Fragen unsicherer Gäste beantworten – und ziehen daraus unterschiedliche Konsequenzen: Während etwa die Bäckerei-Kette Müller-Brot Gurken und Tomaten vorsorglich bis auf Weiteres belegte Semmeln weglässt, verzichtet die Sandwich-Kette Subway lediglich auf Gemüse aus Spanien.

EHEC: Die wichtigsten Fragen und Antworten

dapd
Was verbirgt sich hinter der Abkürzung EHEC? © 
Es handelt sich bei EHEC-Bakterien um die sogenannten Enterohämorrhagischen Escherichia Coli-Bakterien. Seit Anfang Mai verbreitet ein besonders aggressiver Erreger Angst und Schrecken in Deutschland. © dpa
Bisher sind 36 Menschen an den Folgen der Erkrankung gestorben. Überraschend: Betroffen sind vor allem junge Frauen. Normalerweise erkranken Kleinkinder unter fünf Jahren, ältere und immunschwache Menschen durch eine EHEC-Infektion. © dpa/ap
Bei EHEC handelt es sich um eine gefährliche Variante des für den Menschen harmlosen Darmbewohners Escherichia coli. EHEC kommt im Darm von Weiderkäuern vor. Gelangt es jedoch in den Körper des Menschen, setzen die Bakterien dort gefährliche Giftstoffe frei. © dpa/ap
Wissenschaftler haben das Genom des Erregers bereits entschlüsselt. Dabei fanden sie heraus, dass zwei Bakterienstämme ihre Erbsubstanz miteinander ausgetauscht haben. © dpa
Welche Symptome bringt eine EHEC-Erkrankung mit sich? © dpa/ap
Der Erreger kann sich zunächst durch blutigen und wässrigen Durchfall, Erbrechen, Übelkeit und Bauchschmerzen bemerkbar machen. Zudem sind bei schweren Verläufen auch Blutarmut, Gefäß- und Nierenschäden möglich. Auch wenn die Krankheit überstanden ist, können Gesundheitsschäden wie etwa Nierenleiden zurückbleiben. © dpa
Wie wird die Krankheit übertragen? © dpa/ap
Da sich der Erreger vor allem im Kot von Nutztieren findet, ist direkter Kontakt mit den Tieren ein Übertragungsweg. Aber auch verunreinigte Lebensmittel, die Kot-Partikel enthalten, können Ursache sein. Wird gedüngtes Obst und Gemüse ungewaschen gegessen, kann das die Krankheit auslösen. Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist über Schmierinfektionen möglich. © dpa/ap
Was ist bei den aktuellen Fällen die Infektionsquelle? © dpa/ap
Schnell gerieten Gurken und Tomaten in Verdacht. Das Bundesamt für Risikobewertung hat allerdings inzwischen die Empfehlung, auf den Verzehr von Gurken, Tomaten und Blattsalat in Norddeutschland zu verzichten, aufgehoben.  © dapd
Denn inzwischen haben Wissenschaftler Sprossen von einem Biohof im niedersächsischen Bienenbüttel zweifelsfrei als Träger des Erregers identifiziert. © dpa
Beunruhigend: EHEC-Bakterien wurden auch auf bayerischem Salat gefunden. Er befand sich auf Lollo Rosso-Salat eines Fürther Gemüseerzeugers. Erste Laborergebnisse deuten jedoch nicht darauf hin, dass es sich um den gefährlichen Erreger-Typ handelt. © dapd
Wie kann ich mich vor EHEC-Erkrankungen schützen? © dpa/ap
Die Behörden empfehlen, dass in Deutschland derzeit keine rohen Sprossen gegessen werden sollten - auch keine selbst gezogenen.  © 
Der beste Schutz vor dem Keim ist allerdings Hygiene. Dazu gehört regelmäßiges Händewaschen. Verbraucher könnten dem RKI zufolge das Risiko einer EHEC-Infektion weiter minimieren, indem sie alle Lebensmittel vor dem Verzehr mindestens zehn Minuten lang auf 70 Grad erhitzen. Es gibt keine Impfung gegen den Keim. © dpa
In der Berichterstattung ist auch von HUS die Rede. Was ist das? © dpa/ap
HUS steht für hämolytisch-urämisches Syndrom, einen besonders schweren Verlauf der EHEC-Erkrankungen. Dabei kann es zu Nierenversagen und Blutarmut kommen. Das kann lebensbedrohlich sein. © dpa/ap
Was muss ich tun, wenn ich betroffen bin? © dpa/ap
Zunächst sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen. Außerdem sollen EHEC-Erkrankte viel trinken, um den Flüssigkeits- und Salzverlust auszugleichen. Hygiene ist ein Muss, um weitere Ansteckungen zu vermeiden. Mit dem Bakterium infizierte Patienten sollten auf keinen Fall Antibiotika nehmen. Diese könnten die Situation noch verschlimmern, erklärte ein Arzt des Berliner Krankenhauses Charité. Wenn die Bakterien durch das Antibiotikum in großem Umfang zerfallen, werden vermehrt Gifte aus den Bakterien freigesetzt. © dpa/ap

Anders Dennis Jaenicke: Der Inhaber der Salatbar BLATTSalate in der Schäfflerstraße am Dom, geht in die Offensive: Mit einem Infozettel an der Eingangsstür klärt er seine Kunden auf und bürgt für seine Produkte – mit Erfolg: „Bislang ist die Krise fast spurlos an uns vorübergegangen, die Kunden vertrauen uns“, sagt Jae­nicke zur tz und verspricht: „Unser Gemüse stammt aus regionalem Anbau, und sorgfältiger als wir kann man den Salat gar nicht waschen“.

Transparenz und Vorsicht genießen auch in vielen Münchner Kantinen momentan absolute Priorität: „Bis die Fehlerquelle nicht eindeutig festgestellt und ausgeschaltet ist, haben wir Salate komplett aus dem Sortiment genommen“, sagt Sprecherin Ruth Fislage vom Caterer Apetito zur tz. Das Unternehmen beliefert viele Kindergärten, Schulen, Kliniken und Altenheime in der Landeshauptstadt. Auch beim Chiphersteller Infineon stehen statt Gurkensalat momentan mehr gegartes Gemüse und Antipasti auf dem Speiseplan. „Wir achten aber darauf, dass die Vita­minversorgung weiterhin hoch ist“, sagt Michaela Mehls vom Kantinenservice Dussmann. Die Mitarbeiter seien zudem nochmals für die strengen Hygienerichtlinien sensibilisiert worden.

Ob Uni-Mensa, Löwenbräu­keller oder Rathauskantine: Die meisten Münchner Großküchen nehmen die Gesundheitsgefahr zwar ernst, vertrauen aber alle auf ihre bayerischen Zulieferer. „Wir haben keine Produkte aus Spanien am Salatbüffet, aber ansonsten bieten wir weiter Tomaten und Gurken an“, sagt etwa Alfons Schneider, Betreiber der Kantine im Münchner Rathaus. „Die Leute würden dieses Gemüse vermissen. Ich überlasse es dem Kunden selbst, ob er sich davon was auf den Teller legt.“

Ähnlich sieht dies auch Jürgen Koch vom Café Atlas. „Ab und zu bitten uns Gäste, die Gurken und Tomaten wegzulassen, das tun wir dann natürlich auch“, berichtet der Geschäftsführer. „Wir haben die Herkunft unserer Gurken gecheckt, wir waschen sie ordentlich, aber man muss jetzt abwarten, woher der Erreger kommt.“ Panik, so sind sich so gut wie alle Chefs der Münchner Gastrobetriebe einig, ist fehl am Platz.

Iris Spiegelberger

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