EHEC: So geht es den kranken Münchnern

+
Eine Krankenschwester am Eingang der Isolationsstation im Klinikum Schwabing: Die Lage der EHEC-infizierten Patientinnen bleibt ernst

München - Die Verunsicherung hält an, aber den beiden Münchner Patientinnen geht es zumindest nicht schlechter. Am Wochenende hat sich die Seuchen-Situation in Stadt und Freistaat stabilisiert.

Über das Wochenende kamen etliche Münchner in die Notaufnahmen der Städtischen Kliniken und befürchteten eine Infektion mit dem Darm-Bakterium EHEC. In keinem Fall bestätigte sich bislang der Verdacht – auch nicht bei der lebensgefährlichen Nierenkrankheit HUS.

EHEC: Die wichtigsten Fragen und Antworten

dapd
Was verbirgt sich hinter der Abkürzung EHEC? © 
Es handelt sich bei EHEC-Bakterien um die sogenannten Enterohämorrhagischen Escherichia Coli-Bakterien. Seit Anfang Mai verbreitet ein besonders aggressiver Erreger Angst und Schrecken in Deutschland. © dpa
Bisher sind 36 Menschen an den Folgen der Erkrankung gestorben. Überraschend: Betroffen sind vor allem junge Frauen. Normalerweise erkranken Kleinkinder unter fünf Jahren, ältere und immunschwache Menschen durch eine EHEC-Infektion. © dpa/ap
Bei EHEC handelt es sich um eine gefährliche Variante des für den Menschen harmlosen Darmbewohners Escherichia coli. EHEC kommt im Darm von Weiderkäuern vor. Gelangt es jedoch in den Körper des Menschen, setzen die Bakterien dort gefährliche Giftstoffe frei. © dpa/ap
Wissenschaftler haben das Genom des Erregers bereits entschlüsselt. Dabei fanden sie heraus, dass zwei Bakterienstämme ihre Erbsubstanz miteinander ausgetauscht haben. © dpa
Welche Symptome bringt eine EHEC-Erkrankung mit sich? © dpa/ap
Der Erreger kann sich zunächst durch blutigen und wässrigen Durchfall, Erbrechen, Übelkeit und Bauchschmerzen bemerkbar machen. Zudem sind bei schweren Verläufen auch Blutarmut, Gefäß- und Nierenschäden möglich. Auch wenn die Krankheit überstanden ist, können Gesundheitsschäden wie etwa Nierenleiden zurückbleiben. © dpa
Wie wird die Krankheit übertragen? © dpa/ap
Da sich der Erreger vor allem im Kot von Nutztieren findet, ist direkter Kontakt mit den Tieren ein Übertragungsweg. Aber auch verunreinigte Lebensmittel, die Kot-Partikel enthalten, können Ursache sein. Wird gedüngtes Obst und Gemüse ungewaschen gegessen, kann das die Krankheit auslösen. Auch eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist über Schmierinfektionen möglich. © dpa/ap
Was ist bei den aktuellen Fällen die Infektionsquelle? © dpa/ap
Schnell gerieten Gurken und Tomaten in Verdacht. Das Bundesamt für Risikobewertung hat allerdings inzwischen die Empfehlung, auf den Verzehr von Gurken, Tomaten und Blattsalat in Norddeutschland zu verzichten, aufgehoben.  © dapd
Denn inzwischen haben Wissenschaftler Sprossen von einem Biohof im niedersächsischen Bienenbüttel zweifelsfrei als Träger des Erregers identifiziert. © dpa
Beunruhigend: EHEC-Bakterien wurden auch auf bayerischem Salat gefunden. Er befand sich auf Lollo Rosso-Salat eines Fürther Gemüseerzeugers. Erste Laborergebnisse deuten jedoch nicht darauf hin, dass es sich um den gefährlichen Erreger-Typ handelt. © dapd
Wie kann ich mich vor EHEC-Erkrankungen schützen? © dpa/ap
Die Behörden empfehlen, dass in Deutschland derzeit keine rohen Sprossen gegessen werden sollten - auch keine selbst gezogenen.  © 
Der beste Schutz vor dem Keim ist allerdings Hygiene. Dazu gehört regelmäßiges Händewaschen. Verbraucher könnten dem RKI zufolge das Risiko einer EHEC-Infektion weiter minimieren, indem sie alle Lebensmittel vor dem Verzehr mindestens zehn Minuten lang auf 70 Grad erhitzen. Es gibt keine Impfung gegen den Keim. © dpa
In der Berichterstattung ist auch von HUS die Rede. Was ist das? © dpa/ap
HUS steht für hämolytisch-urämisches Syndrom, einen besonders schweren Verlauf der EHEC-Erkrankungen. Dabei kann es zu Nierenversagen und Blutarmut kommen. Das kann lebensbedrohlich sein. © dpa/ap
Was muss ich tun, wenn ich betroffen bin? © dpa/ap
Zunächst sollten Betroffene einen Arzt aufsuchen. Außerdem sollen EHEC-Erkrankte viel trinken, um den Flüssigkeits- und Salzverlust auszugleichen. Hygiene ist ein Muss, um weitere Ansteckungen zu vermeiden. Mit dem Bakterium infizierte Patienten sollten auf keinen Fall Antibiotika nehmen. Diese könnten die Situation noch verschlimmern, erklärte ein Arzt des Berliner Krankenhauses Charité. Wenn die Bakterien durch das Antibiotikum in großem Umfang zerfallen, werden vermehrt Gifte aus den Bakterien freigesetzt. © dpa/ap

„Wir haben keine neuen EHEC- und HUS-Kranke“, sagt Kliniksprecher Marten Scheibel. Auch den beiden Münchner Patientinnen geht es zumindest nicht schlechter. Am Wochenende hat sich die Seuchen-Situation in Stadt und Freistaat stabilisiert.

Seit Donnerstag liegt eine 30-Jährige im Klinikum Schwabing, die sich bei einer Hamburg-Reise an einer Gurkenscheibe im Sandwich infizierte. Ihr ging es am Wochenende sogar deutlich besser. Darum musste sie doch nicht an die Dialyse. Infektiologie-Chefarzt Prof. Clemens Wendtner hatte das am Freitag noch in der tz angekündigt. Dann entschlossen sich die Ärzte, noch die Nacht zum Samstag abzuwarten. „Da hat sich ihr Zustand verbessert“, sagt der Kliniksprecher.

Seit Freitag ist die Erkrankung einer 47-Jährigen aus dem Münchner Osten bekannt, die im Klinikum Harlaching liegt. Auch sie muss nicht an die Dialyse. Beide Patientinnen werden aber weiter mit der so genannten Plasmapherese behandelt, bei der dem Blut das Flüssige, das Blutplasma, entzogen und durch solches aus Blutspenden ersetzt wird. Das soll das Gift der EHEC-Bakterien aus den Adern waschen sowie die durch das Gift zerstörten Blutkörperchen. „Die Patientinnen schweben nicht in Lebensgefahr“, sagt Kliniksprecher Scheibel. „Ihre Lage ist ernst, aber stabil.“

Auch im Rest des Freistaats verschlimmerte sich die Lage nicht. Zumindest bis Samstagabend meldete das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit keine neuen Infektionen. Demnach verzeichen die Behörden in Bayern weiter acht Fälle der Nierenkrankheit HUS, drei Kranke mit Verdacht auf HUS und weitere 15 Infizierte mit dem EHEC-Erreger. Ob die Epidemie wirklich gestoppt ist oder ob die stabile Seuchen-Situation ihre Ursache darin hat, dass am Wochenende die Gesundheitsämter geschlossen waren und deswegen keine neuen Fälle melden konnten, wird sich am Montag zeigen.

David Costanzo

Auch interessant

Meistgelesen

Riesen-Festival kommt nach München - Jetzt steht fest: Weltweit bekannte Mega-Stars haben zugesagt
Riesen-Festival kommt nach München - Jetzt steht fest: Weltweit bekannte Mega-Stars haben zugesagt
Anwohner verärgert: Hier in München herrscht kolossaler Parkplatz-Irrsinn 
Anwohner verärgert: Hier in München herrscht kolossaler Parkplatz-Irrsinn 
Aus für beliebtes Münchner Lokal? Jetzt taucht ein Zettel auf, der Stammgäste freuen dürfte
Aus für beliebtes Münchner Lokal? Jetzt taucht ein Zettel auf, der Stammgäste freuen dürfte
Nachbar sieht Flammen aus Dach in Schwabing züngeln: Feuerwehr löscht in schwindelerregender Höhe
Nachbar sieht Flammen aus Dach in Schwabing züngeln: Feuerwehr löscht in schwindelerregender Höhe

Kommentare