EHEC: Entwarnung für München

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Entwarnung in München! Die letzten beiden Patienten verlassen wahrscheinlich das Krankenhaus in der kommenden Woche.

München - Das Gesundheitsamt und das Städtische Klinikum geben wegen der EHEC-Epidemie Entwarnung. Auch die letzten beiden Patienten stehen kurz vor der Entlassung.

Seit einem Monat ist die EHEC-Epidemie bekannt, jetzt geben Gesundheitsamt und Städtisches Klinikum für München Entwarnung: Die letzten beiden Patienten dürfen wahrscheinlich in der anstehenden Woche das Krankenhaus verlassen – geheilt. „Wir können eine sehr positive Bilanz ziehen“, sagt Infektiologie-Chefarzt Prof. Clemens Wendtner der tz. Die Seuche lockert ihren Griff! Am 19. Mai informierte das Robert-Koch-Institut erstmals über eine unheimliche Welle an Infektionen mit dem Darm-Keim EHEC und der Nieren-Komplikation HUS im Norden. Dort steckten sich auch Münchner an: In jener letzten Mai-Woche wurden acht Menschen krank. Der Höhepunkt in der Stadt war in der folgenden ersten Juni-Woche mit 13 Fällen erreicht. Dann sank die Wochen-Bilanz auf acht und in dieser Woche auf vier Kranke. Die letzte Infektion verzeichnete das Gesundheitsamt am Mittwoch.

Die Experten gehen nach Angaben einer Sprecherin davon aus, dass es dabei bleibt. Fünf der 33 Patienten entwickelten darauf die Krankheit HUS. Lebensgefahr! Die Schwerkranken landeten in den Krankenhäusern: Vier Patienten kamen nach Großhadern, eine Kranke nach Harlaching, rund 20 Menschen mit EHEC mussten auf die Isolierstation des Klinikums Schwabing – darunter fünf HUS-Patienten. Während bei den EHEC-Patienten die schweren Durchfälle meist nach wenigen Tagen behandelt waren, mussten die nierenkranken HUS-Patienten fast die ganzen drei bis vier Wochen in der Klinik bleiben, berichtet Prof. Wendtner.

EHEC: Die wichtigsten Fragen und Antworten

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Besonders schwer hatte es eine 30-jährige Münchnerin erwischt: Wie alle HUS-Patienten litt sie unter einer Zerstörung der Blutkörperchen, dazu versagten die Nieren ihren Dienst. Der Austausch der Blutflüssigkeit – die Plasmapherese – konnte irgendwann nichts mehr ausrichten. Die Ärzte verlegten die Patientin auf die Intensivstation und hängten sie an die Dialyse. Letzte Hoffnung Wundermittel: Die Mediziner verabreichten der jungen Frau das neue Mittel Eculizumab, das zur Behandlung noch nicht zugelassen ist. Premiere in München!

Ob die Infusionen den Erfolg brachten, können die Experten anhand eines Einzelfalls nicht sagen. „Wir hatten zumindest den Eindruck, dass es sehr schnell wirkt“, sagt Prof. Wendtner. „Die Zerstörung der Blutkörperchen schien binnen eines Tages durchbrochen worden zu sein.“ So einen Fortschritt konnten die Ärzte bei einer zweiten Patientin jedoch nicht beobachten. Doch auch sie konnten sie heilen: „Die Nierenfunktion hat sich bei allen Patienten wieder normalisiert“, sagt der Chefarzt. Kein Münchner werde auf Dauer auf die Dialyse angewiesen sein, keiner brauche eine neue Niere.

Neben der HUS-Patientin könne wohl auch ein EHEC-Kranker, der eine schwere Darmentzündung davontrug, in den nächsten Tagen entlassen werden. Damit ist München allerdings nicht ganz EHEC-frei. Die Opfer können den Darm-Erreger noch Monate nach der Infektion ausscheiden.

Darum müssen die Betroffenen sich regelmäßig vom Gesundheitsamt testen lassen. Wer in Einrichtungen wie Kindergärten, Kliniken oder Altenheimen arbeitet, darf erst nach drei negativen Proben wieder in den Dienst. Auch bundesweit entspannt sich die Lage seit Wochen: Das Robert-Koch-Institut meldete am Freitag noch 3408 Fälle von EHEC oder HUS – 38 Menschen starben seit Mai.

David Costanzo

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