Das Internet ist ein Ehekiller

Münchens kurioseste Scheidungsfälle

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München - Ein Ehemann, der sich mehr fürs Chatten in Flirtportalen interessiert als für die ­eigene Partnerin: Das Internet wird für immer mehr Paare zum ­Problem. In einigen Fällen führte das sogar zum Scheidungsanwalt.

Mal wieder Schmetterlinge im Bauch fühlen, dem Alltag entfliehen, eine heiße Affäre eingehen: Um solche Sehnsüchte auszuleben, trieben sich Liebeshungrige früher vornehmlich in Kneipen oder Diskotheken herum. Heutzutage fängt der Seitensprung häufig schon in den eigenen vier Wänden an. Genauer gesagt am Computer. Und immer öfter enden die amourösen Abenteuer mit der Maus vor Gericht.

„Das Internet ist wie ein riesiger Flirt-Flughafen“, weiß der renommierte Münchner Scheidungsanwalt Hermann Messmer. „Allerdings landen dort beileibe nicht nur Singles.“

Erst klicken, dann fremdgehen – wehe, wer erwischt wird! So wie ein Münchner U-Bahnfahrer, der einen Chat fast mit dem Leben bezahlt hätte. Seine Lebensgefährtin hatte ihm – rasend vor Eifersucht – ein Messer in den Bauch gestochen.

Gott sei Dank enden die digitalen Enthüllungen nur selten so blutig. Aber Tränen der Wut und Enttäuschung fließen immer öfter. Ehekiller Internet – Hermann Messmer und sein Kollege Andreas Vitti kennen viele kuriose Scheidungsfälle:

Die böse Überraschung: Ein Ehemann besuchte ein Seitensprungportal, klickte sich genüsslich durch freizügige Fotos potenzieller Partnerinnen. Irgendwie kamen ihm die Rundungen einer bestimmten Dame bekannt vor. Ihr Gesicht sah man zwar nicht, und sie hatte sich einen Fantasie-Namen zugelegt. Aber nach einigen Recherchen enttarnte der Sex-Detektiv die Schönheit: „Es handelte sich nämlich um seine eigene Ehefrau“, erzählt Messmer. Als der gehörnte Gatte seiner Gattin ein Szene machen wollte, kam er allerdings selbst in Erklärungsnot. Schließlich hat ja ein braver Ehemann nichts in einem Seitensprungportal zu suchen. Am Ende war die Ehe nicht mehr zu kitten.

 Der Facebook-Albtraum: Zwischen den beiden kriselte es schon länger, das Paar zoffte sich permanent, aber auf ihrer Facebook-Seite ließ die unglückliche Ehefrau ihrem Frust erst so richtig freien Lauf. Sie beklagte sich mit einer gewissen Selbstironie darüber, dass sie sexuell nicht mehr auf ihre Kosten komme. Ihr Ehemann, so die schonungslose Analyse, könne sie einfach nicht mehr befriedigen. Sie glaubte, dass der angebliche Schlappschwanz diese Lästereien nicht lesen kann. Denn das Ehepaar war in dem sozialen Netzwerk nicht miteinander verknüpft. Dazu muss man bei Facebook gegenseitig eine so genannte Freundschaftsanfrage bestätigen. Das hatte der Ehemann zwar nicht getan, aber sich die Zugangsdaten einer Freundin seiner Frau besorgt. Mit Hilfe dieses digitalen Schlüssels konnte er unbemerkt alles lesen, was seine Gattin zum Besten gab. Der Mann entschied sich für einen doppelten Logout: erst bei Facebook, dann beim Scheidungsrichter.

Der Porno-Workaholic: Fast immer wenn der Ehemann nach Hause kam, verschwand er sofort in sein Zimmer, setzte sich an den PC. Seiner Frau sagte der Workoholic, er habe sich unheimlich viel Arbeit aus dem Büro mitgenommen und müsse diese unbedingt noch abarbeiten. Irgendwann wurde sie misstrauisch, fand sein Passwort und nahm den Computer unter die Lupe. Mit Schwerstarbeit hatten die Dateien nur bedingt zu tun, vielmehr handelte es sich um eine Riesensammlung von abartigen Pornobildern und Sex-Videos. Sie verließ ihn.

Die kaufsüchtige Ehefrau: So sehr der Ehemann auch schimpfte – seine Gattin gab immer mehr Geld für Einkäufe im Internet aus. Er ließ das Konto sperren, aber sie shoppte heimlich mit seiner Kreditkarte weiter. Letztlich machte er vorm Scheidungsrichter von seinem Umtauschrecht Gebrauch.

Andreas Beez

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