EHEC jetzt auch in Harlaching!

+
Ein EHEC-Patient liegt im Krankenhaus. Die Schwabinger Patientin muss an die Dialyse.

München - Es kommt genau so, wie es die Experten vorhergesagt hatten: In München hat der hochgefährliche Darmkeim EHEC wieder zugeschlagen – wieder hat es eine Frau erwischt, wieder trifft es sie im besten Erwachsenenalter.

Die 47-Jährige aus dem Münchner Osten liegt im Klinikum Harlaching auf der Intensivstation. Der ersten Patientin der Stadt, der 30-Jährigen im Klinikum Schwabing, ging es am Freitag schlechter. Chefarzt Prof. Clemens Wendtner ruft schon zu Blutspenden auf.

Lesen Sie dazu:

Gemüsehändler: "Meine Gurken sind sauber"

"Wir rechnen mit weiteren EHEC-Fällen in München"

Ärzte kämpfen um 1. EHEC-Patientin

Beide Patientinnen schweben nicht in akuter Lebensgefahr. „Aber ihr Zustand ist kritisch“, sagt Prof. Wendtner der tz. Um sie besser überwachen zu können, haben die Ärzte die 47-Jährige am Klinikum Harlaching auf ein Isolierzimmer der Intensivstation verlegt. Auch sie leidet an der Blut- und Nierenkrankheit HUS, dem Hämolytisch-urämischen Syndrom, bei dem das Gift der EHEC-Bakterien Blutkörperchen zerstört, was zu Nierenversagen führen kann.

Um das Bakteriengift und die zerstörten Blutkörperchen auszuwaschen, setzten die Ärzte nach Angaben der Klinik auch bei der 47-Jährigen in Harlaching auf eine Plasmapherese, bei der ihren Adern das Flüssige im Blut, das Plasma, entzogen und durch Plasma aus Blutspenden ersetzt wird.

EHEC: Die wichtigsten Fragen und Antworten

EHEC: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Wie sich die Frau mit dem Darmkeim angesteckt hat, ist unklar. Sie war Mitte Mai in Göttingen – zusammen mit einer Reisegruppe aus Norddeutschland. Die EHEC-Bakterien übertragen sich in manchen Fällen von Mensch zu Mensch. Möglicherweise kam es beim Treffen auch zum Austausch der Brotzeit.

Sicher ist dagegen, dass eine der infizierten spanischen Gurken die erste Münchner Patientin in Lebensgefahr gebracht hat. Die 30-Jährige war vor einigen Tagen in Hamburg, wo sie in einer Bäckerei einen Sandwich kaufte. Die Tomate hat sie noch herausgenommen, die Gurke aß sie mit, wie Chefarzt Prof. Wendtner bestätigt. Die Behörden in Hamburg hätten die Gurke eindeutig einer Lieferung spanischer Gurken zuordnen können, die mit dem EHEC-Erreger verseucht war.

Der 30-Jährigen ging es am Freitag schlechter als noch am Donnerstag. Die Niere schafft es nicht mehr, darum sollte die Patientin noch am Freitag an die Dialyse. „Wir sind zuversichtlich, dass die Patientin sich wieder erholt“, sagt Prof. Wendtner. Ihr Zustand sei nicht lebensbedrohlich, aber kritisch. Die Dialyse sei wohl nur vorübergehend nötig. Da­rüberhinaus erhält die 30-Jährige weiter die Plasmapherese.

Aus diesem Grund beobachten die Mediziner ihre Vorräte an dem gelblichen Blutplasma mit Sorge: „Derzeit droht kein Notstand, aber wir behalten die Lage im Auge“, sagt Prof. Wendtner. Denn die Aufbereitung des Plasmas dauert mitunter Tage bis Monate. Zur Sicherheit ruft der Chefarzt am Klinikum Schwabing darum zu Blutspenden auf.

David Costanzo

Auch interessant

Kommentare